Forscher: Beim Brexit verlieren alle, besonders die Briten

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Mini-Produktion in Oxford: Vor allem Großbritannien selbst wird wirtschaftlich unter dem EU-Austritt leiden. Foto: BMW AG/Archiv

Den Warnungen vor hohen Kosten zum Trotz haben die Briten für den EU-Austritt ihres Landes gestimmt. Ökonomen wiederholen nun ihre düsteren Prognosen: Die Bertelsmann-Stiftung erwartet Wirtschafts-Einbußen von bis zu 300 Milliarden Euro.

Gütersloh (dpa) - Nach der Entscheidung der Briten für einen EU-Austritt erwarten Ökonomen der Bertelsmann-Stiftung gravierende wirtschaftliche Einbußen in Europa. Am schmerzhaftesten werde ein Brexit die Briten selbst treffen.

"Es ist eine Situation in der alle verlieren, die EU-Mitgliedsländer und ganz besonders dramatisch Großbritannien", sagte Andreas Esche, Leiter des Wirtschaftsbereichs der Stiftung, im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur.

Blieben die EU-Länder bei ihrem angekündigten harten Kurs gegen die ausstiegswilligen Briten, zeichne sich eine Abschottung ab, die die britische Wirtschaft bis ins Jahr 2030 mehr als 300 Milliarden Euro kosten könnte. Isoliere sich Großbritannien in Handelsfragen komplett, könnte auch Deutschlands Wirtschaft Verluste von insgesamt mehr als 55 Milliarden Euro einstecken müssen.

Einbußen in dieser Höhe hatten die Wirtschaftsexperten der Bertelsmann-Stiftung für eine bereits 2015 veröffentlichte Studie errechnet. "Wir sehen mit Schrecken in den Gliedern, dass die Prognosen nun relevant bleiben und die wirtschaftlichen Argumente gegen den Brexit das Votum nicht haben anders ausfallen lassen", sagte Esche. "Die Engländer haben sich für eine Phase der Unsicherheit entschieden." Diese Unsicherheit hemme auf der Insel den Konsum und die Investitionsfreude und reduziere die wirtschaftliche Leistung in den kommenden Monaten und Jahren.

Langfristig schlagen teurer werdender Handel, fehlende Investitionen und schwindende Innovationskraft zu Buche. Die noch heute gültige Studie geht von einem Einbruch des Bruttoinlandsprodukts um bis zu 14 Prozent bis zum Jahr 2030 aus. Die Ökonomen beziehen sich auf diesen Zeitraum, weil sie davon ausgehen, dass handelspolitische Entscheidungen erst dann ihre volle Wirkung entfalten.

Mehr als 50 Prozent des britischen Import- und Exportgeschäfts wickelte England zuletzt mit EU-Mitgliedsstaaten ab, heißt es in der Studie. Fallen die durch die EU garantierten Handelsprivilegien weg, verteuern Zölle und andere Effekte den Austausch von Waren und Dienstleistungen.

Zu den Sektoren, die es den Experten zufolge besonders hart treffen wird, zählen die Maschinenbau- und Automobilbranche, aber auch die Pharma- und Chemieindustrie. In diesen Feldern führe eine britische Isolation aufgrund der vielen Produktnormen und unterschiedlichen Regularien schnell zu teuren Handelshemmnissen, erklärte Esche. Besonders treffe die Abschottung die Briten aber auf dem für sie so bedeutsamen Finanzdienstleistungssektor. Investoren könnten sich zurückziehen. Es fehle ihnen schließlich dann ein wichtiger Grund nach England zu kommen: Der Zugang zum europäischen Binnenmarkt. Das treffe auch andere Branchen.

"Andersherum kann es durchaus sein, dass es deswegen Investitionsverlagerungen auf den Kontinent geben wird", sagte Esche. So könnten von Abwanderungen vom Finanzplatz London, Frankfurt, Paris oder andere Finanzzentren profitieren.

Weitere Informationen der Bertelsmann-Stiftung zum Brexit

Unternehmerbefragung zu den Folgen eines Brexit

Kurzfassung Bertelsmann-Studie zu wirtschaftlichen Folgen eines EU-Austritts

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