Werder lässt sich vom HSV abkochen – 1:3

Eine schöne Bescherung

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Der Anfang vom Ende für Werder: Rechtsverteidiger Theodor Gebre Selassie (rechts) kommt viel zu spät gegen Ivo Ilicevic. Der Hamburger Offensivmann trifft herrlich in den Winkel und besorgt damit die frühe Führung für den HSV.

Bremen - von Björn Knips. Heute Nachmittag ist Weihnachten bei Werder – und das wird wahrlich kein frohes Fest: Denn die eingeladenen Vertreter der Fan-Clubs werden nach der gestrigen 1:3 (0:2)-Pleite im Nordderby gegen den Hamburger SV alles andere als gut gelaunt sein. In Bremen und umzu geht wieder die Angst um, dass es nicht mehr für die Bundesliga reicht.

Die fünfte Heimschlappe in Folge lieferte dafür jede Menge Anhaltspunkte – und sollte der VfB Stuttgart am Nachmittag in Dortmund einen Coup landen, wird es auch in der Tabelle sichtbar: Dann stürzt Werder auf den Relegationsplatz. Konsequenzen wird es aber erst im Winter geben. Zum Beispiel in Form von neuen Spielern, die Viktor Skripnik gestern ins Gespräch brachte. Er selbst könnte dann aber auch zur Debatte stehen. Bis zum Hinrundenende will Sportchef Thomas Eichin nicht über den Trainer diskutieren: „Dann ziehen wir ein Fazit.“

Bleiben also noch drei Bundesliga-Spiele (in Stuttgart und Frankfurt sowie daheim gegen Köln), um aus mickrigen 13 Punkten mindestens 17 zu machen. So viele waren es vor einem Jahr – und in der Rückrunde startete Werder dann richtig durch. Doch von dieser Klasse sind die Bremer weit entfernt. Schlimmer noch: Es fehlt am wichtigsten – der Kampfbereitschaft. Der HSV machte es den Gastgebern gestern von der ersten Sekunde an vor, wie geackert werden muss, vor allem in einem Nordderby. „Die waren einfach giftiger“, meinte Werder-Keeper Felix Wiedwald und stellte damit seinen Kollegen ein vernichtendes Derby-Zeugnis aus.

Zur Ehrenrettung der Verlierer muss allerdings erwähnt werden, dass es nach der 0:6-Klatsche in Wolfsburg psychologisch nicht ganz unproblematisch weiterging. Denn nach nicht einmal drei Minuten lag die Kugel schon im Bremer Tor. Theodor Gebre Selassie hatte Ivo Ilicevic mit seiner Angriffsverweigerung zum Traumtor eingeladen – einem Schlenzer direkt in den Winkel.

„Dieses Tor hat uns das Genick gebrochen“, meinte Eichin: „Da war der Mut weg.“ Und das ausgerechnet am Tag, als Skripnik einen mutigen Systemwechsel vorgenommen hatte. Weg vom sicheren, aber nach vorne etwas ungefährlichen 4:1:4:1, hin zum 4:4:2 mit zwei echten Stürmern. Weil die sich aber bei der Arbeit nach hinten nicht gut absprachen, hatte der HSV im Mittelfeld oft Überzahl. Michael Gregoritsch hätte das beinahe zum 2:0 genutzt, doch Wiedwald reagierte glänzend (18.). Neun Minuten später gab es das Duell noch einmal, diesmal bei einem 30-Meter-Freistoß und diesmal hieß der Sieger Gregoritsch. Mit ungewollter Mithilfe von Zlatko Junuzovic, der den Ball in der Mauer an den Kopf bekam und zur unhaltbaren Bogenlampe machte.

Werder-Pleite gegen den HSV

Die Hamburger konnten ihr Glück kaum fassen, denn nur kurz zuvor hatten sie einen herben Rückschlag einstecken müssen: Pierre-Michel Lasogga war nach einem Zweikampf mit Junuzovic schreiend liegen geblieben und musste mit ausgekugelter Schulter vom Platz geführt werden. Peinlich, dass ihm Werder-Profi Santiago Garcia beim wankenden Gang vom Feld Zeitspiel unterstellte, zumal der Einwechselspieler schon bereitstand. Lasogga wurde ins Krankenhaus gebracht. Ihm droht nun eine Operation und damit eine mehrmonatige Pause, weil die Schulter nicht zum ersten Mal rausgesprungen ist.

Gregoritsch hätte vor der Pause alles klar machen können, doch Jannik Vestergaard fuhr gerade noch rechtzeitig sein langes Bein aus. Also wurde es tatsächlich noch mal spannend. „Wir sind in der zweiten Halbzeit endlich aufgewacht“, meinte Wiedwald – und erinnerte sich an den guten Chancen-Doppelpack von Fin Bartels (51./52.). Und natürlich an den Anschlusstreffer, den Anthony Ujah genauso sehenswert erzielte, wie ihn Philipp Bargfrede bedient hatte (68.).

Ohne Krawall und Radau

Werder war dran, das mit 42100 Zuschauern ausverkaufte Weserstadion wieder ein Hexenkessel, in dem aber kurz darauf nur noch die HSV-Fans jubelten. Nach einem Werder-Freistoß (!) aus 30 Metern entwickelte sich ein ganz einfacher Hamburger Konter: Langer Ball von Ilicevic, kurze Orientierungslosigkeit von Bargfrede, toller Sprint und Abschluss von Nicolai Müller – 1:3 (68.).

Polizei sichert das 103. Nordderby

„Es ist sehr unangenehm, so etwas als Trainer zu sehen“, seufzte Skripnik. Er war enttäuscht von seiner Mannschaft, aber er wollte sie nun auch nicht öffentlich niedermachen: „Wir bleiben sachlich. Wir halten zusammen.“ Den Beweis dafür muss aber nun auch die Mannschaft antreten. Sie hat den Coach gestern mit der fehlenden Einstellung im Stich gelassen. Nach dem 1:3 gab sich das Team auf – und das in einem Nordderby! Für die erste Heimniederlage gegen den HSV seit dem 17. Februar 2007 gab es viele Pfiffe. Heute werden bei Glühwein und Spekulatius deutliche Worte folgen, wenn die Werder-Profis auf ihre enttäuschten Fans treffen.

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