Burdenski liebäugelt mit einem Punkt in München

„Werder wird nicht untergehen“

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Dieter Burdenski (Archivbild)

Bremen - Von Björn Knips. Peinliches Pokal-Aus, Superstar Max Kruse lange verletzt, Torjäger-Legende Claudio Pizarro fehlt auch – Werder steckt im absoluten Stimmungstief. Ex-Profi Tim Wiese warnt seinen einstigen Club via „Bild“ sogar vor einer zweistelligen Niederlage heute zum Bundesliga-Auftakt beim FC Bayern München (20.30 Uhr/ARD).

Doch längst nicht alle Ex-Werder-Spieler sehen die Lage so dramatisch. Dieter Burdenski hält sogar ein Unentschieden beim Rekordmeister für möglich. Eine kleine Umfrage bei:

Patrick Owomoyela
„Das wird kein Kantersieg für die Bayern, das gibt einen normalen Ausgang“, prophezeit Patrick Owomoyela. Aber was ist ein normaler Ausgang? Da windet sich der 36-Jährige, will nicht direkt gegen seinen Ex-Club tippen und macht lieber Mut: „Nie sind die Bayern leichter zu schlagen als zu Beginn einer Saison.“ Und Werder solle sich wegen der Blamage in Lotte nicht verrückt machen lassen. „Das mit dem Pokalaus kenne ich noch gut aus meiner Zeit bei Werder. Das ist nicht schön, passiert aber“, erinnert sich Owomoyela an den 9. Sepetmber 2006 und das 3:5 im Elfmeterschießen beim Drittligisten FK Pirmasens. Auch der Kruse-Ausfall sei „doof, doch ich habe das Gefühl, dass die Verantwortlichen genau wissen, was sie tun“. Deswegen blickt der Ex-Nationalspieler durchaus optimistisch in die Zukunft: „Ich mag diese Extreme nicht mit diesem ,Heute ist alles super und morgen alles schlecht’. Man muss das mit Weitsicht sehen. Und in Bremen kann sich über die Saison hin etwas entwickeln, da sehe ich Potenzial.“

Patrick Owomoyela (36 Jahre): 156 Bundesliga-Spiele (davon 50 für Werder von 2005 bis 2008), elf Länderspiele. Wechselte 2008 zu Borussia Dortmund. Beendete 2014 seine Karriere nach einem halben Jahr beim Hamburger SV II.

Max Lorenz
Typisch Max Lorenz, er beginnt das Gespräch mit einem kleinen Scherz. „Also hoch kann man in München nicht gewinnen“, sagt der 77-Jährige und lacht. Galgenhumor, denn eigentlich ist Werders Meisterspieler von 1965 alles andere als gut aufgelegt. „Ich bin beunruhigt, das wird eine ganz schwierige Saison für uns“, mutmaßt Lorenz: „Die Vorbereitung war nicht das Gelbe vom Ei, und das Pokalaus hat auch weh getan.“ Doch Lorenz ist auch zu sehr Werderaner, um jetzt total schwarz zu sehen und die verbale Keule herauszuholen. „Zehn Stück, wie der Wiese gesagt hat, kriegen wir in München ganz bestimmt nicht“, stellt der Ex-Nationalspieler klar und sich dann auch noch deutlich vor Trainer Viktor Skripnik: „Diese Skripnik-Raus-Rufe von unseren Fans in Lotte waren ungehörig. Das hat mir überhaupt nicht gefallen.“ Lorenz attestiert dem Coach „eine erstklassige Arbeit – und er hat ein Werder-Herz“. Die Spieler seien in der Pflicht. „Sie haben in München die Chance, sich zu beweisen. Wenn sie dort den Hintern nicht hochkriegen, dann muss was passieren“, fordert Lorenz und fügt fast schon pathetisch an: „Bei diesem Eröffnungsspiel schaut die halbe Welt zu, da muss jeder von alleine laufen, eigentlich musst du da als Spieler über den Platz schweben. Auf jeden Fall darfst du da nicht hoch verlieren.“

Max Lorenz (77): 247 Bundesliga-Spiele (davon 166 für Werder von 1963 bis 1969), 19 Länderspiele. Wechselte 1969 zu Eintracht Braunschweig, wo er 1972 seine Karriere beendete.

Dieter Burdenski
Dieses ganze Gejammere um Werder – Dieter Burdenski kann es nicht mehr hören. „Die Welt ist doch nicht zusammengebrochen, und das wird in München ein ganz anderes Spiel als in Lotte“, behauptet der 65-Jährige und legt sich fest: „Werder wird nicht untergehen, sondern ein gutes Ergebnis erzielen.“ Also eine knappe Niederlage? „Das ist kein gutes Ergebnis“, raunzt der ehemalige Nationaltorwart: „Ein Unentschieden wäre ein gutes Ergebnis. Man fährt doch nirgends hin, um zu verlieren. Sonst kann man sich die Reisekosten doch sparen.“ Dass Skripnik mutig spielen lassen will, das gefällt Burdenski. Dass Skripnik schon Raus-Rufe zu hören bekommen hat, kann Burdenski verstehen: „Die Werder-Fans haben ihre Mannschaft vergangene Saison überragend unterstützt. Ich hätte nie gedacht, dass so etwas in Bremen möglich ist. Jetzt hatten alle gehofft, dass es besser wird. Ist doch klar, dass die Enttäuschung nach dem Pokalaus riesengroß ist.“ Und dann auch noch der Kruse-Ausfall. „Das tut weh“, sagt der Ex-Keeper: „Ein Ersatz wäre nicht schlecht. Denn nur auf Pizarro zu hoffen, ist gefährlich. Aber es müsste ein Topspieler sein. Ich denke, die Verantwortlichen spekulieren darauf, ganz am Ende der Transferperiode noch mal zuzuschlagen.“

Dieter Burdenski (65): 478 Bundesliga-Spiele (davon 444 für Werder), zwölf Länderspiele. Nach seinem Karriereende 1988 wechselte er noch für kurze Zeit zu AIK Solna (Schweden) und Vitesse Arnheim (Niederlande). Anschließend auch noch ein Spiel für Werder II.

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