Werders neuer Chefcoach Nouri spricht über seine Ziele, den Vertrag und seinen Hund

„Ich habe eine Philosophie, die werde ich nicht ändern“

Typisch Alexander Nouri! Der Werder-Coach muntert seine Profis vom Spielfeldrand aus immer wieder auf. - Foto: nordphoto

Bremen - Von Björn Knips. Angekommen – und zwar ganz oben: Alexander Nouri ist mit erst 37 Jahren schon Cheftrainer einer Bundesliga-Mannschaft. Der SV Werder hat ihn am Sonntag nach 14-tägiger Testphase befördert und als endgültigen Nachfolger des entlassenen Viktor Skripnik (46) vorgestellt. Nouri, der seit sechs Jahren in Weyhe lebt, nahm sich für eine Presserunde viel Zeit und sprach über . . .

. . . seine Gefühlswelt

„Ich bin dankbar für das Vertrauen, das mir und meinem Team mit meinem Co-Trainer Florian Bruns entgegengebracht wird. Für uns ist das eine tolle Geschichte. Wir freuen uns auf diese Herausforderung“, sprudelt es sofort aus Nouri heraus. Der 37-Jährige weiß genau, was er sagen will und auch muss, um möglichst alle zufrieden zu stellen: „Wir sind uns der großen Verantwortung bewusst. Wir gehen das mit aller Bescheidenheit und Demut an. Aber wir sind auch voller Entschlossenheit und Energie.“

. . . Vertragsverhandlungen

Da reagiert Nouri ein bisschen irritiert. Ein kurzes Gespräch am Morgen mit Sportchef Frank Baumann, das sei es doch schon gewesen. „Es war nie meine Motivation, da groß rumzuverhandeln. Ich liebe diesen Sport, ich liebe diesen Verein“, betont er, spricht erneut von „Dankbarkeit und Demut, die uns alle gut tut. Das will ich vorleben und mit meinem Team nun alles für den Verein geben.“

. . . die Vertragsdauer

Nur eines hat sich im Vertrag von Nouri geändert: das Gehalt. Der Kontrakt läuft am Saisonende aus, so wie es auch als U 23-Coach gewesen wäre. „Das ist total okay“, kontert Nouri rasant eine entsprechende Nachfrage: „Auch wenn ich einen Vierjahres-Vertrag hätte, was würde das an der Situation ändern? Es geht um die Sache und nicht um mich. Verträge hin oder her, wir wissen doch alle, wie schnell das in alle Richtungen geht. Für mich ist das Vertrauen wichtig.“ Das spürt er, damit ist das Thema für ihn erledigt.

. . . die nächsten Schritte

Da muss Nouri nicht lange überlegen, und seine ganze Zielstrebigkeit kommt zum Vorschein: „Mit der Mannschaft weiterarbeiten, Prinzipien implementieren, gemeinsame Verhaltensweisen auf dem Platz erarbeiten. Die Mannschaft weiter kennenlernen.“ Welche Prinzipien sind das? Sportlich nennt er als Beispiel die Balleroberung, für die alle Spieler arbeiten müssten. Aber auch neben dem Platz sind für Nouri „gewisse Werte unabdinglich. Das ist aber nichts Besonderes, das ist in jeder Bürogemeinschaft so. Da muss man Respekt vor dem anderen haben und für das Team auch mal das eigene Ego opfern. Man braucht Disziplin und Pünktlichkeit. Nur so kannst du alle für ein Ziel einschwören“, sagt Nouri und versichert: „Ich schreibe das nicht nur vor, ich lebe es auch vor!“

. . . die vielen Gegentore

Ob er eine Idee habe, die Gegentorflut zu stoppen, wird Nouri gefragt – und die Antwort kommt wie aus der Pistole geschossen: „Ja klar! Wir brauchen auf jeden Fall eine bessere Abstimmung. Wir müssen Verhaltensprinzipien definieren. Also, wie wollen wir in welcher Höhe verteidigen. Das Timing ist wichtig, man muss den Gegner im Blick haben. Das ist Detailarbeit, das geht nicht von heute auf morgen. Da brauchst du Geduld und das Vertrauen der Spieler.“

