Stuttgart sucht das Weite, die Bremer bündeln ihre Kräfte daheim

Werder und die bekannte Wagenburg, Maulkorb statt Mallorca

Nase voll? So sah es bei Trainer Viktor Skripnik und Geschäftsführer Thomas Eichin nach dem Nordderby in Hamburg aus. Seit gestern läuft bei Werder die Vorbereitung auf das Stuttgart-Spiel – ab heute mit einem Maulkorb für die Spieler. - Foto: nph

Bremen - Von Carsten Sander. Sehen kann man nix, und doch ist er da, der Maulkorb. Die Werder-Profis haben ab Mittwoch wieder einen umhängen. Kein Spieler darf mehr mit den Medien sprechen, damit ja niemand in seiner Konzentration auf das Kellerduell mit dem VfB Stuttgart am Montag (20.15 Uhr) gestört wird.

Eine „Wagenburg“ nennt Geschäftsführer Thomas Eichin dieses Modell, das er und Trainer Viktor Skripnik immer dann verordnen, wenn es richtig heikel wird. Zuletzt im Vorfeld der Partie gegen Wolfsburg. Werder gewann 3:2 – also bitte, wenn’s hilft...

Dann eben wieder eine Wagenburg, in der sich Werder verschanzt. So etwas kennt man eigentlich eher aus Wild-West-Filmen, in denen besonders wilde Indianer die zu einem Kreis formierten Planwagen ängstlicher Siedler mit brennenden Pfeilen beschießen, während die ängstlichen Siedler mit Flinten, Bärentötern und anderen Schießeisen zurückballern. Okay, das hat mit Werder, den hiesigen Medien und dem Maulkorberlass wenig zu tun. Aber hatte nicht unlängst Viktor Skripnik die Medien als „18. Gegner“ bezeichnet? Ja, hatte er.

Aber zum Glück für alle wird nicht geschossen. Der „Gegner“ wird anders kaltgestellt. Was aber nicht nur bei Werder Bremen zur Palette der Notfallmaßnahmen gehört. Auch der VfB Stuttgart schottet sich ab vor dem Abstiegskrimi im Weserstadion. Jedoch nicht mit einer Wagenburg und auch nicht mit einem simplen Maulkorberlass – nein, die Schwaben hauen einfach ab. Von heute bis Freitag bezieht der VfB ein Kurz-Trainingslager auf Mallorca. Eigentlich sollte es ins Allgäu gehen, aber das launische April-Wetter trieb den Club zur Planänderung. „Wir wollen die Kräfte bündeln, die Sinne schärfen und einen guten Geist für das Bremen-Spiel entwickeln“, begründete Sportvorstand (und Ex-Werder-Trainer) Robin Dutt den kurzfristig anberaumten Arbeitsausflug in das Urlauberparadies: „Es ist wichtig, dass wir aus dem üblichen Trott rauskommen.“

Vier Profis fehlen beim Training am Dienstag

Werder fährt das Gegenmodell, weicht nicht ab vom Üblichen. Allerdings wurde auch bei den Bremern der Bezug eines Kurz-Trainingslagers diskutiert. In der ungewöhnlich langen Pause zwischen dem Nordderby beim HSV und dem „Schicksalsspiel“ gegen den VfB hätte es sich förmlich angeboten, für ein paar Tage die Biege zu machen. Doch die Trainingseinheiten heute sind für 10.00 und 15.00 Uhr auf den Plätzen am Weserstadion angesetzt. Das sieht nicht mehr nach Reiseaktivitäten aus. Die entsprechende Erklärung lieferte Thomas Eichin – gewissermaßen per Handy aus der Wagenburg heraus: „Wir werden unseren Ablauf haben wie immer und gucken nicht nach rechts und links.“ Dass die Stuttgarter Zuflucht auf Mallorca suchen – geschenkt. „Ist doch schön, da kann man gut golfen“, flachste Eichin.

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