Werders Pokalgegner hat einen ganz besonderen Trainer

Erst mit Atalan wieder „volle Lotte“

+
Ismail Atalan

Lotte - Von Christian Detloff. Als die Sportfreunde Lotte im Winter 2014 erstmals seit fünf Spielzeiten keine Rolle in der Spitzengruppe in der Regionalliga West spielten, traf „Macher“ Manfred Wilke eine mutige Entscheidung. Er verpflichtete mit Ismail Atalan einen in der Region kaum bekannten Trainer, der vier Jahre zuvor noch in der Kreisliga trainiert und sich rasch bis in die Oberliga zu Roland Beckum vorgearbeitet hatte. Ein Glücksgriff.

Unter Atalan, bekannt für höchst intensives Training, ging es stetig bergauf. Nach nur einer Niederlage in der Rückrunde krönte der zunächst für ein halbes Jahr verpflichtete Coach seinen Start mit dem Westfalenpokalsieg 2015. Dass die Mannschaft vor einem Jahr in der ersten DFB-Pokalrunde gegen Bayer Leverkusen (0:3) zu viel Respekt gezeigt hatte – geschenkt. „Gegen Bremen wollen wir mit Vollgas und Angriffspressing unsere Chance suchen und möglichst auch nutzen“, redet Kapitän Gerrit Nauber nicht um den heißen Brei herum. Das Selbstbewusstsein ist groß.

Kein Wunder: Schließlich ist der Club aus der 14 000-Einwohner-Gemeinde am bekannten Autobahnkreuz in der vergangenen Saison mit 15 Punkten Vorsprung Regionalliga-Meister geworden. Souverän setzte sich Lotte dann auch in der Aufstiegsrelegation gegen Waldhof Mannheim (0:0/2:0) durch. Wieder stand hinten die Null. Und das trotz offensiver Spielweise. Das kraftraubende Dauerpressing der Sportfreunde überrascht zwar niemanden mehr, dennoch taten sich im vergangenen Jahr fast alle Gegner schwer damit. „Volle Lotte“ lautet ganz passend der Sportfreunde-Slogan. Nicht nur dort. Nach dem Aufstieg galt es, die Drittliga-Aufgabe des DFB umzusetzen, die Kapazität des Frimo-Stadions um rund 2 500 auf 10 000 Plätze zu erweitern. Wegen Sicherheitsauflagen sind im Duell mit dem Bundesligisten nur 9 500 Zuschauer zugelassen.

„Macher“ Wilke, der sich über den Etat ausschweigt, Vorsitzender Hans-Ulrich Saatkamp und weitere Verantwortliche packten mit Fans und Freunden des Vereins ab dem Frühsommer unermüdlich mit an. Auch Stammkeeper Benedikt Fernandez, dessen Vertrag da noch gar nicht verlängert war. Die neue Osttribüne ist rechtzeitig zum Duell mit Werder fertig worden. Auch die neue Anzeigetafel und Vereinshymne kommen am sportlichen Feiertag erstmals zum Einsatz, wenn die großen, nicht für den DFB-Pokal qualifizierten VfL Osnabrück und Preußen Münster neidisch zum kleinen Derbyrivalen blicken. Wilke setzt beharrlich auf Einjahresverträge. Zum Unverständnis seiner Trainer schließt der Obmann die Kaderplanung spät ab. Erst nach und nach verlängerte das Gros der Meisterspieler in der Vorbereitung, die mit mehr als 20 Testspielern und vier Langzeitverletzten holprig verlief.

Neu verpflichtet wurden bislang in Marcel Kaffenberger (vom Chemnitzer FC), Patrick Schikowski, Phillipp Steinhart (Bayern München II) sowie den Ersatz-Torhütern David Buchholz (FC Homburg) und Yannick Zummack (Eintracht Frankfurt) keine Leitkräfte, sondern Akteure, die den Kader in der Breite sinnvoll verstärken. Bis zum 31. August will der Club noch einen dritten Innenverteidiger und einen weiteren Flügelstürmer dazu holen. Sollte dies gelingen, ist der Klassenerhalt in der neuen Spielklasse kein unrealistisches Ziel. Wenn nicht, wird es richtig schwierig.

Die bisherigen Ergebnisse (ein Sieg bei Werders U 23, zwei Unentschieden, eine Niederlage) waren zwar durchaus in Ordnung, aber nur mit Mühe bekam Lotte jeweils überhaupt einen 18er-Kader zusammen. Zuletzt beim 2:2 gegen Rot-Weiß Erfurt standen sogar drei Torhüter im Aufgebot. Gegen Werder entspannt sich die Lage ein bisschen. Rechtsverteidiger Alexander Langlitz könnte rechtzeitig fit werden und Matthias Rahn muss seine Rotsperre nur in der Liga abbrummen. Zusammen mit Nauber bildet er im SFL-Zentrum das Herzstück der Mannschaft.

Mehr zum Thema:

FIFA-Klub-WM: Alle bisherigen Sieger

FIFA-Klub-WM: Alle bisherigen Sieger

Volvo hängt auf der Skipiste fest

Volvo hängt auf der Skipiste fest

Widerstand der Rebellen in Aleppo bricht immer mehr zusammen

Widerstand der Rebellen in Aleppo bricht immer mehr zusammen

Opel Insignia Grand Sport

Opel Insignia Grand Sport

Meistgelesene Artikel

Kainz wird nicht ausgeliehen

Kainz wird nicht ausgeliehen

Gebre Selassie: "Ich kann nur warten"

Gebre Selassie: "Ich kann nur warten"

Blutige Nase: Pizarro bricht Training ab

Blutige Nase: Pizarro bricht Training ab

Delaney bekennt sich zu Werder

Delaney bekennt sich zu Werder

Kommentare