Erschwerte Pläne nach Brexit-Votum

Deutsche Börse zieht alle Register für Fusion mit London

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Mit dem britischen Votum für einen EU-Austritt haben sich die Rahmenbedingungen für Fusion der beiden Börsenbetreiber deutlich verändert.

Frankfurt/Main - Die Deutsche Börse bangt um den geplanten milliardenschweren Zusammenschluss mit dem Londoner Konkurrenten LSE. Das Brexit-Votum der Briten erschwert die geplante Fusion der Börsen.

In der vergangenen Woche wurde zwar die erste Hürde auf dem Weg zu einem Zusammenschluss genommen. Doch es gibt noch viele Fragezeichen.

Um nicht schon an den eigenen Aktionäre zu scheitern, erwägt der Konzern laut einer Mitteilung von Sonntagabend die Hürde für deren Zustimmung zu senken. Derzeit liegt die Mindestannahmeschwelle bei 75 Prozent. Im Laufe des Montags soll nun über eine niedrigere Hürde entschieden werden.

Bis Dienstag (12. Juli), 24 Uhr, haben die Aktionäre Zeit, ihre Anteilsscheine für den Umtausch in Papiere des fusionierten Unternehmens anzubieten. Sollte die Annahmeschwelle nicht erreicht werden, wäre der Deal geplatzt. Bis Freitagmittag hatte erst gut ein Viertel der Eigentümer das Angebot angenommen. Allerdings ist es üblich, dass sich ein Großteil der Investoren erst auf den letzten Drücker entscheidet. Als noch viel größeres Hindernis gilt aber ohnehin die Zustimmung von zahlreichen Aufsichtsbehörden.

Mit dem britischen Votum für einen EU-Austritt haben sich die Rahmenbedingungen für die bereits im März ausgehandelte Fusion der beiden Börsenbetreiber aus Frankfurt und London deutlich verändert. Viele Aktionäre der Deutschen Börse zweifeln, ob sich der Deal für ihr Unternehmen noch lohnt. Nach dem Absturz des britischen Pfunds und dem Rückgang des Aktienkurses infolge des Referendums hat die LSE jedoch deutlich stärker an Wert verloren als die Deutsche Börse.

An dem ausgehandelten Machtverhältnis soll sich dennoch nichts mehr ändern. Festgelegt ist, dass die Deutsche Börse künftig gut 54 Prozent der Aktien am gemeinsamen Konzern halten soll. Die Konzerne werben unter anderem mit Kosten- und Umsatzvorteilen von rund 700 Millionen Euro für den Zusammenschluss. Um den Deal zu retten, könnte die Deutsche Börse das Angebot auch noch nachbessern, in dem sie etwa ihren Aktionären eine Sonderdividende zahlt. In der vergangenen Woche hatten die Aktionäre der LSE bei einer außerordentlichen Hauptversammlung mit 99,9 Prozent für die Fusion gestimmt.

Eine mögliche niedrigere Annahmeschwelle begründete die Börse damit, dass Indexfonds ihre Papiere typischerweise erst in der zweiwöchigen Nachfrist nach Ablauf des offiziellen Termins umtauschen dürfen, wenn bestimmte Annahmeschwellen erreicht sind. Bei der Deutschen Börse liegen rund 15 Prozent der Anteile bei Indexfonds.

Erheblichen Gegenwind bekommt das Fusionsvorhaben auch von den Aufsichtsbehörden. So muss die EU ebenso wie die im hessischen Wirtschaftsministerium beheimatete Aufsicht für die Frankfurter Wertpapierbörse zustimmen.

Dass London wie bislang vorgesehen rechtlicher Hauptsitz des fusionierten Konzerns wird, ist nach dem Brexit-Votum kaum noch vorstellbar. Als Kompromiss hat Börsen-Chef Carsten Kengeter inzwischen eine doppelte Holding oder einen Sitz an einem neutralen Ort in der EU, etwa Amsterdam, ins Spiel gebracht. Dazu fehlt aber bislang ein Bekenntnis aus London. Die britische Regierung hatte bisher London als Sitz der gemeinsamen Konzernholding zur Bedingung gemacht.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hatte in der vergangenen Woche erklärt, dass der Sitz der Holding nicht das Wichtigste sei. Entscheidender sei, welche Geschäftsfelder in Frankfurt oder London blieben. Pläne der Börse sehen vor, dass etwa das Geschäft mit der Verrechnung von Euro-Finanzgeschäften (Clearing) von London nach Frankfurt zieht. Änderungen an den bisherigen Plänen für den Zusammenschluss soll ein von Deutsche Börse und LSE gebildetes Referendumskomitee in den nächsten Monaten erarbeiten.

dpa

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