Immerhin ein Tor und ein Sieg

Werders Kampf mit der Balance

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Und weg ist der Ball: Dresdens Andreas Lambertz stoppt Werders Sambou Yatabare. 

Dresden. Von Björn Knips. Beim Bundeswehr-Karrierecup in Dresden ging es – wie passend – vor allem ums Schießen, also ums Toreschießen: Denn jeder Treffer wurde mit einem Zusatzpunkt belohnt. Das war kein guter Modus für Werder. Zumindest bis zur 87. Minute gegen Dynamo Dresden. Nach der 0:1-Auftaktpleite gegen Betis Sevilla war Werder auch gegen Dynamo Dresden torlos geblieben, ehe Johannes Eggestein das 1:1 erzielte.

Damit erzwang das Nachwuchstalent ein Elfmeterschießen, das er dann mit dem letzten verwandelten Versuch für die Grün-Weißen entschied. Das reichte immerhin, um nicht Turnierletzter zu werden. Den Makel trägt nun der FC Everton. Es wird die Englänger wahrscheinlich genauso wenig interessieren wie die Spanier der Turniersieg. Es ist eben noch Vorbereitung.

Das war auch in den Bremer Spielen allzu deutlich zu sehen. Wirklich viel läuft da beim Bundesligisten drei Wochen vor dem ersten Pflichtspiel im DFB-Pokal bei den Sportfreunden Lotte noch nicht zusammen. „Wir haben noch viel Spielraum nach oben“, gestand Sportchef Frank Baumann und beschrieb das Dilemma, in dem die Mannschat gerade steckt: „Wir haben einen Tick besser nach vorne gespielt als gegen Sevilla und mehr Chancen gehabt. Aber dafür haben wir auch mehr zugelassen. Die Balance ist noch nicht so da.“ Trainer Viktor Skripnik drückte es sogar noch etwas drastischer aus: „Wir kämpfen mit dieser Sache.“ Aber er beruhigte auch sofort wieder: „Wir haben noch Zeit.“

Vor allem der Faktor Zeit ist es, der Hoffnung macht. Schließlich ist da dieser Plan, erst die Defensive durch intensives Training zu stärken, um dann offensiver zu werden. Die Realität sah so aus: Zweitliga-Aufsteiger Dresden übernahm das Kommando und hatte sofort durch Erich Berko die Riesenchance zum 1:0. Doch er drosch die Kugel aus fünf Metern über das Tor (12.). Auf der anderen Seite war Maximilian Eggestein nach feinem Doppelpass mit Sambou Yatabare durchgebrochen, aber nicht cool genug, um Dynamo-Keeper Marvin Schwäbe zu überwinden (18.). Noch schlimmer erging es Lennart Thy, der sich allein vor dem Tor quasi selbst ausspielte (21.). Der Rückkehrer vom FC St. Pauli gab eine unglückliche Figur ab. Er kämpfte zwar leidenschaftlich, aber wirklich viel gelang ihm als einzige Spitze nicht.

Doch mit diesem Manko war Thy bei Werder nicht allein. Thanos Petsos enttäuschte als Sechser, und Ulisses Garcia war mit der Rolle als Achter völlig überfordert, leistete sich viele Bälle ins Nichts. Eine ordentliche Leistung zeigte hingegen Ersatzkeeper Jaroslav Drobny, der in der 37. Minute auch den enteilten Andreas Lambertz stoppte (37.).

Zur Pause wechselte Dynamo komplett durch – und die neue Mannschaft lag Werder besser. Zum Tor reichte es trotzdem nicht, da war das Aluminium im Weg. Erst scheiterte Maximilian Eggestein am Außenpfosten (58.), dann knallte Florian Kainz eine feine Vorarbeit von Izet Hajrovic an die Latte (64.).

Die beste Zeit der Bremer war aber schnell wieder vorbei. Dynamo drehte noch mal auf, schließlich hätte ein Sieg den Cup gebracht. Entsprechend groß war dann auch der Jubel, als Stefan Kutschke tatsächlich das 1:0 erzielte (82.). Lukas Fröde hatte zuvor als Innenverteidiger böse gepatzt – und auch sein Nebenmann Milos Veljkovic keine gute Figur gemacht. „Da haben wir uns nicht clever angestellt“, monierte Baumann , meinte damit aber nicht nur die beiden Hauptschuldigen. Schließlich hatte sich Werder auskontern lassen.

Immerhin gab es noch eine gute Bremer Antwort: Leon Guwara zog einfach mal aus 20 Metern ab, der eingewechselte Keeper Patrick Wiegers konnte nur abklatschen, so dass Johannes Eggestein mit etwas Glück zum 1:1 abstaubte (87.).

Den nur 13 825 Zuschauern in der nicht einmal zur Hälfte gefüllten DDV-Arena – Roland Kaiser ist eben in der Stadt – bescherte das einen Nachschlag. Die Dresdner hatte immer noch die Chance auf den Turniersieg. Aber keinen Drobny im Tor. Der Werder-Keeper parierte gleich zwei Versuche. Auf Bremer Seite verschoss nur Ulisses Garcia, so dass Johannes Eggestein mit seinem Tor zum 4:3 alles klar machte.

Endlich ein Sieg nach vier Testspielen ohne Erfolg (zwei Unentschieden, zwei Niederlagen) – und endlich mal wieder ein selbst erzielter Treffer nach drei quasi torlosen Partien. „Ein Tor ist immer gesund“, meinte Skripnik und wirkte ein bisschen erleichtert. Vielleicht lag es auch daran, dass es nach zehn Tagen endlich nach Hause geht und der Sonntag frei ist. Allerdings nur halb: Denn um 14 Uhr empfängt die U 23 zum Drittliga-Auftakt die Sportfreunde Lotte – und das ist Werders Gegner im DFB-Pokal. „Ich werde gucken“, versicherte Skripnik: „Für die Mannschaft ist das freiwillig, aber ich bin überzeugt, dass viele kommen werden.“

Werder: Drobny - Gebre Selassie (46. Guwara), Diagne (67. Veljkovic), Moisander (46. Fröde), Sternberg - Petsos - Yatabare (46. Hajrovic), M. Eggestein, U. Garcia, Kainz (71. Lorenzen) - Thy (71. J. Eggestein).

kni

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