Star in Zahlen - Raul Bobadilla

Skandale, Skandale, Skandale – und dann kam Noah

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Raul Bobadilla

Augsburg - Von Malte Rehnert. Raul Bobadilla ist ein – sagen wir es vorsichtig – nicht ganz pflegeleichter Spieler. Der 26-jährige Stürmer, der die Staatsbürgerschaft Argentiniens und Paraguays besitzt, hat in seiner Karriere schon viel Mist gebaut. Sagt er selbst.

Inzwischen ist er aber Vater und ruhiger geworden, produziert keine Skandale mehr. Am Sonntag kommt der bullige Südamerikaner mit dem FC Augsburg (dort spielt er seit 2013) ins Bremer Weserstadion – und an Werder hat er gleich zwei sehr gute Erinnerungen.

1 Kind hat Bobadilla mit seiner Verlobten Joy Lasic, der „Miss Argentinien 2009“, die er einst in einem Steakhouse kennenlernte. Sohn Noah Gabriel (heißt wie der älteste Spross von Boris Becker) kam im Oktober 2015 zur Welt – und spornte seinen Vater gleich zu Höchstleistungen an. Vor dem Augsburger Europa-League-Spiel gegen Alkmaar (4:1) „habe ich ihm einen Kuss gegeben und gesagt: Ich mache zwei Tore für dich“, verriet Bobadilla. Es wurden sogar drei Treffer.

1,11 Promille hatte der Stürmer im Blut, als er im März 2010 am Steuer seines gelben Lamborghini gestoppt wurde. Die Folgen: Sechs Monate Fahrverbot, 50.000 Euro Geldstrafe von Borussia Mönchengladbach – und das Versprechen: „Ich habe Mist gebaut. Das kommt nicht wieder vor.“

2 große Tattoos schmücken seine breite Brust. Links ist ein Bild seiner Mutter Elvira eingestochen, rechts von Vater Victor. Zu beiden ist die Verbindung sehr eng. „Er ist ein fantastischer Sohn. Für seinen Traum vom Fußball-Profi hat er sich aufgeopfert. Er ist das Küken (Bobadilla hat noch zwei ältere Schwestern, d. Red.). Für mich bleibt er immer das ,Baby’“, meinte die Mutter. Und der Vater erzählte gerne von diesem Streich: „Einmal hat er eine Wolfsmaske im Wäschekorb unter den dreckigen Trikots versteckt. Die Waschfrau hat einen Riesenschreck bekommen – und Raul hat sich kaputt gelacht.“ Bobadilla hat aber noch weitere auffällige Tattoos, die er sich teilweise während einer Saison stechen ließ – und die er, wenn sie noch frisch waren, vor jedem Training mit einer Spezialsalbe eincremte, um Entzündungen vorzubeugen. Am Hals trägt er unter anderem ein „R“ und ein „M“ – die Anfangsbuchstaben seiner Großväter Raul und Marcelo, deren Namen er bekommen hat. Und auf dem Rücken prangen zwei große Engelsflügel.

2,5 Stunden fuhr er damals quer durch Buenos Aires, um zum Training zu kommen. Nach der Schule habe seine Mutter am Bus gewartet, um ihm schnell noch ein paar Sandwiches zuzustecken. Damals gab es für den kleinen Raul nichts anderes als Fußball – das hat er in der Schweizer Zeitung „Blick“ mal sehr anschaulich beschrieben: „Ich habe als Kind bis zur Erschöpfung gespielt. Meine Mutter sagt, ich sei abends mit dem Ball in den Händen ins Bett gefallen. Und wenn ich verloren habe, bin ich weinend vom Platz gelaufen.“ Er kickte überall – „hinter unserem Haus, auf der Straße, mit Freunden. Es war holprig, staubig: Ich liebte es.“

5 zu Null: Das ist sein höchster Bundesliga-Sieg und der höchste seiner Vereinskarriere. Er gelang am 19. November 2011 mit Gladbach gegen – Werder!

