Hoffnungsträger Pizarro, Öztunali und Junuzovic

Skripnik schmeißt die Sorgen raus

Viktor Skripnik
+
Sorgen und Nöte? Darüber sprach Werder-Trainer Viktor Skripnik im Trainingslager kaum. Stattdessen gab er sich betont kämpferisch.

Belek / Bremen -  Werder Bremens Coach Viktor Skripnik zog in den Katakomben des kleines Stadions in Belek gerade seine Trainingslager-Bilanz, da ertönte plötzlich ein schrillendes Alarmsignal. Bestimmt eine halbe Minute lang. Irgendwie passend zur sportlichen Situation des Tabellen-16. der Bundesliga.

Doch der Trainer ließ sich nicht ablenken und redete einfach weiter. Auch irgendwie passend, denn der 46-Jährige würde alles Negative und alle Sorgen am liebsten zur Seite schieben. Wie Skripnik im Trainingslager drauf war, wer die größten Hoffnungsträger sind und wie Werder in der schwierigen Rückrunde spielen will: Hier die wichtigsten Fragen und Antworten.

Was stimmt optimistisch?

Die Bremer Profis wirkten in Belek nicht verkrampft. Sie waren auf dem Platz konzentriert, abseits davon aber locker. Die Stimmung war gut. Und die Spieler scheinen begriffen zu haben, was sie verändern und verbessern müssen. Abwehrchef Jannik Vestergaard hatte vor allem mehr Härte (untereinander, aber auch gegen den Gegner) gefordert und in den Testspielen selbst schon mal geliefert. Auch die Kollegen waren da mitunter ziemlich giftig – Trainer Viktor Skripnik gefällt’s. Auch er findet: „Wir haben in der Hinrunde viele entscheidende Zweikämpfe verloren und wollen ein bisschen härter sein. Wenn die Spieler es selbst schon sagen, freut mich das. Dann haben sie es kapiert.“

Was bereitet Sorgen?

Vor allem Philipp Bargfrede. Der „Sechser“ musste wegen einer Achillessehnenreizung vorzeitig abreisen. Zwar hegt er Hoffnungen, bis zum Schalke-Spiel am Sonntag wieder fit zu sein, doch sicher ist das nicht. Fällt der 26-Jährige aus, „müssen wir überlegen, wie wir es machen. Das nervt mich“, seufzte Skripnik, der oft betont hat, wie wichtig Bargfrede für Werder ist. Und sollte er sogar länger fehlen, wäre das ein Desaster.

Man kann auch noch anführen, dass die fünf Testspiele gegen Demirspor (7:0), Aue (1:3), Sivasspor (0:0), Baku (1:0) und Austria Wien (2:2) insgesamt nicht gerade überzeugend waren. Aber das ging in der Wintervorbereitung auch anderen Bundesligisten so, muss deshalb nichts heißen.

Wer sind die größten Hoffnungsträger?

Ein Name fällt immer wieder: Claudio Pizarro. Die Teamkollegen und die Verantwortlichen bauen darauf, dass der peruanische Torjäger „uns noch mehr helfen wird“ (Sportchef Thomas Eichin). Pizarro, der in der Rückrunde die Bremer Elfmeter schießen wird, glaubt das selbst auch: „Nach einer guten Vorbereitung kann das ganze Jahr gut werden – und ich fühle mich jetzt gut.“ In Belek konnte der 37-Jährige, dem man laut Philipp Bargfrede „sein Alter nicht anmerkt“, fast das komplette Programm durchziehen. Er dürfte nun deutlich fitter sein als bei seiner Verpflichtung im September. „Ich will öfter von Anfang an spielen“, meinte Pizarro.

Ein Hoffnungsträger: Levin Öztunali machte auch in Belek einen guten Eindruck.

Genau das will auch Levin Öztunali, der die guten Eindrücke vom Ende der Hinrunde in Belek bestätigte. „Bei Levin hat oft der letzte Funke gefehlt. Nun sucht er die Zweikämpfe und zeigt, was mit seiner Geschwindigkeit im Eins-gegen-Eins möglich ist“, lobte Eichin den schnellen Mittelfeldmann. Auch Skripnik traut Öztunali in der Rückrunde einiges zu: „Er hat seine beste Form gefunden, marschiert und schießt Tore. Seine Leistung macht viel Hoffnung.“ Und dann ist da noch Zlatko Junuzovic, der nach einer Schultereckgelenksprengung sein Comeback gab. „Ich hoffe, die Pause hat ihm gut getan“, meinte Skripnik. Vizekapitän Junuzovic fühlt sich nach sehr enttäuschender Hinrunde wieder richtig frisch und fit: „Und das brauche ich, das ist auch ganz wichtig für den Kopf.“

Wie waren die zwei Testspieler aus der U 23?

Fühlten sich bei den Profis wohl: Giorgi Papunashvili (oben) und Leon Guwara.

