Werders Risiko mit den „kreativen Transfers“

Günstig – aber auch gut genug?

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Zwei bei der Stiftung Spielertest: US-Boy Jordan Morris (li.) hat bei Werder schon Eindruck gemacht und darf am Samstag mit nach Bremen reisen. Der Ungar Laszlo Kleinheisler (re.) muss wohl erstmal zurück in die Heimat.

Belek - Viele Werder-Bremen-Fans hatten sich in eine Ecke der Tribüne gedrängt, um den besten Blick zu haben. Die Kameras und Smartphones gezückt. Sie wollten wohl hauptsächlich Bilder und Videos von einem Mann machen, den sie live noch nie gesehen haben: Laszlo Kleinheisler.

Der 21-jährige Ungar startete gestern in sein Probetraining, hatte sich zuvor schon lachend mit einer Werder-Bremen-Fahne und hochgerecktem Daumen ablichten lassen. Genau wie US-Boy Jordan Morris (21), der andere Testspieler, gab Kleinheisler nach der Einheit auch noch Autogramme. Es schien so, als wäre es schon sicher, dass beide bald echte Werderaner sind.

So weit ist es noch nicht, doch beide haben Chancen auf eine Verpflichtung. Besonders Morris. Er verriet, dass er am Samstag mit dem Werder-Tross zurück nach Deutschland reist: „Ich werde ein paar Tage in Bremen bleiben. Mal sehen, wie es dann weitergeht.“ Bei Kleinheisler ist geplant, dass er zunächst wieder nach Ungarn fliegt. „Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass er mit uns mitkommt“, sagte Trainer Viktor Skripnik.

Gestern standen in Belek sowohl für Morris als auch für Kleinheisler die ersten richtigen Fußball-Trainings bei Werder auf dem Programm. Und der Amerikaner fühlt sich schon richtig wohl im Kreis der Kollegen: „Das sind alles sehr gute Jungs. Es macht immer Spaß, gegen starke Spieler zu spielen. Ich freue mich und bin aufgeregt.“ Beim Kleinfeld-Spiel netzte Morris gleich drei Mal ein, Kleinheisler schoss ein Tor. So richtig viel kann man nach so kurzer Zeit über die Qualitäten allerdings noch nicht sagen.

Stürmer Anthony Ujah geht es da nicht anders. Bei Morris, der bereits am Sonntagabend im Trainingslager ankam, habe er lediglich bereits bemerkt, „dass er sehr, sehr schnell ist. Und Tempo ist immer wichtig für jede Mannschaft.“ Was aber sofort auffällt bei den Bremer Trainingsgästen, ist eine gewisse Ähnlichkeit mit zwei anderen Fußballern: Morris sieht ein bisschen aus wie eine Mischung aus Pierre-Michel Lasogga und Wayne Rooney. Der nur 1,70 Meter große und rothaarige Kleinheisler erinnert an den Engländer Paul Scholes, früherer Star von Manchester United.

Erste Einheit für Kleinheisler

Greift Werder bei beiden Probespielern zu, würde man zwei günstige neue Akteure dazubekommen. Am Beispiel von Morris und Kleinheisler, aber auch am gerade für den Sommer verpflichteten Thanos Petsos (24) ist bestens abzulesen, welchen Weg Werder wegen der leeren Vereinskasse bei Verpflichtungen gehen muss. Ein Transfer wie der von Jannik Vestergaard im Vorjahr (kam für 2,5 Millionen aus Hoffenheim) ist in diesem Winter nicht drin. Sportchef Thomas Eichin hat das bereits deutlich ausgeschlossen. Stattdessen stehen junge Nationalspieler aus dem Ausland im Fokus – wie Morris, Kleinheisler oder Petsos, der mit 24 Jahren und 54 Bundesliga-Einsätzen allerdings schon zu einer anderen Kategorie gehört. Sie alle kosten wenig oder gar nichts. Bei Morris (hat die Stanford University verlassen und ist vertragslos) ist im Fall der Fälle nur eine Ausbildungsentschädigung fällig. Bei Kleinsheisler (beim ungarischen Meister Videoton FC in Ungnade gefallen, weil er seinen auslaufenden Vertrag nicht verlängern will) allenfalls eine geringe Ablöse – und bei Petsos gar keine. Auch St. Paulis Stürmer Lennart Thy, dessen Rückkehr nach Bremen ziemlich sicher sein soll, gehört zu dieser Kategorie. Sein Vertrag läuft im Sommer aus.

Die „Bild“ stellte deshalb schon die Frage, ob sich Eichin ein „Billig-Team“ zusammenbaut. Der Sportchef verneint das zwar energisch, aber der Eindruck entsteht zwangsläufig. Zumal auch im Sommer keine großen Sprünge auf dem Spielermarkt drin sein dürften – wenn nicht ein Profi (wie etwa Vestergaard) für viel Geld verkauft wird. Werder will unbedingt endlich die schwarze Null in der Jahresbilanz stehen haben und braucht deshalb „kreative Transfers“, wie es Eichin schon ziemlich oft gesagt hat. „Gut und günstig“ – wenn es diesen Slogan nicht schon im Supermarkt gäbe, könnte Werder ihn hervorragend als Überschrift für seine Transferpolitik verwenden. Die entscheidende Frage wird bei diesem risikoreichen Vorgehen jedoch sein: Ist günstig auch wirklich gut genug?

mr

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