Hajrovic - vom scheuen Bankdrücker zum selbstbewussten Bremer Stammspieler

Die Verwandlung des Izet H.

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Izet Hajrovic

Bremen - Man merkt es im Spiel, auf dem Trainingsplatz und auch im Gespräch: Dieser Mann hat sich total verändert – und ist für Werder endlich die Hilfe, die er schon lange hätte sein sollen. Die Verwandlung von Izet Hajrovic ist durchaus bemerkenswert.

Vom wortkargen Bankdrücker oder gar Tribünenhocker zum selbstbewussten Stammspieler, der sich inzwischen auch nicht mehr vor den Medien versteckt. Es ist noch gar nicht so lange her, da gab es bei Gesprächsanfragen stets die gleiche Antwort von Werder: „Izet will im Moment nicht.“ Klar, seine Situation war nicht einfach. Der in der Schweiz geborene Bosnier stand in der Vorbereitung auf dem Abstellgleis und musste warten, ob ein Zug (also ein interessierter Verein) kommt und ihn mitnimmt. Es kam aber keiner. Also blieb er in Bremen und fristete unter Trainer Viktor Skripnik weiter sein Schattendasein. Dass er darüber nicht gerne redete, ist sogar verständlich. Aber Medienarbeit gehört eben auch zum Beruf eines Profifußballers – und die stellte er komplett ein.

Alles Schnee von gestern für Hajrovic. Seit er unter Neu-Coach Alexander Nouri wieder spielt, ist er in der Öffentlichkeit plötzlich extrem präsent. Er steht für Einzeltermine zur Verfügung, taucht regelmäßig in der Mixed-Zone auf und überrascht mittlerweile sogar mit der Aussage: „Man muss immer willig sein, Interviews zu geben.“ Ein Satz, der aus seinem Mund vor einigen Wochen noch geradezu undenkbar war. Aber es hat sich eben einiges getan. Nach zwei schweren Jahren fühlt sich Hajrovic bei Werder nun richtig wohl. Einen großen Anteil daran hat Nouri, der ihn aus der Versenkung geholt und offenbar die richtigen Worte gefunden hat, um den bosnischen Nationalspieler wachzurütteln. „Die Kommunikation ist viel besser geworden“, findet Hajrovic, der mit Nouri-Vorgänger Viktor Skripnik offenbar nicht viel gesprochen hat. Der neue Trainer „sagt mir immer wieder, dass ich mutig sein und keine Angst haben soll“, erzählt Hajrovic: „Am Anfang der Saison habe ich trotz einer guten Vorbereitung nie eine Chance bekommen. Jetzt merke ich, dass Vertrauen da ist – und ich bin ein Spieler, der das braucht.“

Besondere Maßnahmen zur Motivation ergreife er nicht, sagt Nouri: „Ich muss Izet gar nicht großartig heißmachen. Ich versuche einfach, ihn zu inspirieren. Das Brennen muss ein Spieler selbst mitbringen.“ Bei Hajrovic brennt's aktuell – und das registriert Nouri. Der Mittelfeldmann darf sich sogar mal ein schwächeres Spiel leisten und ist deswegen nicht gleich raus aus der Startelf. In Darmstadt (2:2) wurde er bereits zur Halbzeit ausgewechselt. „Und da hätte der Trainer im nächsten Spiel durchaus einen anderen bringen können“, meint Hajrovic. Gegen Leverkusen durfte er aber wieder ran und zeigte auf dem rechten Flügel eine richtig gute Partie, war an beiden Bremer Toren beteiligt. „Wir sind sehr froh, dass er seine Chance genutzt hat und so gut drauf ist“, lobt Sportchef Frank Baumann: „Das hat sich Izet in den vergangenen Monaten hart erarbeitet.“

Ebenso auffällig wie die Tempo-Soli waren Hajrovics Einsatzbereitschaft und sein Mut. In der Vergangenheit war er (wenn er denn mal auf dem Platz stand) eher durch Zögern und mangelnde Defensivarbeit aufgefallen. Am Samstag suchte er das Eins-gegen-Eins, ging auch mal energisch dazwischen (Gelb nach Foul an Wendell) und holte sich einige verlorene Bälle gleich wieder zurück. Dieses schnelle Umschalten, das auch Nouri fordert, habe er in Spanien gelernt, sagt Hajrovic. Die einjährige Ausleihe zu SD Eibar, wo er kaum spielte (nur sieben Erstliga-Einsätze), hatte offensichtlich doch etwas Gutes. „Vorher war ich in diesem Bereich ungenügend“, gibt er zu: „Jetzt bin ich deutlich besser und glücklich darüber.“

Hajrovic will sich bei Werder nach langer Vorlaufzeit nun nicht mehr ausbremsen lassen – auch nicht von kleineren Blessuren. Gegen Leverkusen ging er wegen einer Wadenverhärtung kurz vor Schluss raus. „Sicherheitshalber“, wie er sagt: „Am Dienstag sollte aber alles wieder gut sein.“
mr

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