2:2 in Darmstadt

Werder muss sich mit Punkt begnügen

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Darmstadt – Werder Bremen ist am sechsten Spieltag der Fußball-Bundesliga nicht über ein 2:2-Unentschieden bei Darmstadt 98 hinausgekommen. In einer umkämpften Partie drehten die Grün-Weißen in der zweiten Halbzeit einen Rückstand in eine 2:1-Führung, schafften es aber nicht, den Vorsprung über die Zeit zu bringen.

Es hat nicht ganz gereicht zum zweiten Saisonsieg für Werder. Nach einer schwachen ersten Halbzeit zeigten die Bremer im zweiten Durchgang in Darmstadt eine starke Leistung und kamen durch Lamine Sane und Serge Gnabry zu zwei Toren (51./67.). Antonio Colak hatte die Gastgeber zunächst per Elfmeter in Führung gebracht (19.) und später auch mit einem Traumtor für deren Ausgleich gesorgt (73.). Wie es nun mit Werders Interimstrainer Alexander Nouri weitergeht, ist noch offen. Ein Sieg für die Grün-Weißen hätte wohl die Weiterbeschäftigung des 37-Jährigen bedeutet, ob eine starke Halbzeit gegen einen direkten Abstiegskonkurrenten auch dafür reicht, werden die kommenden Tage zeigen. Werders Sportchef Frank Baumann hatte unter der Woche eine Entscheidung innerhalb der nächsten 14 Tage angekündigt.

"Mein Auftrag war es, die Mannschaft bestmöglich auf das Darmstadt-Spiel vorzubereiten, alles andere werden wir in der Länderspielpause klären", sagte Nouri nach der Partie. Einen Gesprächstermin mit Baumann gebe es aber noch nicht, so der Coach weiter. Zuspruch kam von Zlatko Junuzovic: "Das Trainerteam macht es sehr gut, stellt uns taktisch gut ein und motiviert uns", lobte der Österreicher.

Nouri blieb auch in Darmstadt seiner Linie aus den ersten beiden Spielen treu: Bei der Kaderzusammenstellung nahm er keine Rücksicht auf große Namen: Neben Sambou Yatabare, Fallou Diagne, Thanos Petsos, Florian Kainz und Santiago Garcia fehlte auch Stürmer Aron Johannsson im 18er-Aufgebot der Bremer. Das wollte Nouri allerdings nicht als Entscheidung gegen den US-Isländer verstanden wissen, sondern als Belohnung für Ousman Manneh und Lennart Thy, die in den vergangenen beiden Spielen "Argumente für sich gesammelt haben", wie es Nouri vor der Partie gegenüber dem TV-Sender Sky gesagt hatte. Im Vergleich zum 2:1-Sieg gegen Wolfsburg änderte Werders Coach seine Startelf nur auf einer Position. Für Milos Veljkovic rückte Sane wieder in die Innenverteidigung.

Und der Senegalese war gleich an der ersten brenzligen Situation des Spiels direkt beteiligt. In der fünften Minute hatte der Innenverteidiger den Arm gegen Antonio Colak zu weit oben – und das in zentraler Position 25 Meter vor dem eigenen Tor. Dabei hatte Nouri vor unnötigen Fouls in der eigenen Hälfte und den gefährlichen Standards der Gastgeber ausdrücklich gewarnt. Offensichtlich vergebens. Zum Glück für die Gäste setzte Jerome Gondorf den fälligen Freistoß nur an den Außenpfosten, Werder-Keeper Jaroslav Drobny wäre chancenlos gewesen. In der 19. Minute zappelte der Ball dann aber trotzdem im Netz der Bremer. Wieder war es ein Standard – diesmal ein Elfmeter. Theodor Gebre Selassie hatte Gondorf im Rückwärtslaufen im eigenen Strafraum unglücklich an der Wade getroffen, Schiedsrichter Jochen Drees zeigte zu recht auf den Punkt. Colak ließ sich die Chance nicht nehmen und verwandelte humorlos halbhoch in die Mitte.

