Die Bremer stehen vor dem Kauf von Serge Gnabry

Ein Wunderkind für Werder

Serge Gnabry im deutschen Olympia-Trikot. Bei den Spielen in Brasilien brachte er sich in Erinnerung, nachdem er schon beim FC Arsenal verschollen schien. Jetzt holt Werder Bremen das „German Wunderkind“ an die Weser. J Foto: dpa

Bremen - Von Carsten Sander und Malte Rehnert. Der nächste und letzte Bremer Transfercoup des Sommers ist ein verwirrender. Am frühen Nachmittag schien gestern schon perfekt zu sein, dass Serge Gnabry (21) vom FC Arsenal via Bayern München auf Leihbasis zu Werder Bremen wechseln würde. Das hatte Gnabrys Vater gegenüber Stuttgarter Medien sogar schon bestätigt. Doch diese Gerüchte bezeichnete Werder-Sportchef Frank Baumann später als „in dieser Form nicht richtig“.

Denn die Bremer wollen nicht leihen, die Bremer wollen kaufen. „Der FC Bayern spielt bei einem möglichen Wechsel keine Rolle. Mit dem Spieler sind wir uns einig. Wir sind zuversichtlich, dass der Wechsel klappt“, erklärte Baumann. Vertragslaufzeit? Unklar. Die Ablösesumme auch. Gnabry ist noch bis 2017 an Arsenal gebunden, sein Preis bleibt laut Baumann für die Bremer aber „absolut im Rahmen und ist für uns absolut in Ordnung.“ Es sind Aussagen, die auf vier oder fünf Millionen Euro schließen lassen. In England kursiert jedoch das Gerücht, dass Gnabry zehn Millionen englische Pfund (etwa 11,7 Millionen Euro) kostet. Für eine Ablöse dieser Größenordnung reicht das Bremer Transferplus allerdings nicht mehr aus, „im Rahmen“ ist die Summe für Werder zudem auch nicht.

Nicht nur deshalb ist es überraschend, dass sich Werder im Rennen um Gnabry gegen viele andere Mitbewerber aus der Bundesliga durchgesetzt hat. Denn im Augenblick gibt es bessere sportliche Adressen als Bremen. Die schlechten Eindrücke der Pokal-Blamage bei Drittligist Lotte und das desaströse 0:6 in München sind bei Gnabry aber entweder nicht angekommen oder haben für ihn keine Rolle gespielt. Entscheidend sei gewesen, so Baumann, „dass wir ihn überzeugen konnten, dass er sich bei uns weiterentwickeln kann. Diese Karte haben wir gespielt.“ Wenn heute alles wie erhofft über die Bühne geht, wäre der Sportchef sehr zufrieden mit der geleisteten Arbeit: „Serge steht nach den Olympischen Spielen voll im Saft. Wenn er jetzt noch in den richtigen Rhythmus findet, wird er noch besser. Wir sind glücklich, dass sich so ein talentierter Spieler für uns entscheidet.“

Mit Gnabry wollen die Bremer den monatelangen Ausfall von Königstransfer Max Kruse (Außenbandriss im Knie) kompensieren. Und es gilt: Entweder Gnabry oder keiner. „Wenn es mit ihm nicht klappen sollte, wovon ich nicht ausgehe, werden wir nichts mehr machen“, sagte Baumann und beschrieb den Stand der Dinge so: „Wir haben grundsätzlich eine Einigung mit Arsenal erzielt. Aber es ist noch nichts unterschrieben.“ Heute muss der Transfer aber perfekt gemacht werden, um 18.00 Uhr schließt das Transferfenster.

Dann könnte aus dem „German Wunderkind“, als das Gnabry einst in London bezeichnet worden war, das „Werder Wunderkind“ werden. Es wäre das vorläufige Ende einer Geschichte, die schon vor vier Jahren begonnen hatte. Damals hatte Frank Baumann am Rande eines U 17-Elite-Turniers in Bremen versucht, Vater und Sohn Gnabry von Werder zu überzeugen. Er bekam einen Korb, und die „Gunners“ aus London holten den stämmig wirkenden, aber sehr schnellen Techniker auf die Insel. Dort startete Gnabry furios, doch dann geriet die Karriere beim FC Arsenal gewaltig ins Stocken. Nach dem Premier-League-Debüt mit nur 17 Jahren sowie dem ersten (und einzigen) Premier-League-Tor mit 18 Jahren kam nicht mehr viel für Gnabry. In der vergangenen Saison war er an West Bromwich Albion ausgeliehen, blieb dort aber nur ein halbes Jahr (ein Premier-League-Einsatz). Insgesamt stehen für den Bald-Bremer nach vier Profi-Jahren elf Premier-League-Einsätze in der Vita.

Zuletzt konnte sich der in der Nähe von Stuttgart aufgewachsene Gnabry auf der Insel überhaupt nicht mehr in den Vordergrund spielen. Wohl aber bei den Olympischen Spielen. Bei allen sechs Partien der deutschen Mannschaft kam er zum Einsatz, erzielte dabei sechs Tore – kein anderer traf häufiger. Gnabry hatte einen Riesenanteil daran, dass die deutsche Auswahl in Rio de Janeiro Silber gewann.

Bei Werder ist der Rechtsfuß aber nicht zwingend auf seiner Lieblingsposition als Linksaußen eingeplant, sondern mehr als Kruse-Kopie. Baumanns Beschreibung: „Serge kann auf der Zehn spielen, er kann auch über die Außenbahnen kommen, auf den Halbpositionen oder als zweite Spitze agieren. Er gibt uns insgesamt mehr Möglichkeiten.“

Wer Serge Gnabry bei den Olympischen Spielen hat wirbeln sehen, glaubt das sofort. Aber so ein Olympia-Turnier ist eine U  23-Meisterschaft und deshalb mit der harten Bundesliga nicht zu vergleichen. Dort muss sich Serge Gnabry erst noch beweisen. Am nötigen Talent und fußballerischen Rüstzeug mangelt es ihm aber gewiss nicht. Arsenal-Coach Arsene Wenger hatte einst über ihn gesagt: „Er hat das Talent und die Persönlichkeit, um es weit zu bringen.“

Mehr zum Thema:

Das sind die Kandidaten für die Rosberg-Nachfolge bei Mercedes

Das sind die Kandidaten für die Rosberg-Nachfolge bei Mercedes

Kruse mit Turban: Werder-Training am Mittwoch

Kruse mit Turban: Werder-Training am Mittwoch

Klassische Weihnachtsdeko im Trend

Klassische Weihnachtsdeko im Trend

Die besten iOS-Apps des Jahres 2016

Die besten iOS-Apps des Jahres 2016

Meistgelesene Artikel

Baumann informiert mögliche Abgänge

Baumann informiert mögliche Abgänge

Bangen um Drobny: Die Wade streikt

Bangen um Drobny: Die Wade streikt

Kainz wird nicht ausgeliehen

Kainz wird nicht ausgeliehen

Gebre Selassie: "Ich kann nur warten"

Gebre Selassie: "Ich kann nur warten"

Kommentare