Werder will nicht an Europa denken

3:2 – adieu Abstiegskampf?

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Der gestern erneut sehr starke Theodor Gebre Selassie (Vierter von links) köpft kurz vor der Pause das 3:1 für Werder.

Bremen - Von Carsten Sander. Die unheimliche Serie des SV Werder Bremen geht weiter. Gestern bezwang der Fußball-Bundesligist den Tabellenvierten FC Augsburg mit 3:2 (3:1), feierte damit jahresübergreifend den fünften Sieg in Folge.

Und obwohl der Abstand auf die europäischen Plätze in der Liga nun nur noch drei Punkte beträgt, ließ sich auch im Gefühl des Erfolges niemand bei dem ehemaligen Schlusslicht dazu verleiten, von mehr als dem Klassenerhalt zu reden. „Das bleibt unser oberstes Ziel“, sagte Zlatko Junuzovic, der einen Tag nach seiner Vertragsverlängerung bis 2018 wieder mit zwei Torvorlagen und zwei Alu-Treffern glänzte.

Seine Schüsse an Latte (49.) und Pfosten (82.) zeigen schon: Es war für Werder mehr drin gewesen, als „nur“ ein 3:2. Tatsächlich hatten die Bremer schon in Halbzeit eins, die vor 39 746 Zuschauern im nicht ganz ausverkauften Weserstadion die wohl beste der ganzen Saison war, Chancen en masse. Aber lediglich Verteidiger Assani Lukimya mit einem Kopfball nach Junuzovic-Freistoß (16.), Torjäger Franco Di Santo mit einem Foulelfmeter (24./Augsburgs Ragnar Klavan hatte Davie Selke zu Fall gebracht) und der erneut starke Theodor Gebre Selassie per Kopf nach Junuzovic-Eckball (45.) erwiesen sich auch als treffsicher. Ansonsten vergaben oder scheiterten Selke (7.), Clemens Fritz (10.), Fin Bartels (29.), Lukimya (35.), nochmal Selke (36./43.) und Felix Kroos (44.). Augsburg hatte nur den zwischenzeitlichen Ausgleich durch Klavan zu bieten – der Este traf ebenfalls per Kopf nach einem Eckball (22.).

Mehr Lebenszeichen kamen nicht vom FCA – einer Mannschaft, die mit ihrem Sturm auf den vierten Platz das ganze Land in Erstaunen versetzt hatte. Doch gestern hatte die Mannschaft von Trainer Markus Weinzierl lange überhaupt nichts zu melden. Mit aggressivem Forechecking, einer sicheren Defensive und einem blitzschnellen Umschaltspiel beherrschte Werder die Partie.

So gut wie lange nicht mehr – gefühlt möchte man das in diesen Wochen nach jedem Bremer Spiel sagen. Es ist ein

Höherer Sieg möglich

Zeichen, dass die Entwicklung der Mannschaft unter Trainer Viktor Skripnik und seinen Assistenten rasend schnell vorangeht. Aber eben auch nicht so schnell, dass alles funktioniert. Was sich in Halbzeit zwei zeigte. Die eigenen Konterchancen wurden noch mehr, wurden aber weiter verstolpert und verdaddelt. „Wir waren nicht kaltschnäuzig genug. Wir hätten 5:1 oder 6:1 führen können“, meinte Junuzovic – und untertrieb damit sogar noch.

Es wird Trainer geben, die sich über in Hülle und Fülle ausgelassene Möglichkeiten maßlos ärgern, Viktor Skripnik gehörte gestern nicht dazu. Er sah es so: „Wenn wir jetzt schon meckern müssen, dass wir uns gegen den Tabellenvierten viele Chancen herausspielen, dann können wir stolz auf uns sein.“ Und das war er auch. Stolz ohne Ende, Skripnik sagte es nach dem Abpfiff immer wieder: „Insgesamt war es ein Klassespiel von uns.“

Das aber aus beschriebenen Gründen zur Zitterpartie wurde. Ein schwerer Patzer von Werder-Schlussmann Raphael Wolf, der den Ball nach einer Ecke fallen ließ, ermöglichte Augsburg den Anschlusstreffer. Tobias Werner, der eine Vorliebe für Treffer gegen Werder hat – es war bereits sein fünfter –, nutzte die Situation zum 3:2 (79.). Auf der Tribüne verfolgte Werder-Geschäftsführer Thomas Eichin das Ganze mit wachsendem Unbehagen. „Im Normalfall gewinnst du so ein Spiel nicht, weil sich die ausgelassenen Chancen rächen“, meinte der 48-Jährige und erinnerte an die Zeit, als Werder noch unten drin stand: „Als 17. kriegst du noch das 3:3, da bin ich mir sicher.“

Als Achter fliegt Werner bei der einzigen Chance auf den Ausgleich aber am Ball vorbei (84.), und Werder gewinnt eben trotz der Vielzahl an ausgelassenen Chancen. Mit nun 29 Punkten bewegen sich die Bremer auf sicherem Terrain, können den Abstiegskampf schon ad acta legen – oder nicht? „Es wäre fatal, das so zu sehen“, warnte Eichin: „Auf uns warten noch schwere Gegner. Da kann man schnell wieder abrutschen.“

Werder gewinnt 3:2 gegen den FC Augsburg

In den kommenden Wochen muss Werder nacheinander gegen Schalke, Wolfsburg, Freiburg und den FC Bayern ran – drei Kracher in vier Spielen. Die Vorbereitung auf diese Herausforderungen starteten die Bremer Seriensieger gestern mit einem Mannschaftsabend – ohne Coach Skripnik übrigens. Der hatte keine Lust. „Das ist mir zu hart“, sagte er und ging lachend nach Hause. Für heute und morgen gab er seinen Profis frei.

Stimmen: „Nicht im Himmel“

Viktor Skripnik (Werder Bremen): „Ich freue mich ganz besonders darüber, dass wir so viele Torchancen herausarbeiten konnten. Mit 29 Punkten sind wir jetzt nicht im Himmel, aber wir können immerhin etwas ruhiger sein.“

Markus Weinzierl (FC Augsburg): „Der Bremer Sieg geht absolut in Ordnung. Die Mannschaft hat einen unheimlichen Lauf, da konnten wir nur schwer dagegenhalten. Meine Mannschaft war nicht wuchtig und aggressiv genug.“

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