Yatabare und Tremmel da, Kroos weg – alles an einem Tag

Werders Wechsel-Wahnsinn

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Werders Sportchef Thomas Eichin (links) und Sportdirektor Rouven Schröder nehmen sichtlich stolz Neuzugang Sambou Yatabare in ihre Mitte.

Bremen - Lange sah es so aus, als würde sich bei Werder Bremen gar nichts tun. Doch inzwischen geht’s richtig rund.

Wilde Fahrt im Wechsel-Karussell. Assani Lukimya verkauft, Laszlo Kleinheisler verpflichtet, Papy Djilobodji ausgeliehen und Levent Aycicek verliehen. Und gestern ging es dann Schlag auf Schlag am Weserstadion: Erst kam Ersatzkeeper Gerhard Tremmel, dann Mittelfeldmann Sambou Yatabare. Und Felix Kroos nahm Abschied, er spielt bis Sommer bei Union Berlin. Damit sind Werders Aktivitäten auf dem Wintermarkt abgeschlossen. „Großes wird nicht mehr gemacht, denn finanziell sind wir ausgereizt“, meinte Sportchef Thomas Eichin. Der total verrückte Bremer Transfer-Tag:

Sambou Yatabare

Der 26-jährige Nationalspieler aus Mali war gestern Abend die letzte Personalie, die final geklärt wurde. Werder scheint großes Vertrauen in seine Fähigkeiten zu haben, nahm den 1,90 Meter langen, defensiven Mittelfeldmann für dreieinhalb Jahre unter Vertrag und zahlt 2,5 Millionen Euro an den griechischen Spitzenclub Olympiakos Piräus. Dort war Yatabare noch bis 2017 gebunden. Die Griechen hatten ihn allerdings an Standard Lüttich ausgeliehen. Die Belgier wollten den Leistungsträger auch kaufen, doch Werder grätschte dazwischen – und musste etwas tiefer in die Tasche greifen. Als Entschädigung dafür, dass sie den Spieler vor Leihende im Sommer ziehen lassen müssen, erhält Lüttich angeblich 500000 Euro von der Ablösesumme.

Das ist Sambou Yatabare

„Mit Sambou haben wir unseren absoluten Wunschspieler verpflichtet“, sagte Eichin: „Er ist groß, zweikampfstark und kann sehr gute Pässe spielen.“ Der Bremer Sportchef verglich den Neuen mit einem anderen Afrikaner aus der Bundesliga: „Das ist so einer wie Salif Sane von Hannover 96.“

Yatabare, der gestern den Medizincheck bestand und nach seiner Unterschrift mit Eichin und Sportdirektor Rouven Schröder das erste Mal als Werder-Profi für ein Foto posierte, soll heute sein Trainingsdebüt geben – und morgen (15.30 Uhr) vielleicht schon seine Bundesliga-Premiere. Werder bemüht sich um die Spielberechtigung, damit er im Heimspiel gegen Hertha BSC im Kader stehen kann.

Der 26-Jährige ist in Frankreich (in Beauvais) geboren und aufgewachsen. 2013 wechselte er vom französischen Club SC Bastia für 2,2 Millionen Euro zu Olympiakos Piräus, spielte dort aber kaum eine Rolle und wurde anschließend drei Mal ausgeliehen – zuletzt nach Lüttich. In Belgien war er in der Hinrunde Stammspieler. „Seine Entwicklung ist gerade sehr gut. Das ist der richtige Moment, solche Spieler zu verpflichten“, erklärte Eichin.

Nach der Verpflichtung von Yatabare ist auch klar, dass sich das Thema Ogenyi Onazi erledigt hat. Italienische Medien hatten berichtet, dass der 23-jährige Nigerianer von Lazio Rom Werders Wunschkandidat sei und ein Wechsel kurz bevorstehen würde. Doch Werder beschäftigte sich da schon längst intensiv mit Yatabare – und machte nun alles klar.

Der Mann aus Mali kann nun direkt den verletzten Philipp Bargfrede ersetzen. Damit hat Werder im Mittelfeld personell „ausgeglichen“. Statt Bargfrede und Felix Kroos stehen Yatabare und Kleinheisler zur Verfügung. Im Sommer kommt dann noch Thanos Petsos (als Ersatz für Kapitän Clemens Fritz, der aufhört) dazu – und eventuell auch Eugen Polanski. Am 29-Jährigen war Werder interessiert, doch Hoffenheim lässt ihn aktuell nicht gehen. Zur kommenden Saison ist Polanski dann wieder ein Kandidat.

Felix Kroos

Um kurz vor drei Uhr, als sich die Teamkollegen gerade für das Nachmittagstraining umzogen, verließ der 24-Jährige das Stadion. Mit der obligatorischen blauen Mülltüte – in der fast alle, die den Verein verlassen, ihre Habseligkeiten aus dem Spind verstauen. Bis Saisonende wird der Mittelfeldmann (Vertrag bis 2017) an den Zweitliga-13. Union Berlin verliehen – ohne Kaufoption. „Wir sind froh, dass sich diese Gelegenheit ergeben hat. Bei Union hat Felix nach der unbefriedigenden Hinrunde nun die Möglichkeit, Spielpraxis zu sammeln. Er wollte weg – und wir haben ja noch Lukas Fröde in der Hinterhand“, sagte Eichin.

Bei Werder steckte Kroos in einer Sackgasse, war zuletzt gegen Schalke (mal wieder) nicht im Kader. „Ich will und muss spielen. Wenn das in der ersten Liga nicht geht, dann ist das nun mal so – und man muss diesen Schritt wählen. Das ist mir aber nicht leichtgefallen“, sagte Kroos, um den sich Union-Trainer Sascha Lewandowski in den vergangenen Tagen intensiv bemüht hatte: „Er wollte mich unbedingt haben.“

Das ist Gerhard Tremmel

Gerhard Tremmel

Nach seinem ersten Training gestern Nachmittag war der 37-Jährige „ziemlich müde. Ich musste um drei Uhr aufstehen, um meinen Flieger zu erwischen.“ In Bremen angekommen, folgte zunächst der Medizincheck. Anschließend saß er mit Sportdirektor Rouven Schröder in der Schiedsrichterkabine und machte das Leihgeschäft bis Sommer perfekt. Tremmel, der bei Premier-League-Club Swansea City noch einen Vertrag bis 2017 hat, ist ab sofort die Nummer zwei hinter Stammkeeper Felix Wiedwald – und freut sich auf seinen neuen Club. „Ich mag Werder, ich mag Deutschland. Bei Swansea war die Situation nicht mehr so, wie ich es mir vorgestellt habe. Und dann war es Zeit für eine neue Herausforderung“, meinte Tremmel, der bei den Walisern zuletzt nur noch die Nummer drei im Torwart-Ranking war. In Bremen ist der rothaarige Keeper mit dem trockenen Humor hinter Claudio Pizarro (anderthalb Monate älter) der Zweitälteste im Kader. „Ich hoffe, ich kann der Mannschaft mit meiner Erfahrung weiterhelfen“, sagte Tremmel, der in Deutschland für Unterhaching, Cottbus, Hannover und Hertha BSC aktiv war und morgen gegen seinen Berliner Ex-Club erstmals auf der Bremer Bank sitzen soll. „Ich hatte in England keine Winterpause und bin voll im Saft“, versprach er.

Ob er vielleicht sogar länger in Bremen bleibt als die halbe Saison, ist offen. Tremmel dazu: „Das ist jetzt nicht das Thema. Wenn es soweit ist, können wir uns gerne mal zusammenhocken.“

mr/kni

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