1:2 – Werder überwintert mit Abstiegsangst

„Damit rettest du dich nicht“

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Abflug: Bremens Philipp Bargfrede (links) wird gefoult, muss später mit Achillessehnenproblemen vom Feld.

Frankfurt - Von Carsten Sander. Bei Werder Bremen ist der Weihnachtsmann mal wieder ein Abstiegsgespenst. Mit einer 1:2 (1:1)-Niederlage bei Eintracht Frankfurt beendete der Fußball-Bundesligist gestern die Hinrunde.

Die Eintracht zog mit dem Sieg in der Tabelle an den Bremern vorbei. Das Team von Trainer Viktor Skripnik überwintert nun als 16. – auf dem Relegationsplatz, mit nur mageren 15 Zählern. Schlechter war Werder in der Bundesliga zur Saisonhalbzeit nach Punkten noch nie.

„Damit rettest du dich nicht“, seufzte Skripnik mit Blick auf die Ausbeute, die hochgerechnet auf 34 Spiele den sicheren Abstieg bedeuten würde. Dennoch wird Werder in der Winterpause keine Großtaten auf dem Transfermarkt vollbringen. Im vergangenen Jahr war mit den Verpflichtungen von Innenverteidiger Jannik Vestergaard sowie den Leihspielern Koen Casteels und Levin Öztunali an wichtigen Schrauben gedreht worden. Doch für Transfers dieser Kategorie „fehlen diesmal die Mittel“, sagte Geschäftsführer Thomas Eichin gestern. Tags zuvor hatte er noch beteuert, dass Werder „handlungsfähig“ sei, wenn sinnvolle Lösungen erkennbar seien.

Ungewollt wandlungsfähig hatte sich die Mannschaft in Frankfurt gezeigt. Nach gutem Beginn und der Führung durch Claudio Pizarro (29.) lief alles „in die richtige Richtung“ (Eichin). Doch schon mit dem schnellen Ausgleich durch Alexander Meier (31.) war Werder angeknockt. Als kurz nach der Pause Stefan Aigner nach einem schlimmen Fehler des schwachen Florian Grillitsch das 2:1 erzielte (48.), riss der Faden endgültig bei den Bremern. Obwohl die Mannschaft viel versuchte, kam sie nur zweimal in die Nähe des Ausgleichs. Der eingewechselte Ulisses Garcia vergab seine Chance, Anthony Ujah und Fin Bartels rutschten beide an einer Flanke vorbei (77.). Ansonsten? Fruchtloses, weil wenig drangvolles Bemühen. Dennoch packte Skripnik mal wieder ein großes Lob aus: „Es hat mich fasziniert, wie alle bis zum Schluss um den Ausgleich gekämpft haben. Ich kann niemandem einen Vorwurf machen.“

Einem schon. Florian Grillitsch. Sein leichtsinniger Ballverlust im eigenen Strafraum führte zum 1:2, der 20-Jährige, dessen Vertrag sich gestern durch den zehnten Startelfeinsatz per Klausel bis 2017 verlängert hat, musste sich von Felix Wiedwald einiges anhören. Sauer wie er war, rüttelte der Keeper Grillitsch sogar an Ort und Stelle durch. Nicht schön, aber auch nicht schlimm, meinte Sportchef Eichin: „Das passiert in der Emotion.“

Das vorherrschende Gefühl bei den Frankfurtern war nach dem Sieg in dem Kellerduell die pure Erleichterung. „Ich brauche jetzt keine Weihnachtsgeschenke mehr, ich habe heute schon alles bekommen“, juxte Trainer Armin Veh auf der Pressekonferenz. Viktor Skripnik saß daneben und rieb sich den Kopf, als wolle er irgendeine Lösung für die Zukunft aus ihm herausdrücken. Aber er fand keine andere als diese: „Weitermachen, positiv bleiben. Wir sind spielerisch schon weiter als letzte Saison. Aber wir haben viel zu wenig Punkte.“ Ab heute oder morgen soll bei Werder die Situation genau unter die Lupe genommen werden. „Dann sitzen wir mit allen zusammen“, so Skripnik.

Er war bei seiner Aufstellung der Uralt-Weisheit des Fußballs gefolgt: Never change a winning team. Also lief die gleiche Mannschaft auf, die auch am Dienstag beim 4:3-Erfolg im DFB-Pokal bei Borussia Mönchengladbach begonnen hatte. Was bedeutet: Auch Pizarro, den Skripnikm zwei Tage zuvor noch für eventuell zu müde gehalten hatte für den nächsten Einsatz, spielte. Und das zahlte sich in der 29. Minute tatsächlich aus. Pizarro ergatterte die Kopfball-Abwehr des Ex-Bremers Aleksandar Ignjovski und probierte es aus 16 Metern. Drauf und drin – Werder führte mit 1:0.

Große Freude, großer Jubel. Und während die etwa 4000 Bremer Fans unter den 46000 Zuschauern in der Commerzbank-Arena noch grübelten, ob ihr Team den Vorsprung halten oder gar ausbauen würde, schlug die Eintracht zurück. Alexander Meier war per Kopf zur Stelle, weil für einen Moment in der Bremer Viererkette nichts stimmte. Meier-Bewacher Assani Lukimya und Kollege Jannik Vestergaard standen schlecht, wurden überflankt. Und dass die Hereingabe über die linke Bremer Abwehrseite in den 16er flog, war alles andere als Zufall. Janek Sternberg war gemeinsam mit Vordermann Grillitsch der Schwachpunkt im Team. Dass Skripnik darauf in der Pause nicht mit mindestens einem Wechsel reagierte, war sein Beitrag zur Niederlage.

Die beiden Treffer waren die Höhepunkte einer flotten ersten Halbzeit. Gutes Tempo, viele Chancen – Werder hatte mit dem Schwung aus dem Gladbach-Match sogar das Chancenplus, baute dann aber mit jedem Gegentor rapide ab. Letztlich hätte Eintracht-Stürmer Haris Seferovic sogar für eine richtige Klatsche sorgen können, der Schweizer versiebte die Konterchancen aber gleich reihenweise. Werder habe habe hinten raus einfach „die Power gefehlt“, analysierte Sportchef Eichin. Einwände, dass ein Profi-Team zwei Spiele pro Woche wegstecken müsse, bügelte er ab: „Es ist so, keine Diskussion!“

Was trotz der miesen Hinrunden-Bilanz auch für Skripnik gilt. Wenn ab heute feste analysiert wird, sei der Trainer kein Thema, wiederholte Eichin.

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