Werder-Geschäftsführer Filbry macht sich für den Trainer stark, lobt Eichin und Nachfolger Baumann

„Skripnik hat gute Arbeit gemacht“

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Thomas Eichin: plötzlich entlassen. Viktor Skripnik: stark in der Kritik. Frank Baumann: am Anfang seiner Arbeit. Überraschend bekommen alle drei von Werder-Geschäftsführer Klaus Filbry ein dickes Lob.

Bremen - Von Björn Knips und Carsten Sander. Thomas Eichin spricht nicht mehr für Werder, Frank Baumann spricht noch nicht für Werder – da springt Klaus Filbry in die Bresche. Der Vorsitzende der Bremer Geschäftsführung nimmt sich eine Stunde Zeit, um die wichtigsten, aktuellen Fragen zu besprechen.

Dabei lobt Filbry ausdrücklich seinen Ex-Kollegen Eichin, redet dessen Nachfolger Baumann stark und spricht sich für eine Zukunft mit dem umstrittenen Trainer Viktor Skripnik aus. Klaus Filbry über. . .

. . . den kaputten Rasen

Zum Einstieg ins Gespräch gibt es einen Blick ins Weserstadion, wo der Platzsturm nach der Rettung gegen Frankfurt deutliche Spuren im Rasen hinterlassen hat. „Der Rasen war ein Ausdruck der Freude“, philosophiert Filbry. Er ist entspannt, zusätzliche Kosten halten sich in Grenzen: „Es muss kein neuer Rasen her, wir haben einen sehr guten Greenkeeper.“

. . . Eichins Entlassung

Nicht nur für den Greenkeeper gibt es Lob von Filbry – auch für Thomas Eichin, den entlassenen Sportchef: „Thomas hat gute Arbeit geleistet und viel für den Verein getan.“ Warum musste er dann gehen? „Im Hintergrund sind Meinungen klar zum Ausdruck gebracht worden. Am Ende haben sich beide Seiten entschieden, unterschiedliche Wege zu gehen“, sucht Filbry nach Worten, die nicht zu viel verraten. Ganz offensichtlich geht es auch um die Trainerfrage. Eichin wollte Viktor Skripnik entlassen, der Aufsichtsrat nicht. Filbry hätte seinem Kollegen in der Geschäftsführung zur Seite springen können. So, wie er es im Sommer gemacht hatte, als es um Eichins Vertragsverlängerung ging. „Es gibt da eine klare Rollenverteilung“, erklärt Filbry: „Der Aufsichtsrat hat eine Verantwortung. Thomas hatte Vorstellungen, die haben einfach ab einem gewissen Punkt nicht mehr zusammengepasst. Da ist diese Entscheidung – auch zu meinem Bedauern – so gefällt worden. Persönlich tut es mir leid, dass er geht.“ Doch die Nachfolgereglung stimmt ihn optimistisch.

. . . Frank Baumann

„Mit Frank wurde ein sehr, sehr guter Nachfolger gefunden“, versichert Filbry und redet den neuen Kollegen stark: „Er war als Spieler einer der ganz Großen. Er hat hier intensive Management-Erfahrung gesammelt. Er hat ein sehr profundes Wissen, was Spieler und Agenten angeht. Er hat ein gutes Netzwerk. Er kann inhaltlich sofort andocken. Er passt zum Verein.“ Baumann sei nicht „besser oder schlechter als Eichin“, er sei aber ein „anderer Typ“. Frank Baumann eben, der stets sehr zurückhaltend wirkt. „Er ist hochkompetent, aber er ist kein Lautsprecher. Das macht ihn auch so sympathisch“, findet Filbry: „Frank ist an der Sache interessiert, er will Werder Bremen voranbringen.“

. . . Skripniks Zukunft

„Wir sind nach wie vor in der Analyse“, stellt Filbry klar. Die Entscheidung werde am Freitag bei der offiziellen Vorstellung von Baumann – und dann natürlich auch von Baumann – verkündet. Immerhin deutet Filbry eine Tendenz an. „Meine persönliche Meinung ist: Seit Viktor die Verwantwortung übernommen hat, haben wir uns weiterentwickelt. Ja, wir haben eine intensive Saison hinter uns, aber man darf nicht alles schlecht reden. Es gab auch positive Entwicklungsschritte. Viktor hat gute Arbeit gemacht und auch Erfolg gehabt.“ Filbry ist also pro Skripnik. Da die dreiköpfige Geschäftsführung (Filbry, Baumann, Hubertus Hess-Grunewald) gemeinsam die Trainerfrage entscheidet, hat Skripnik sehr gute Karten.

