Skripnik muss sich und das Team wieder aufrichten – kann er das?

Die drei Fragezeichen

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Werder-Trainer Viktor Skripnik im Bürgerpark – die sorgenvolle Miene ist seine ständige Begleiterin.

Bremen - Von Carsten Sander. Die zehn kleinen Läuferlein, die Viktor Skripnik gestern Nachmittag durch den Bremer Bürgerpark scheuchte, bekamen den Zorn des Trainers noch nicht zu spüren. Es war eine normale Konditionseinheit, so wie montags üblich beim SV Werder. Doch es ist davon auszugehen, dass die kommenden Tage anders aussehen werden – härter, brutaler, selektiver.

Skripnik hat es so angekündigt, er will auf kritische Distanz gehen zu seiner Mannschaft, er will die Zügel anziehen. Das ist nachvollziehbar nach dem vermurksten Saisonstart. Es birgt aber auch Gefahren. Denn Skripnik darf nicht überdrehen, er braucht jetzt schließlich die hundertprozentige Loyalität eines jeden Spielers. Sonst wird es nichts mit der Wende zum Guten – nicht für Werder, nicht für den Trainer. Er steht besonders im Fokus. Und drei Fragen werden ihn über die Länderspielpause bis zum ersten Heimspiel der Saison am 11. September gegen den FC Augsburg begleiten.

Folgt die Mannschaft dem Trainer wirklich?

Felix Wiedwald hat es gesagt. Fin Bartels auch, Und Clemens Fritz, der Teamkapitän, hat es gestern zum x-ten Mal wiederholt: „Die Mannschaft steht hinter dem Trainer. Da gibt es kein Problem.“ Es wäre ja auch komisch, wenn er plötzlich etwas anderes sagen würde. Die Chemie zwischen Chef und Personal ist demnach besser als die Ergebnisse. Allerdings steht die Belastungsprobe im Alltag erst noch aus. Wenn Skripnik tatsächlich seinen Führungsstil ändern sollte, muss es mit Augenmaß geschehen. Er wäre nicht der erste Coach, der durch plötzliche Härte die Gefolgschaft verliert.

Laut Sportchef Frank Baumann wird jetzt auch nicht der Hammer kreisen bei Werder. „Viktor wird niemanden in die Pfanne hauen. Aber es geht darum, zu verdeutlichen, dass es so nicht weitergehen kann. Viktor wird sicher nichts Unvernünftiges machen. Und auch nichts, nur damit es nach außen gut aussieht“, sagt Skripniks Vorgesetzter.

Was der Trainer aber ganz sicher machen wird, ist aussortieren. Einige Spieler werden von ihm dauerhaft in die U 23 geschickt. „Das wird für einige brutal“, sagt Skripnik auf „werder.de“. Mit den peinlichen Pleiten im Pokal in Lotte (1:2) und bei Bayern München (0:6) hat das allerdings wenig zu tun, sondern ist letztlich nichts anderes als die lange angekündigte Kaderverkleinerung auf 22, 23 Spieler. Und die Hauptverantwortlichen des total missratenen Saisontarts kann es sowieso nicht treffen. Die meisten sind zu alt für die U 23. gelten zudem als unantastbar.

Hat Skripnik noch Power und Motivation?

Es gehört zu Viktor Skripnik, dass er manchmal verstörende Aussagen macht. Sätze, die kein anderer Bundesliga-Trainer so formuliert wie er. So auch in München. Plötzlich sprach Skripnik davon, dass er als U 17-Trainer einen „Traumjob“ hatte, als Bundesliga-Coach aber keinen einzigen Tag mehr genießen kann, weil er ständig unter Beobachtung steht. Erste Interpretation des Ganzen: Der Mann hat keine Lust mehr auf das, was er macht. Power, Motivation – beides nicht mehr vorhanden? Dann sollte er besser gehen.

Doch niemand geht, sagt Frank Baumann, der glatt bügelt, was Skripnik zerknittert hat. Erstens: „Es war doch gar nicht so gemeint, wie es rüberkommt“, so Baumann. Zweitens: „Ich glaube, auch Pep Guardiola hat nie einen Tag bei den Bayern genossen, weil er auch jeden Tag unter Beobachtung stand. Natürlich ist der Druck als Bundesliga-Trainer größer als als U 17-Coach.“

Dennoch: Es war nicht das erste Mal, dass Skripnik seine Unzufriedenheit mit dem Job öffentlich zum Thema machte. Meistens geschah es aus der frischen Enttäuschung heraus. Auch diesmal. Gut ist es dennoch nicht.

Drückt der Coach auf die richtigen Knöpfe?

Es lässt sich nicht behaupten, dass Viktor Skripnik die Mannschaft bislang in die richtige Richtung geführt hat. Und es fällt letztlich auch auf den Trainer zurück, wenn Geschäftsführer Baumann sagt, dass die Mannschaft künftig wieder „mit Leidenschaft alles geben muss“. Zwei Mal hat sie es jetzt nicht getan – und man ist sicherlich gut beraten, die Verantwortung dafür in erster Linie bei den Spielern selbst zu suchen. Gleich danach kommt aber Skripnik. Er muss Leidenschaft wecken können, er muss die Alles-geben-Bereitschaft in die Köpfe einpflanzen können. In dieser Saison ist das noch nicht gelungen. Jetzt hat der Trainer zwei Wochen Zeit, daran zu arbeiten – allerdings nur mit einem Bruchteil seines Kaders. Wegen Nationalmannschaftsabstellungen, Krankheit und Verletzung gingen gestern nur zehn Profis auf die Laufstrecke im Bürgerpark.

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