Giorgi Papunashvili (20) schoss ein Traumtor gegen Aue und freute sich ausgiebig darüber. In seinen Testspiel-Einsätzen deutete der georgische Nationalspieler seine technische Klasse an, offenbarte aber auch seine Schwachstellen. Er ist nicht gerade der Schnellste und nicht gerade der Zweikampfstärkste. „Ihm fehlt eine gewisse Härte“, meinte Skripnik, „aber wir werden ihn im Blick behalten.“ Leon Guwara darf sich nach der Verletzung von Janek Sternberg (Bänderriss im Sprunggelenk) sogar berechtigte Hoffnungen machen, erst mal im Profikader zu bleiben. „Wir hatten ihn selten dabei und wollten ihn mal intensiver erleben. Wir sind zufrieden mit ihm und haben nicht erwartet, dass er sofort glänzt. Aber man sieht, dass er Fußballspielen kann“, sagte Skripnik, der Guwara (in der U 23 meistens links) in Belek als Rechtsverteidiger eingesetzt hatte. Der 19-Jährige zeigte ein paar Mal seine Schnelligkeit, viel mehr aber auch nicht.

Wer hat sich aus der zweiten Reihe aufgedrängt?

Keiner. Auch die Reservisten wie Felix Kroos, Melvyn Lorenzen oder Maximilian Eggestein (um nur einige zu nennen) hatten viele Spielanteile und die Chance, sich ins Rampenlicht zu manövrieren. Das gelang aber nicht. Vor allem der Auftritt gegen Drittligist Aue war ernüchternd. „Damit waren wir nicht einverstanden“, sagte Eichin.

Ist Werder fit für die Rückrunde?

Alles andere wäre eine unangenehme Überraschung. Nahezu in jede Trainingslager-Einheit waren Kraft-, Athletik oder Ausdauerelemente eingebaut. In der Regel trainierte Werder zwei Mal am Tag, teilweise auch drei Mal (mit morgendlichem Lauf). Nur einen Nachmittag gab Skripnik frei. „Es war sehr, sehr hart – und alle sind nun ziemlich kaputt. Aber alle haben mitgezogen“, lobte Eichin: „Die Spieler sind heiß und hungrig. Ich erwarte gegen Schalke aber auch eine Trotzreaktion.“

Wie will Werder in der Rückrunde spielen?

Skripnik hat sich auf zwei taktische Ausrichtungen fokussiert: ein 4:4:2 mit Raute und eines mit einer „flachen Vier“ im Mittelfeld. „Wir wollen nicht nur ein System haben, sondern diese beiden im Auge behalten“, sagte der Coach. Welches wann zum Einsatz kommt, scheint auch schon klar. In den vielen Heimspielen gegen Abstiegskonkurrenten ist es die Raute. Skripnik: „Wenn wir zu Hause aggressiver und offensiver sein müssen, passt sie perfekt.“ Findet auch Vestergaard: „Das macht Sinn.“ Auswärts und gegen Spitzenmannschaften wird dann die defensivere 4:4:2-Variante erste Wahl sein.

Wie läuft die Vorbereitung auf das Schalke-Spiel?

Sie beginnt heute um 15 Uhr mit dem ersten Mannschaftstraining. Am Mittwoch gibt es dann die Generalprobe im Weserstadion: Elf gegen Elf unter Ausschluss der Öffentlichkeit, da testet Skripnik schon mal seine Startformation für Sonntag. Ansonsten feilt Werder an den Standards und hält die Intensität hoch. Skripnik: „Wir werden Kleinfeld-Spiele machen, Vier gegen Vier oder so. Da braucht man Aggressivität, muss schnell umschalten und Zweikämpfe führen.“

Wie ist Trainer Viktor Skripnik drauf?

Er wirkt kämpferisch und versucht, auch der Mannschaft Zuversicht einzuimpfen. Und den mitleidenden Anhängern. „Wir geben Vollgas, darauf können sich die Fans verlassen. Sie sollen sich keine Sorgen um uns machen, wir wollen nicht absteigen und tun alles dafür.“ Auf dem Platz redete Skripnik viel mit seinen Spielern, anschließend öfter als sonst mit den Journalisten. Immer bemüht, nichts Negatives zu sagen. Auch beim Thema Verstärkungen im Winter. „Jeder Trainer hat seine Wünsche, ich auch“, meinte der 46-Jährige. Bisher wurde keiner erfüllt – deshalb „arbeite ich mit den Spielern, die ich zur Verfügung habe“, sagte Skripnik lapidar. Ob bis zur Schließung des Transferfensters am 1. Februar – abgesehen von den Testspielern – noch jemand kommt, verrät Eichin nach wie vor nicht. Er sagte gestern nur: „Wir halten Augen und Ohren offen.“  mr

Mehr zum Thema:

Erdloch verschluckt mehrere Autos in Innenstadt von Florenz

Erdloch verschluckt mehrere Autos in Innenstadt von Florenz

Neue Sorgen für Löw: Faserriss bei Hummels

Neue Sorgen für Löw: Faserriss bei Hummels

Bilder: Das DFB-Team im Trainingslager in Ascona

Bilder: Das DFB-Team im Trainingslager in Ascona

200 Meter langes Erdloch: Autos in Florenz sacken in Krater

200 Meter langes Erdloch: Autos in Florenz sacken in Krater

Meistgelesene Artikel

Baumann kämpft um Vestergaard

Baumann kämpft um Vestergaard

Keine Tricksereien mit Füllkrug

Keine Tricksereien mit Füllkrug

„Skripnik hat gute Arbeit gemacht“

„Skripnik hat gute Arbeit gemacht“

Nur Fritz schafft zwei Mal die „1“

Nur Fritz schafft zwei Mal die „1“

Kommentare