Wie Werder die Wende schaffen will

Fröhlich aus dem Keller?

+
Viktor Skripnik auf der Pressekonferenz vor dem Gladbach-Spiel

Bremen - Von Carsten Sander. Einmal probierte es Viktor Skripnik sogar mit einer Charme-Attacke. „Wann spielen wir?“, fragte er mit Blick auf den Bildschirm hinter ihm, auf dem der Bundesliga-Spieltag angezeigt war. „Ah, 18.30 Uhr. Dann gibt’s die Antwort“, sagte er mit einem Lachen.

Es war seine Art, Fragen nach der Aufstellung für die Partie bei Borussia Mönchengladbach zu umdribbeln. Locker, fröhlich – so wollte Skripnik bei der wöchentlichen Pressekonferenz rüberkommen. Es ist offenbar sein Rezept, um in einer nach drei Niederlagen zum Saisonstart sportlich mal wieder extrem schwierigen Situation für ein bisschen Entspannung zu sorgen. „Wir müssen aus diesem Keller wieder nach oben gehen“, sagt er.

Niemandem war entgangen, wie sich der mentale Status der Mannschaft am Sonntag binnen eines kleinen Moments von hoffnungsvoll in verunsichert, verkrampft und verzweifelt verwandelt hat. Dafür brauchte es nur den Ausgleich durch den FC Augsburg, der später auch noch den 2:1-Siegtreffer erzielte. Seitdem ist Viktor Skripnik ein Trainer, der mit einer Schaufel nach dem kleinen Säckchen Selbstvertrauen gräbt, das sein Team kurz im Besitz hatte, das aber schnell wieder verloren ging. Er muss es zurückholen, das weiß er. Denn wenn seine Spieler auch in Gladbach als Duckmäuser auftreten, wird es nichts mit dem ersten Punktgewinn der Saison.

Viktor Skripnik hat deshalb zum einen das Grundbuch der Trainerpsychologie abgearbeitet und seinen Spielern per Video vorgeführt, was sie gut gemacht hatten am Sonntag. „Das müssen wir wieder zeigen. Oder noch besser machen. Am besten verdoppeln.“ Und die schlechten Sachen? „Eliminieren“, meint Skripnik. Es klingt martialisch, bleibt aber auch die Ausnahme. Skripnik versucht sich ansonsten als sanfter Psychologe, arbeitet im Moment fast mehr mit den Köpfen der Spieler als mit deren Beinen. Deshalb schickte er das Team am eigentlich freien Dienstag zum Laufen in den Bürgerpark. Er nennt es „Wald atmen“, um trübe Gedanken zu verscheuchen.

Werder-Training am Donnerstag

Es folgte das Team-Event mit Torfkahnfahrt, Grillwürstchen und Bier. So eine Veranstaltung „in privater Atmosphäre ist nötig für uns alle. Ich hoffe, das bringt uns weiter“, meint Skripnik. Es wird ohnehin viel gehofft beim Tabellenletzten. Ganz allgemein, dass es nicht so verheerend weitergeht wie in den ersten drei Partien, dass die Mannschaft doch noch ein anderes Gesicht hat, dass dieses Gesicht nun auch gezeigt wird. Und ganz speziell, dass Hoffnungsträger Serge Gnabry nach seinem ordentlichen Debüt gegen Augsburg jetzt richtig zündet. Skripnik: „Ich wünsche mir, dass das, was er bisher gezeigt hat, das Schlechteste war, was wir von ihm zu sehen bekommen werden. Er hat natürlich noch Luft nach oben.“

Letzteres gilt freilich für alle anderen auch. Was die Sache ja so kompliziert macht. „Er braucht auch starke Partner“, sagt Viktor Skripnik über Gnabry. Aber Werder hat keine starken Partner im Angebot. Bis jetzt jedenfalls nicht. Skripnik selbst bezeichnet das Team, das gegen Augsburg verlor, ganz uncharmant als „Not-Elf“. Weil Spieler wie Claudio Pizarro, Max Kruse, Philipp Bargfrede, Santiago Garcia und Niklas Moisander fehlten. Jetzt fallen auch noch Luca Caldirola und Fin Bartels aus, Moisander kehrt wohl zurück.

Dennoch: Aus der „Not-Elf“ wird eine Not-Not-Elf. Folglich ist die Chance, in Mönchengladbach die Wende zu schaffen, nicht gerade groß. Werder könnte sich jetzt an die Vergangenheit klammern und an den 2:1-Sieg über die Borussia am dritten Spieltag der Vorsaison erinnern. Oder an den 4:3-Erfolg im DFB-Pokal kurz vor Weihnachten. Aber Viktor Skripnik bügelt das ab: „Es ist jetzt eine neue Saison mit neuen Geschichten.“

Englische Woche als Chance

Am Samstag in Mönchengladbach, dann der Heimspiel-Doppelpack gegen Mainz 05 (Mittwoch, 20.00) und den VfL Wolfsburg (Samstag, 18.30 Uhr) – ist diese englische Woche für Werder mehr eine Chance oder eine Bedrohung? Man muss angesichts der zuletzt gezeigten Leistungen vom negativen Fall ausgehen. Doch Werder-Sportchef Frank Baumann sieht das ganz anders.

„Es ist eine Chance. Gerade in den zwei Heimspielen können wir uns beweisen und einiges gerade-rücken. Natürlich haben wir die Hoffnung, nach diesen drei Spielen in der Tabelle deutlich besser dazustehen als jetzt.“ Mit 1:8 Toren und null Punkten ist Werder nach zwei Spieltagen klarer Letzter. „Die Tabelle sieht jetzt nicht gut aus“, meint Baumann, „aber wir haben es selbst in der Hand, das zu ändern.“

Mehr zum Thema:

500 Zivilisten in Aleppo getötet

500 Zivilisten in Aleppo getötet

Die 20 beliebtesten Städte in Deutschland

Die 20 beliebtesten Städte in Deutschland

Reiserecht: 20 Gründe für den Rücktritt

Reiserecht: 20 Gründe für den Rücktritt

Oppendorfer Nikolausmarkt mit buntem Programm 

Oppendorfer Nikolausmarkt mit buntem Programm 

Meistgelesene Artikel

Da hilft nur noch China

Da hilft nur noch China

„Von Kruse erwarte ich noch viel mehr“

„Von Kruse erwarte ich noch viel mehr“

Werder-Ticker: Pressekonferenz und Training vor dem Hertha-Spiel

Werder-Ticker: Pressekonferenz und Training vor dem Hertha-Spiel

Nouri: „Das ist eine Oase für mich“

Nouri: „Das ist eine Oase für mich“

Kommentare