Der Neuzugang schwärmt von Micoud – und kommt ablösefrei nach Bremen

Werders Frankreich-„Joker“ sticht bei Sane

Auf gute Zusammenarbeit: Werder-Sportchef Frank Baumann (links) begrüßt Neuzugang Lamine Sane im Weserstadion. - Foto: nordphoto

Bremen - Von Malte Rehnert. Es geht weiter Schlag auf Schlag bei Werder. Erst Max Kruse geholt, dann Alejandro Galvez verkauft – und nun auch noch dessen Nachfolger Lamine Sane erfolgreich nach Bremen gelockt. Alles innerhalb von drei Tagen.

Sportchef Frank Baumann leistet Akkordarbeit und hat nach dem Kruse-Deal erneut für Aufsehen gesorgt. Denn der Senegalese Sane (29) ist nicht nur ein viel versprechender Innenverteidiger, sondern auch noch ein echtes Schnäppchen. Baumann spricht zwar nur von einer „günstigen Gelegenheit“ und sagt sonst nichts über die Ablösemodalitäten, nach Informationen dieser Zeitung kommt der Neue aber sogar ablösefrei von Girondins Bordeaux. Der französische Club bekommt nur Geld, wenn Werder den Profi weiterverkauft.

Nach dem bestandenen Medizincheck und der Unterschrift unter einen langfristigen Vertrag setzte sich Sane (Marktwert vier Millionen Euro) gleich wieder ins Flugzeug. Er muss in Bordeaux noch einige Formalitäten klären und wird am Sonntag in Bremen zurückerwartet. Vor dem Testspiel-Highlight gegen den FC Chelsea (15 Uhr) wird der langjährige Girondins-Kapitän, den Werder schon zu Zeiten von Coach Robin Dutt auf dem Zettel hatte (damals war er zu teuer), dann offiziell vorgestellt.

Ins Mannschaftstraining kann er jedoch noch nicht sofort einsteigen. Zwar mischte er bei Bordeaux zuletzt in der Vorbereitung voll mit, doch Werder will vorsichtig sein. „Er hat noch ein paar Probleme mit dem Knie“, sagte Baumann. Jenem Knie, an dem Sane im Sommer 2015 operiert worden war. „Wir brauchen ein bisschen Geduld, wollen ihn langsam heranführen und noch etwas für den Muskelaufbau tun“, sagte Baumann, der keinen zweiten „Fall Johannsson“ befürchtet: „Wenn wir vernünftig mit Lamine umgehen, wird er keine größeren Beschwerden mehr haben.“ Bei Aron Johannsson war das im Vorjahr anders gewesen. Werder wusste bei der Verpflichtung, dass der US-Isländer unter Umständen noch mal ausfallen könnte – es wurde dann fast ein ganzes Jahr. Sane dagegen könnte den Bremern (wenn alles gut läuft) nach der Länderspielpause Anfang September topfit zur Verfügung stehen.

Zum Gelingen des Transfers trugen gleich mehrere Faktoren bei. Da wäre zum Beispiel die Bremer Trumpfkarte Frankreich: Laut Baumann gab es im Werben um Sane mehrere Konkurrenten aus Deutschland und dem Ausland. „Aber Werder hat in Frankreich noch immer einen sehr guten Namen und Ruf. Und wir haben hier ja schon gute Erfahrungen mit einem Mann gemacht, der lange in Bordeaux gespielt hat.“ Damit meinte er Johan Micoud – und der war indirekt ebenfalls am Wechsel beteiligt. „Werder mag ich, seitdem ich ein kleiner Junge war. Seit Micoud hier gespielt hat“, sagte Sane bei Werder.tv und ergänzte: „Da fiel es mir nicht schwer, mich zu entscheiden.“

Geholfen haben ihm aber auch noch zwei Andere. Sein jüngerer Bruder Salif, der bei Hannover 96 spielt. „Er hat mir viel über Deutschland und die Kultur hier erzählt. Vor allem aber über die Bundesliga mit den vollen Stadien, die Stimmung und die Art, wie man hier Fußball spielt“, sagte Sane. Ein weiterer wichtiger Ratgeber war Landsmann Papy Djilobodji, der nach einem halbjährigen Gastspiel in Bremen inzwischen zum FC Chelsea zurückgekehrt ist. „Ich habe mit ihm gemeinsam für den Senegal gespielt und ihn zu Werder befragt. Er konnte mir eine ganze Menge erzählen“, verriet Sane, der als Spieler ein ähnlicher Typ wie Djilobodji ist – allerdings ruhiger und abgezockter.

Was Werder ebenfalls extrem in die Karten spielte, war das nicht mehr optimale Verhältnis von Sane und Bordeaux. Girondins soll in den vergangenen Jahren mehrere lukrative Anfragen für den Abwehrspieler abgelehnt und ihm dann versprochen haben, bei der nächsten guten Offerte gehen zu dürfen. Inzwischen ist der Club offenbar froh, den Gutverdiener von der Gehaltsliste zu haben. Zumal es sportlich in der Vorsaison nicht mehr lief. Nach der Pokalpleite gegen Nantes gab es sogar einen handfesten Kabinen-Disput zwischen Sane und Keeper Jerome Prior. Beide wurden vorübergehend suspendiert.

Bei Werder wagt der 1,92-Meter-Mann nach acht Jahren Bordeaux nun einen Neuanfang und wird mit viel Vorschusslorbeer empfangen. „Er hat Präsenz, Größe und ein gutes Kopfballspiel. Das eröffnet uns neue Möglichkeiten“, meinte Baumann: „Und er war in Frankreich jahrelang Leistungsträger, bringt eine Riesenerfahrung mit. In der Innenverteidigung sind wir jetzt sehr gut aufgestellt."

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