Bruns‘ Blitzkarriere: Ohne Lizenz nach oben

„Das ist alles ziemlich verrückt“

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Diesem Mann macht die Arbeit Spaß – das ist nicht zu übersehen: Werders neuer Co-Trainer Florian Bruns hat einen rasanten Aufstieg hingelegt und kann das selbst noch nicht so recht glauben.

Bremen - Auch die Co-Trainer sind in der Bundesliga inzwischen bestens ausgebildet, dürfen sich oftmals wie ihre Chefs Fußballlehrer nennen. So war es zuletzt auch bei Werder mit Torsten Frings und Florian Kohfeldt.

Bei ihrem Nachfolger ist das anders: Florian Bruns hat noch gar keine Lizenz, nicht mal den B-Schein, den sehr viele Amateurtrainer haben. Doch Bruns trifft da überhaupt keine Schuld. Seine Karriere als Co-Trainer von Alexander Nouri verlief so rasant, da blieb dem 37-Jährigen überhaupt keine Zeit für einen Abschluss.

„Ich muss mich schon kneifen, dass das wirklich alles so ist. Das ist schon ziemlich verrückt“, gesteht Bruns. Am Donnerstag kehrt er für ein Testspiel ans Millerntor zurück – und das völlig unerwartet als Co-Trainer des Bremer Bundesligisten: „Ich freue mich riesig, ich hatte beim FC St. Pauli sieben tolle Jahre.“ 2013 wechselte er zum SV Werder. Aber nicht um dort noch mal durchzustarten, sondern um sich in der U 23 als erfahrener Spieler um den Nachwuchs zu kümmern. Als Nouri von Viktor Skripnik die U 23 übernahm, machte er Bruns erst zu seinem verlängerten Arm auf dem Spielfeld, dann ab 2015 zu seinem Co-Trainer. „Ich wollte zwar im Fußball bleiben, aber eigentlich weg vom Platz rein ins Büro“, erinnert sich Bruns und verweist auf sein abgeschlossenes Studium in seiner Heimatstadt Oldenburg (Management, Schwerpunkt Marketing).

Doch als Nouris Angebot kam, „da habe ich sofort gesagt: Mach’ ich Alex, logisch!“ Bruns grinst zufrieden. Es war eine gute Entscheidung, eine richtig gute sogar. „Ich arbeite ganz eng mit Alex zusammen.“ Im ersten Drittliga-Jahr musste er seinen Chef unter der Woche oft vertreten, denn Nouri absolvierte nebenbei den Lehrgang zum Fußballlehrer. Deswegen musste Bruns’ eigene Ausbildung zurückstehen. „Im November mache ich aber meine Prüfung für die B-Lizenz“, betont der Ex-Profi. Die weiteren Scheine sollen dann folgen. Denn nun hat Bruns Blut geleckt, will auf dem Rasen bleiben. „Es macht einfach Spaß“, sagt er und beschreibt seine Aufgabe so: „Ich will ganz dicht dran sein an der Mannschaft. Man muss ehrlich und authentisch sein. Eine gute Beziehung zu den Spielern ist mir sehr wichtig. So bin ich.“

Florian Bruns' Werdegang

Es folgt ein zufriedenes Lächeln. Bruns wirkt sehr bodenständig. Er ist zwar voller Tatendrang, muss aber niemandem etwas beweisen. Zumindest kommt er so im Gespräch rüber. Bruns macht einfach – und lässt sich auch von der neuen Herausforderung nicht schocken: „Klar, wir spielen jetzt nicht mehr vor 400, sondern vor 40 000 Zuschauern. Aber ich verspüre noch keinen größeren Druck.“ Die tägliche Arbeit sei gar nicht so anders. „Es geht um Fußball und darum, Spiele zu gewinnen. Ob ich dabei mit einem Clemens Fritz spreche oder mit einem U 23-Spieler ist gar nicht so anders“, berichtet Bruns.

Außerdem kennt er die Bundesliga – anders als sein Trainer. 74 Spiele hat Bruns für den SC Freiburg (1999 bis 2002) und für den FC St. Pauli (2010/11) im Fußball-Oberhaus absolviert. Dazu kommen noch 212 Zweitliga-Partien für Freiburg, St. Pauli, Alemannia Aachen und Union Berlin. Dabei hat er fast alle Positionen gespielt – bis auf Torwart und rechter Verteidiger. Erfahrung ist also ausreichend da, wenn auch nicht als Trainer. Dass auch sein Chef noch nicht in der Bundesliga gearbeitet hat, wird gemeinhin als Makel gesehen. „Das muss doch nicht unbedingt ein Nachteil sein“, findet Bruns – und lächelt erneut.

Der 37-Jährige denkt einfach positiv, trägt seine Freude über den Moment nach außen: „Ich habe Lust auf diese Aufgabe und bin gespannt, was alles passiert.“ Dabei fühlt er sich an der Seite von Nouri bestens aufgehoben. Auch nach der Arbeit wird noch oft telefoniert oder geschrieben. Von der großen Freundschaft will Bruns zwar noch nicht sprechen, „aber da bahnt sich durchaus etwas an“. Sie verstehen sich bestens – und die Rollenverteilung ist dabei ganz klar. „Alex gibt die Marschroute vor, er ist der Chef.“ Und Bruns sein Co-Trainer (noch) ohne Lizenz, aber das wird sich ja schon in wenigen Wochen ändern. kni

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