. . . sein Saisonziel

Da zögert Nouri einen kurzen Moment. „Wir wollen eine bessere Saison als letztes Jahr spielen“, sagt er dann. Also keinen Abstiegskampf bis zum Ende. Doch eine genaue Prognose wagt Nouri nicht: „Man sollte das nicht an Tabellenplätzen festmachen. Wir wollen nur so schnell wie möglich da unten wegkommen.“ Wie das gelingen soll, weiß Nouri schon: „Wir wollen aus einer deutlicheren Kompaktheit heraus agieren und unsere schnellen Offensivspieler besser einsetzen. Außerdem wollen wir mit viel Leidenschaft und Herz die Menschen mitnehmen. Dieses Publikum ist ein Faustpfand.“

. . . seinen Freudentanz

Seine ausgelassener Jubel mit Tänzchen beim Last-Minute-Sieg gegen Wolfsburg hat für viel Aufsehen gesorgt. „Das war eine außergewöhnliche Situation, da sind einfach viele Emotionen frei geworden“, erinnert sich Nouri. Er weiß aber, dass solche Gefühlsausbrüche auch kritisch gesehen werden und verspricht: „Ich renne jetzt nicht jedes Spiel zur Eckfahne. In der U 23 habe ich das einmal gemacht, als wir in die dritte Liga aufgestiegen sind.“

. . . eine Belohnung

Wenn einem so viel Gutes widerfährt, ist das schon einen Asbach Uralt wert – lautet ein berühmter Werbeslogan. Doch Nouri gönnt sich keine Belohnung nach seinem Aufstieg zum Chefcoach: „Ich belohne mich jeden Tag, wenn ich zu meiner Familie zurückkehre. Wir haben jetzt einen kleinen Hund bekommen, der noch nicht stubenrein ist. Der raubt mir zwar den einen oder anderen Nerv, aber da versuche ich abzuschalten und Kraft zu tanken.“ Eine große Veränderung seines Lebens hat er in den ersten 14 Tagen als Coach der Profis nicht feststellen können. Es gab ja kaum Kontakt zur Außenwelt. „Ich bin doch nur zwischen Haus und Stadion hin- und hergefahren.“

. . . Angst vor dem Alltag

Die Frage danach versteht Nouri nicht, weil es für ihn keinen Alltag gibt: „Ich habe eine Philosophie – und die werde ich nicht ändern.“

. . . seinen Aufstieg

Erst vor gut zwei Jahren ist Nouri zurück zu Werder gekommen – vom Regionalligisten VfB Oldenburg. Da darf der Aufstieg zum Bundesliga-Coach schon als Überraschung bezeichnet werden, oder? Nicht unbedingt, findet Nouri: „Das war ein Weg mit viel Fleiß und beharrlicher Arbeit. Es ist nicht alles so auf mich zugekommen.“ Früh hatte er sich entschieden seine Profi-Karriere, die ihn bis in die Zweite Liga gebracht hatte, zu beenden. Nouri, der in der Jugend und der U 23 von Werder gespielt hatte, setzte auf eine Zukunft als Trainer. „Ich will den Spielern vorleben, dass Fleiß, harte Arbeit und korrektes Verhalten irgendwann belohnt werden. Wenn nicht heute dann morgen, wenn nicht morgen dann übermorgen. Das ist mein Motto.“ Die Karriere sei nicht planbar, „aber ich habe gearbeitet und versucht, woanders Inspiration zu finden. Ich war in Bilbao, bei Borussia Dortmund und erst vor kurzem bei Villarreal. Ich will mich stetig verbessern. Auch jetzt noch.“

Lesen Sie dazu auch den Kommentar von Björn Knips

Wenn es keinen Besseren gibt

Mehr zum Thema:

Am Set von Gossip Girl 

Am Set von Gossip Girl 

Erdogan soll künftig per Dekret regieren können

Erdogan soll künftig per Dekret regieren können

So schön ist der Winter in unserer Region 

So schön ist der Winter in unserer Region 

Theater von Lehrern für Schüler in Bruchhausen-Vilsen

Theater von Lehrern für Schüler in Bruchhausen-Vilsen

Meistgelesene Artikel

„Philipp hat mehr Qualität als ich“

„Philipp hat mehr Qualität als ich“

Kainz wird nicht ausgeliehen

Kainz wird nicht ausgeliehen

Baumann informiert mögliche Abgänge

Baumann informiert mögliche Abgänge

„Unerträgliches Verhalten“

„Unerträgliches Verhalten“

Kommentare