Gebre Selassie wartet nach dem „großen Misserfolg“ bei der EM ab

Nie wieder für Tschechien? „Schauen wir einfach mal“

Schön, wieder hier zu sein“, findet Werders Rechtsverteidiger Theodor Gebre Selassie (rechts). Bei seinem ersten Training nach dem EM-Urlaub feixte der Tscheche ein bisschen mit Sportchef Frank Baumann. - Foto: nph

Bremen - Als er beim Trainingsspiel gerade mal nicht gebraucht wurde, erblickte Theodor Gebre Selassie gestern Nachmittag Sportchef Frank Baumann und dessen „rechte Hand“ Tim Steidten. Ein Lauf hinüber, ein saftiges Shakehands, ein kleines Pläuschchen. Bei der Begrüßungsszene auf dem Platz war dem Tschechen das, was er eine Stunde zuvor im Mediengespräch gesagt hatte, deutlich anzumerken: „Es ist sehr schön, wieder hier zu sein. Ich freue mich auf den Ball und die Jungs.“

Gebre Selassie, der gestern aus seinem verlängerten EM-Urlaub zurückkehrte, fühlt sich eben ziemlich wohl bei Werder. Hier genießt er eine hohe Wertschätzung, hier ist er als Rechtsverteidiger gesetzt – ganz anders als in seiner Nationalmannschaft. Da spielte er im ersten EM-Auftritt gegen Spanien (0:1) im Mittelfeld – und danach gar nicht mehr. „Ich hatte eigentlich ein gutes Gefühl, als ich nach Frankreich gefahren bin“, sagte Gebre Selassie: „Aber dann war der Trainer der Meinung, dass andere spielen sollten.“ Der Trainer – das war Pavel Vrba. Nach den folgenden Partien gegen Kroatien (2:2) sowie die Türkei (0:2) und dem ernüchternden Vorrunden-Aus nahm der 52-Jährige seinen Hut und kam damit wohl einem Rausschmiss zuvor. „Die EM war ein großer Misserfolg für uns alle“, urteilte Gebre Selassie rückblickend: „Danach gab es in der Heimat Riesenkritik an der Mannschaft und am Trainerstab.“

Auf Vrba folgt nun Karel Jarolim, der Vater des früheren Bundesliga-Profis David Jarolim. Ein harter Hund, weiß Gebre Selassie. „Ich hatte ihn vor neun Jahren mal ein Jahr lang als Trainer bei Slavia Prag. Ein guter Coach, aber es war damals – vor allem für die jungen Spieler – sehr, sehr anstrengend.“ Mittlerweile gehört „Theo“ mit 29 Jahren zu den Älteren in seinem Nationalteam. Und er hegt hörbar Zweifel daran, dass er noch gebraucht wird: „Es kann gut sein, dass der neue Trainer auf jüngere Spieler setzt.“

Gebre Selassie weiß mal wieder nicht, wie es für ihn als Nationalspieler weitergeht. Und ob überhaupt. Schon mehrfach hat er mit einem Rückzug kokettiert, sollte er nicht mehr Einsatzzeit bekommen. Auch jetzt mag er sich nicht klar äußern: „Ich hoffe nicht, dass meine Zeit vorbei ist. Aber momentan weiß ich nicht, was wird. Schauen wir einfach mal.“

Viel lieber als über die Nationalmannschaft spricht „Theo“ über Werder – und dabei besonders über einen neuen Mitspieler: Jaroslav Drobny. „Schön, dass wir nun noch einen Tschechen haben“, sagte er über den vom HSV verpflichteten Ersatzkeeper, der – glaubt man den Aussagen seines Landsmanns – ein wichtiger Baustein für das Teamklima werden wird: „Ich kenne ihn aus der Nationalmannschaft. Ein sehr guter, lustiger Typ, der gute Stimmung verbreitet. Er erzählt immer, was ihm gerade in den Kopf kommt“, lachte Gebre Selassie: „Und natürlich ist er auch ein sehr guter Torwart.“

Der vermutlich trotzdem wenig spielen wird, weil Felix Wiedwald als klare Nummer eins in die Saison geht. Und Gebre Selassie als klare Nummer eins rechts hinten. Dass Werder auf dieser Position noch personell aufstocken will (was auch dringend notwendig ist), bereitet Gebre Selassie keine schlaflosen Nächte: „Es ist doch verständlich, dass man da Optionen braucht. Ich nehme das ganz professionell.“ - mr

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