Skripnik hat es vor dem Augsburg-Spiel schwer und macht es sich auch schwer

Das vergessene Finale

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Viktor Skripnik lässt in dieser Woche extra im Weserstadion trainieren und schaut von seiner Trainerbank aus zu.

Bremen - Von Björn Knips. Werder-Coach Viktor Skripnik wird nach Zlatko Junuzovic gefragt – und dessen Rolle als vermeintlicher Führungsspieler am Sonntag gegen den FC Augsburg (15.30 Uhr/Weserstadion). Schließlich fällt so mancher Leistungsträger aus. Junuzovic, der bei der Pressekonferenz direkt neben Skripnik sitzt, lauscht gespannt den Worten seines Chefs.

Ein Leuchten in seinen Augen ist nicht zu erkennen. Kein Wunder, Skripnik hat ihn nicht stark geredet, sondern nur in die Gemeinschaft eingebunden. Eine verpasste Chance, eine wieder mal verpasste Chance des Trainers.

Viktor Skripnik hat es dieser Tage wahrlich nicht leicht. So langsam kommt den Menschen in Bremen und umzu dieses in der Länderspielpause fast schon vergessene 0:6-Desaster von München zum Bundesliga-Auftakt zurück in den Kopf. Genauso wie Skripniks Ankündigung „brutale Entscheidungen“ treffen zu wollen und die Ernennung des nächsten Spiels zum Finale. Woraus natürlich jeder „sein Finale“ – also das des Trainers gemacht hatte. Der war schließlich vergangene Saison gefühlt fast jede Woche zum Rauswurf verdammt gewesen, wurde dann aber immer irgendwie noch durch Mannschaft und Verein gerettet. Nun stellte er sich offenbar schon selbst auf die Abschussrampe. Doch diese Geschichte mit dem Finale passt Skripnik nicht mehr. Er möchte sie gerne umschreiben, doch so etwas fällt ihm trotz wesentlicher Verbesserung im öffentlichen Auftreten ausgesprochen schwer.

„Wir gehen jedes Spiel wie ein Finale an“, sagt der Ukrainer – und lässt so gar nichts Mitreißendes folgen. Er erklärt lediglich, dass in dieser Woche extra im Weserstadion trainiert wird, damit die vielen neuen Spieler ihren künftigen Arbeitsplatz überhaupt erst einmal richtig kennenlernen. Klingt gut, deckt aber auch auf: Gegen Augsburg wird eine spät zusammengewürfelte Mannschaft auf dem Platz stehen. Robert Bauer und Serge Gnabry sind quasi gerade erst dazugekommen. Lamine Sane ist auch erst seit Anfang August in Bremen. „Wir haben viele Veränderungen im Kader, sind nicht so eingespielt, die Automatismen sind nicht da“, springt Frank Baumann dem Coach helfend zur Seite. Aus gutem Grund: Als Sportchef ist er mit seinen Transfers mitverantwortlich dafür, dass Werder noch gar nicht funktionieren kann. Für die vielen Ausfälle kann niemand etwas.

Werder-Training am Freitag

Aber ohne Claudio Pizarro, Max Kruse, Santiago Garcia und Philipp Bargfrede wird es für einen Bundesligisten aus dem unteren Drittel zwangsläufig eng. „Wir sind sehr abhängig von unseren Leistungsträgern. Wenn die uns fehlen, dann kostet uns das Qualität. Da haben wir keine zweite, dritte Reihe, die Fußball spielen und gute Ergebnisse holen kann“, gesteht Skripnik – und verpasst sogleich die Chance, das vorhandene Personal zumindest etwas stärker zu reden. Wie eben einen Junuzovic. „Ich werde jetzt nicht alles auf seine Schulter legen und sagen: ,Du bist der Leistungsträger und musst alles alleine machen.’“, sagt Skripnik ziemlich nüchtern und fügt lediglich noch an: „Wir gewinnen zusammen und wir verlieren zusammen.“

Natürlich hilft nur das Wir-Gefühl, aber dafür muss auch das Ego stimmen. Und mit dem Selbstvertrauen ist das bei den Werder-Profis so eine Sache – speziell vor einem Heimspiel. Schließlich gab es in Lotte und München laute Pfiffe der eigenen Fans. Der Geduldsfaden der Anhängerschaft scheint gerissen. Fast schon flehentlich behauptet Junuzovic: „Die Fans werden wie eine Wand hinter uns stehen.“ Wirklich? Skripnik will da offenbar kein Risiko eingehen: „Wenn wir sofort Vollgas geben, dann steht das Publikum hinter uns. Wir wollen eine andere Körpersprache zeigen.“

Gut gebrüllt, doch noch mehr würde interessieren, ob zu seinen angekündigten „brutalen Entscheidungen“ auch nennenswerte Veränderungen in der Startelf gehören. Doch da bleibt der Coach vage: „Egal welcher Name, wenn er mich überzeugt, dann ist er dabei.“ Also sogar Ersatzkeeper Jaroslav Drobny? „Wir versuchen generell, die Spannung hochzuhalten und werden keine Namen nennen“, antwortet Skripnik. Deshalb lässt er auch die Personalie Gnabry offen: „Er ist ein Kandidat für alles.“ Damit aber auch für die Tribüne – und daher fällt es so schwer, überhaupt noch an etwas zu glauben.

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