0:6 in München zum Ligaauftakt

Bayern zerlegt wehrlose Bremer

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Alonso trifft zum 1:0 für die Bayern

München - Das ist der blanke Fußball-Horror! Mit einer 0:6 (0:2)-Niederlage bei Titelverteidiger Bayern München ist Werder Bremen in die neue Saison der Fußball-Bundesliga gestartet. Fünf Tage nach dem Pokalaus bei Drittligist SF Lotte zeigte das Team von Trainer Viktor Skripnik erneut eine indiskutabel schlechte Leistung, die sich an der Grenze zur Arbeitsverweigerung bewegte.

Nach nur zwei Pflichtspielen stecken die Bremer damit direkt wieder in der Krise – und ihr Coach gerät zunehmend unter Druck. Das Tabellenende ist Skripniks Team nach dem ersten Spieltag so gut wie sicher. Der FC Bayern hat dagegen durch die Tore von Xabi Alonso (9.), Robert Lewandowski (13./46./77. Foulelfmeter), Philipp Lahm (66.) und Franck Ribery (73.) gleich seinen Anspruch auf den fünften Titel in Folge angemeldet.

Schon früh zeigte sich, dass alle, die ein Bremer Debakel beim Meister befürchtet hatten, so schlecht nicht lagen mit ihrer Vorahnung. Denn Werder war von der ersten Minute an erkennbar überfordert. Die Bayern stoppen? Ja, gerne! Aber wie? Trainer Viktor Skripnik hatte ein defensives 4-5-1-System gewählt. Aber weder machten die Gäste damit die Räume eng noch waren sie dicht genug dran an spielfreudigen Münchnern, die ihrem neuen Trainer Carlo Ancelotti einen Bundesliga-Einstand nach Maß bescherten. Phasenweise kam die Partie einem Scheibenschießen nahe. Die erste Bayern-Chance vergab Thomas Müller noch (7.), doch nach einer Kopfballabwehr von Luca Caldirola nahm Xabi Alonso Maß und schmetterte den Ball aus 25 Metern ins Netz. Ein Traumtor als Lustmacher auf die 54. Bundesliga-Saison.

So einen Treffer zu kassieren, ist immer möglich und schlussendlich nicht zu verhindern. Doch was danach geschah in der Allianz-Arena musste allen Werder-Verantwortlichen trotz Temperaturen um die 30 Grad einen eisigen Schrecken einjagen. Das Team taumelte hilflos über den Platz. Eine missglückte Abseitsfalle war verantwortlich für das zweite Gegentor. Franck Ribery hatte Lewandowski geschickt, der Pole vollendete (13.). Zuvor war Müller an Wiedwald gescheitert (11.), danach traf Müller aus der Distanz den Pfosten (32.). Und Wiedwald verhinderte mit zwei Paraden gegen Lewandowski (39./43.), dass es zur Pause nur 0:2 stand aus Bremer Sicht. Ein 0:4 oder 0:5 wäre allemal möglich gewesen.

Die Veränderungen, die Skripnik in seiner Startelf teils hatte vornehmen müssen, fruchteten überhaupt nicht. Im Vergleich zur Pokalschmach in Lotte zuvor hatte der 46 Jahre alte Coach fünf Positionen neu besetzt. Im Abwehrzentrum verteidigte Fallou Diagne statt Niklas Moisander, auf links durfte sich Luca Caldirola statt Janek Sternberg versuchen. Als einzige Spitze ersetzte Aron Johannsson in seinem ersten Pflichtspiel seit elf Monaten Lennart Thy. Und im Mittelfeld rückten Florian Grillitsch sowie Neuzugang Robert Bauer für die verletzten Max Kruse und Zlatko Junuzovic in die Startelf. Bauers Berufung kam nach nur nur zwei Trainingstagen mit den Kollegen überraschend. Letztlich blieb Skripniks Aufstellung nur ein untauglicher Versuch, irgendwie zu einer defensiven Sicherheit zu gelangen – damit sich bitte nicht fortsetzen möge, was Werder in den vergangenen fünf Jahren in München hatte erleben müssen. 0:5, 0:6, 2:5, 1:6 und 1:4 – das waren die Resultate der Liga-Spiele gewesen.

Wiedwald stark, aber zu viele Totalausfälle

Dass sich diese Serie der Horrorergebnisse verlängerte, dafür sorgte Lewandowski. Nach einem Grillitsch-Ballverlust legte Müller für den Torschützenkönig der Vorsaison auf – 0:3 nach nur 52 Sekunden in Halbzeit zwei. Sollten sich die hilflosen Bremer in der Kabine geschworen haben, alles besser zu machen, so war dieser Vorsatz direkt wieder über den Haufen geworfen worden. Nichts wurde besser. Im Gegenteil. Werder schrumpfte vor den Augen von Zuschauern in 210 Ländern, in die dieses Saisoneröffnungsspiel übertragen wurde, immer mehr zu einem Sparringspartner auf Zwergenniveau. Von dem Mut, den Skripnik gefordert hatte, war nichts zu sehen. Auch nicht von dem Biss, der Werder im DFB-Pokal-Halbfinale vier Monate zuvor an gleicher Stelle zu einem beinahe gleichwertigen Kontrahenten gemacht hatte.

Simple Doppelpässe reichten meistens aus, um die Bremer Defensive auszuhebeln – wie auch beim 0:4, als Lahm und Müller mit den Zuschauern im weiß-grünen Dress machten, was sie wollten (66.). Bremer Gegenwehr? Längst eingestellt. Werder ergab sich, Werder ließ sich zerlegen. Einfach so. Ribery (73./nach fünfter Torvorlage von Müller!) und Lewandowski (77./Foulelfmeter) bestraften das mit den Toren, die das Ergebnis zu einem Rekord machten: Noch nie hat es einen so hohen Sieg in einem Bundesliga-Eröffnungsspiel (2002 eingeführt) gegeben. Vor einem Jahr hatten die Bayern die Marke gegen den HSV auf 5:0 gestellt, jetzt erhöhten sie gegen erbärmlich schwache Bremer.
csa/kni

Werder kassiert halbes Dutzend

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