Auf der Gegenseite fanden die Bremer gegen die tief und kompakt stehenden Gastgeber kein Mittel. Die einzig nennenswerte Chance in der ersten Halbzeit hatte Niklas Moisander, der nach einem Freistoß von Gnabry den Ball per Kopf neben das Tor setzte (13.). Ansonsten bekamen die rund 3000 mitgereisten Fans der Grün-Weißen nur Stückwerk ihres Teams geboten. Von der Power und Intensität, mit der Werder zuletzt über weite Strecken gegen Mainz und Wolfsburg aufgetrumpft hatte, war am Böllenfalltor nichts zu sehen.

Sane und Gnabry drehen die Partie 

Daran hatten die Darmstädter allerdings großen Anteil. Die „Lilien“ agierten mit viel Leidenschaft und Einsatzwillen – wenn auch nicht immer mit fairen Mitteln. Kurz vor der Pause wäre den Gastgebern fast sogar noch der zweite Treffer gelungen: Wieder hatte sich Bremens Hintermannschaft in Person von Moisander ein unnötiges Foul in der eigenen Hälfte geleistet. Und wieder wurde es brandgefährlich: Gondorf zirkelte den Ball aus rund 30 Metern auf das Tornetz – auch in dieser Situation wäre Drobny chancenlos gewesen.

In der Halbzeitpause reagierte Nouri, brachte für Robert Bauer Janek Sternberg und für Izet Hajrovic Fin Bartels. Zudem beorderte er Gnabry vom linken Flügel in die Mitte und dafür Junuzovic auf die Außenbahn. Die Umstellung machte sich sofort bezahlt, Werder war besser im Spiel und konnte bereits sechs Minuten nach Wiederanpfiff über den Ausgleich jubeln. Nach einem Junuzovic-Freißtoß gelangte der Ball per Kopfballstafette über Gnabry und Gebre Selassie zu Sane, der das Spielgerät letztlich per Schulter über die Linie drückte (51.). Darmstadts Torhüter Michael Esser musste nach dem Gegentreffer behandelt werden, sein Teamkollege Alexander Milosevic hatte ihn unglücklich mit dem Fuß an der Schulter getroffen. Wenig später ging es nicht mehr weiter für den „Lilien“-Keeper, er wurde durch Daniel Heuer Fernandes ersetzt (55.). Fernandes war gleich voll gefordert: Erst von Moisanders Kopfball (56.), dann von Mannehs Drehschuss (60.).

Auch bei der nächsten gefährlichen Szene war Werders U23-Stürmer Manneh entscheidend beteiligt. Der 19-Jährige schickte mit einem Steilpass Gnabry auf die Reise. Der deutsche U21-Nationalspieler umkurvte Heuer Fernandes und schob zur Gäste-Führung ein(67.). All zu lange konnten sich die Bremer über das 2:1 aber nicht freuen. Gerade einmal sechs Minuten später sorgte Darmstadts Colak mit einem herrlichen Volleyschuss aus spitzem Winkel für den Ausgleich (73.). Gondorf hatte den Treffer mit einem Diagonalball mustergültig vorbereitet. Werder drängte in der Schlussviertelstunde noch einmal auf den Sieg und hatte durch einen Kopfball von Gebre Selassie auch eine Riesenchance (89.), doch Heuer Fernandes reagierte glänzend. So blieb es am Ende beim 1:1. Ein Ergebnis, das beiden Clubs nicht wirklich weiterhilft. Darmstadt liegt mit nun fünf Punkten auf Rang 14, direkt dahinter folgt Werder mit vier Zählern.

Sane und Gnabry treffen für Werder

SV Darmstadt 98 - Werder Bremen 2:2 (1:0)
1:0 Colak (19., Foulelfmeter)
1:1 Sane (51.)
1:2 Gnabry (67.)
2:2 Colak (73.)
Darmstadt: Esser (55. Heuer Fernandes) - Fedetskyy (31. Sirigu), Milosevic, Sulu, Holland - Jungwirth, Gondorf - Heller, Kleinheisler (80. Rosenthal), Bezjak - Colak. - Trainer: Meier
Bremen: Drobny - Gebre Selassie, Sane, Moisander, Bauer (46. Sternberg) - Grillitsch - Hajrovic (46. Bartels), Fritz (90.+3 Fröde), Junuzovic, Gnabry - Manneh. - Trainer: Nouri
Schiedsrichter: Dr. Jochen Drees
Zuschauer: 17.000 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Fedetskyy (2), Sulu - Grillitsch (3)

mib

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