. . . Florian Kohfeldt

Plötzlich poppte am Wochenende das Thema Florian Kohfeldt auf. Der Co-Trainer galt als heißer Kandidat auf den Chefposten. „Das war ein Bericht aus dem Märchenland“, stellt Filbry unmissverständlich klar: „Florian ist ein Teil des Trainerteams unter Führung von Skripnik. Er hat genauso wie Torsten Frings seine Aufgaben im Trainerteam. Beide haben es sehr gut gemacht.“

. . . den Werder-Weg

Alles nur noch grün-weiß: Werder schickte den Nicht-Bremer Thomas Eichin weg und holte sich Ehrenspielführer Baumann. „Die schmoren im eigenen Saft“, hieß es fast in jedem Kommentar in den Medien. Auch ein Großteil der Fans war entsetzt. „Es gab einen Aufschrei, weil sich Thomas Eichin ein gutes Standing erarbeitet hat“, glaubt Filbry. Mit Nachfolger Baumann habe das nichts zu tun, inzwischen habe es viel Lob für diese Wahl gegeben. Außerdem sei es „nicht verkehrt“, auf eigene Leute zu setzen. „Die Bayern haben das doch auch gemacht“, sagt Filbry: „Es kommt nur darauf an, ob die Kompetenz stimmt – und Frank hat die Kompetenz.“ Es wird so sein, dass sich Baumann sein Team nach seinen Vorstellungen zusammenstellt. Dabei könne er schon jetzt auf gute und verhandlungssichere Leute wie Tim Steidten und Tarek Brauer zurückgreifen.

. . . die Finanzlage

Bei dem Thema ist sofort ein Lächeln im Gesicht von Klaus Filbry. Die Zahlen sind so gut wie schon seit Jahren nicht mehr. „Wir sind absolut zufrieden“, sagt der Vorsitzende der Geschäftsführung: „Wir sind durch die härteste Phase durch.“ Erstmals seit vier Jahren wird Werder eine Saison mit einem Plus in der Bilanz beenden – wahrscheinlich zwei Millionen Euro. „Wir haben mehr Spielraum“, berichtet Filbry, stellt aber sogleich klar: „Wir werden den Weg der finanziellen Vernunft weitergehen.“

. . . die neue Saison

 Bloß keinen Abstiegskampf mehr. „Wir wünschen uns, dass wir uns von Anfang an als fester Bestandteil des Mittelfelds etablieren und nichts mit dem Abstieg zu tun haben“, sagt Filbry und blickt noch weiter in die Zukunft: „Aus dieser Position wollen wir dann den nächsten Entwicklungsschritt machen.“ Wo dabei vor allem der Hebel angesetzt werden muss, ist Filbry auch schon klar: „Wir müssen unsere Defensivschwäche endlich in den Griff bekommen.“

. . . ein verlorenes Jahr

Da widerspricht Filbry energisch. Die Mannschaft habe sich weiternetwickelt, junge Spieler hätten den Sprung in die Bundesliga geschafft und sich wie Florian Grillitsch sogar als Stammspieler etabliert. Und dann sei da noch dieses besondere Verhältnis zu den Fans. „Die sind einzigartig“, schwärmt der Clubchef und verteidigt noch einmal den Werder-Weg mit so vielen Ex-Spielern in Führungspositionen: „Das Thema Werder-Identität zu stärken, ist nichts Schlechtes. Die Geschlossenheit des Vereins, der Fans, der Region hat gezeigt, dass es etwas Positives ist, was es an anderen Bundesliga-Standorten nicht gibt.“

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