10 Sekunden wollte der Heißsporn immer warten, bis er auf Schiedsrichter-Entscheidungen gegen sich reagiert. Mittlerweile zählt er jedoch nicht mehr. „Ich habe gelernt, dass es nichts bringt, mit dem Schiedsrichter zu diskutieren. Und ich bin ruhiger geworden“, sagte er Anfang 2015 gegenüber „bundesliga.de“. Und noch eine 10: Zehn Länderspiele (kein Tor) hat er für Paraguay bestritten, das erste am 26. März 2015. Seit November wurde er aber nicht mehr eingeladen. Für Paraguay darf er spielen, weil er dort Vorfahren und inzwischen auch die Staatsbürgerschaft hat.

13 In diesem Alter drohte sein großer Traum vom Profifußballer zu platzen. Sein Jugendtrainer bei den Boca Juniors in Buenos Aires „wollte starke Spieler“, erinnert sich Bobadilla: „Als ich in der Pubertät war, hieß es, ich sei zu klein und zu schwach. Ich habe ein Jahr lang fast kein Fußball gespielt.“ Dann wechselte er zu Defensores de Belgrano – und wenig später zu Boca-Erzrivale River Plate. Inzwischen ist er ein echter „Bulle“, bringt bei 1,81 Meter 88 Kilo auf die Waage.

17 Mal spielte er in der Europa League und schoss zwölf Tore – sechs davon in der vergangenen Saison für Augsburg. In der Bundesliga sind es bisher 136 Einsätze (25 Tore, 20 Vorlagen).

19 Jahre war er alt, als er 2006 seine Heimat Argentinien verließ und nach Europa kam, zu Concordia Basel. Ziemlich unvorbereitet, wie er einräumte: „Ich hatte keine Ahnung, welche Sprache man in der Schweiz spricht und wie das Niveau des Fußballs sein würde. Ich ging einfach.“ 90Tagessätze musste Bobadilla bezahlen, weil er im November 2014 beim Augsburger Presseball einen 39-Jährigen mit der Faust niedergeschlagen hatte und wegen Körperverletzung angezeigt wurde. Heraus kam angeblich eine Geldstrafe im mittleren fünfstelligen Bereich.

111 km/h war er mit seinem geleasten schwarzen Maserati (405 PS) im Juli 2013 schnell, als er in seinem damaligen Schweizer Wohnort Seewen nachmittags vor einer Pony-Ranch geblitzt wurde – das Tempolimit: 50! Ihm drohten wegen der verschärften Gesetze in der Schweiz vier Jahre Haft und bis zu einer Million Franken Geldstrafe. Der FC Basel suspendierte ihn – und er wechselte für 1,5 Millionen Euro nach Augsburg. Zum Gerichtstermin 2014 begleitete ihn FCA-Manager Stefan Reuter. Bobadilla kam mit 16 Monaten auf Bewährung, 15.800 Franken Geldbuße und zwei Jahren Führerscheinentzug in der Schweiz davon.

500 Gramm. So schwer muss ein Rindersteak für Bobadilla sein. Er liebt die Spezialität seiner argentinischen Heimat und verblüfft seine Teamkollegen beim FCA – etwa Linksverteidiger Philipp Max: „Ich habe noch keinen Spieler gesehen, der so große Steaks isst wie Raul.“ Zur Gladbacher Zeit stand Steak 2010 gleich zwei Mal in einer Woche auf dem Speiseplan. Und dann machte Bobadilla sein bisher bestes Bundesliga-Spiel. Gegen Werder! Zwei Tore und zwei Vorlagen beim 4:3 – bis heute Karriere-Rekord, was die Torbeteiligungen angeht.

50.000 Euro – zu dieser Geldstrafe verdonnerte Gladbach den Südamerikaner, weil er im Dezember 2010 im Auswärtsspiel bei Hannover 96 ausgerastet war. Erst trat er gegen Sergio Pinto nach und sah die Rote Karte, dann beschimpfte er den Vierten Offiziellen als Hurensohn („Hijo de Puta“). Für fünf Spiele wurde er gesperrt – und von Gladbach an Aris Saloniki ausgeliehen. Im Mai 2012 im Trikot der Young Boys Bern der nächste verbale Aussetzer, diesmal im Kabinengang in Richtung Schiedsrichter. „Du bist ein Desaster“ und „verdammter Hurensohn“. Das Sportgericht zog ihn nachträglich für sechs Spiele aus dem Verkehr.

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