Werder-Profis sollen das Desaster von Gladbach erklären

Skripnik will heute Antworten hören

04.02.2016, Trainingsgelaende, Bremen, GER, 1.FBL, Training Werder Bremenim BildViktor Skripnik (Trainer Werder Bremen), Foto © nordphoto / Ewert
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Bremen - Von Malte Rehnert. Als Viktor Skripnik am späten Freitagabend zu den wartenden Journalisten in die Mixedzone kam, warf der Bremer Trainer noch schnell einen Blick auf das Spieldatenblatt – und dürfte durchaus ein wenig überrascht gewesen sein. Werder Bremen hatte fast so viele Torschüsse wie Borussia Mönchengladbach (15:17), fast so viel Ballbesitz (48:52 Prozent), eine ordentliche Zweikampfquote (48:52), eine bessere Passquote (74:73) sowie deutlich mehr Flanken (8:2) und Ecken (7:2). Doch all diese Zahlen täuschten, denn am Ende der Partie stand ein ebenso klares wie ernüchterndes 1:5 (0:2) aus Bremer Sicht.

Das lag laut Skripnik zum einen am „sehr starken Gegner. Man hat gleich am Anfang gemerkt, dass es ein richtig heißer Tanz wird. Die Gladbacher hatten das Niveau, mit dem sie damals in die Champions League gekommen sind.“ Werder habe im DFB-Pokal (4:3) „hier ein Mal Krach gemacht, aber grundsätzlich sind wir nicht soweit wie Gladbach“, meinte Skripnik. Kein Widerspruch. Zum anderen schaffte es Werder diesmal nicht, so engagiert und leidenschaftlich aufzutreten wie in den ersten beiden Rückrundenspielen auf Schalke (3:1) und gegen Hertha (3:3). „Uns hat die Konsequenz gefehlt“, monierte Skripnik: „In unserer Situation muss man sich quälen und kann nicht nur sagen: Ich war dabei.“ Genau diesen Eindruck machten die Bremer im Borussia-Park. Sie waren zwar körperlich anwesend auf dem Platz, wehrten sich gegen einen energischen Gegner aber viel zu wenig. Zugucken statt zupacken. Warum das so war, will Skripnik heute in der Teambesprechung ergründen: „Die Spieler müssen mir Antworten liefern.“

Direkt nach dem Gladbach-Desaster hatte der Kapitän vor allem die Passivität beklagt. „Wir haben die Gladbacher nur begleitet und uns gegenseitig nicht geholfen, es war viel zu einfach für sie“, schimpfte Clemens Fritz und meinte vor allem das Verhalten bei den Gegentreffern: „Vier von fünf Toren haben wir uns selbst reingelegt. Wir stecken mitten im Abstiegskampf, da musst du dein Tor besser verteidigen.“ Fand auch Stürmer Anthony Ujah: „Wir haben viele Fehler gemacht, das ist hart bestraft worden. Wir haben billige Gegentore kassiert.“

Besonders beim 0:1 und 0:2 durch Lars Stindl (12.) und Andreas Christensen (31.) war die Bremer Defensivarbeit dilettantisch. Beim 0:3 (50.) störte Christensen niemand beim Kopfball. Dann verursachte der erschreckend schwache Jannik Vestergaard einen Elfmeter, den Raffael verwandelte (70.). Und schließlich stand Keeper Felix Wiedwald bei Havard Nordtveits Distanzschuss zu weit vor seinem Kasten und kam nicht mehr ran an den Ball (87.). Zwischendurch hatte Claudio Pizarro per Elfmeter zum 1:3 getroffen (56.) und die beste Bremer Phase eingeleitet, die aber nicht länger als eine Viertelstunde dauerte.

Die Noten für die Werder-Profis

Am Ende stand ein sattes 1:5 und damit die zweithöchste Niederlage der Saison nach dem 0:6 in Wolfsburg im November. In 20 Bundesliga-Spielen hat Werder nun 41 Gegentreffer gefangen. Das ist – mal wieder – Ligaspitze und ein ernstzunehmendes, ein bedrohliches Problem. Skripnik hatte jedoch kein großes Interesse, über dieses Thema zu sprechen. Er betonte stattdessen, dass für ihn nichts anderes zählt als der Klassenerhalt: „Natürlich würde ich auch gerne mal zu null spielen. Aber wenn wir nicht absteigen, ist mir die Gegentor-Statistik scheißegal. Es geht nur darum, Punkte zu holen.“ Am Samstag (15.30 Uhr) ist das Pflicht, wenn Abstiegskonkurrent Hoffenheim ins Weserstadion kommt. Am Dienstag (19 Uhr) hat Werder vorher noch die Chance, mit einem Sieg bei Bayer Leverkusen ins Halbfinale des DFB-Pokals einzuziehen. Dafür müssen sich die Bremer aber gewaltig steigern.

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