Für Werder steigt Skripnik sogar ins Wasser und kämpft gegen die Jugend

„Ich mache alles, was uns besser macht“

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Werder-Coach Skripnik

Aus Zell am Ziller berichtet Björn Knips - Am Donnerstag geht Werder baden – nicht sportlich. Die Bundesliga-Saison startet erst in vier Wochen. Außerdem soll nicht mehr so viel gezittert werden. Nein, im Zillertal steht eine Rafting-Tour an. Das berühmte Teambuildung, das zu jedem Trainingslager gehört.

Viktor Skripnik ist dabei. „Ich mache alles, was uns besser macht“, sagt der 46-jährige Coach und fügt lachend an: „Ich bin alt genug für jeden Spaß. Sich gegen die jungen Leute zu quälen und dann zu gewinnen, das macht doch Spaß.“ Es ist der Höhepunkt und zugleich der Schlusspunkt einer interessanten Medienrunde mit einem Viktor Skripnik, der an seine Anfänge erinnert.

Rückblick: Bei der Pressekonferenz zum Trainingsstart vor drei Wochen ließ Skripnik so gar keine Aufbruchstimmung aufkommen, behauptete sogar, in der Vorbereitung nichts ändern zu wollen. Einfach weiter so? Nach dem Fast-Abstieg eigentlich undenkbar – und nach den Andeutungen vom neuen Sportchef Frank Baumann auch undenkbar. Aber dazu muss noch einmal erwähnt werden: Das Verhältnis Skripnik zu den Bremer Medien ist seit Monaten angespannt, der Coach macht sich so rar wie nur irgend möglich und gibt sich dann wenig auskunftsfreudig. So war es bislang auch im Zillertal. Der Ukrainer redete nur kurz nach den beiden Testspielen. Da waren seine Vorgänger auskunftsfreudiger gewesen.

Immerhin: Skripnik setzt sich dann doch in eine kleine Journalistenrunde. Und das nicht defensiv nach vorne gebeugt und genervt wirkend wie bei der besagten Pressekonferenz vor drei Wochen. Nein, Skripnik präsentiert ein „Brust raus, aber nicht Nase hoch“, das er selbst mal kreiert hat. Zu seiner Anfangszeit, als Werder nach vier Punkten aus neun Spielen am Boden lag und er dem Club die Würde zurückgab, davon sprach wieder Werder-Fußball, also nach vorne zu spielen. Damit hat er seinen Verein vor dem Abstieg gerettet. Aber irgendwann ging das verloren. Jetzt ist es zurück, aber in veränderter Form.

Werder-Training am Mittwoch

Vor dem Offensivgeist werden defensive Hintergedanken eingeimpft. „Ich will nicht mehr lesen, dass wir jedes Jahr 65 Tore kassieren. Deswegen haben wir etwas geändert, wir wollen anders stehen“, sagt Skripnik und hat dafür auch die Testspielgegner ausgesucht – unangenehme Zweitligisten wie 1860 München (1:2) und Huddersfield Town (0:0), die in der Vorbereitung schon weiter sind. „Die Ergebnisse in der Vorbereitung sind jedem Trainer egal. Ich könnte nur gegen Oberligisten spielen und alles gewinnen. Alle wären zufrieden – nur wir nicht“, erklärt der Coach: „Wir müssen doch das machen, was uns fehlt. Zweikämpfe gewinnen, gegen den Ball ackern, Kopfballduelle gewinnen, hart sein, eine Einheit sein.“ Gegen Huddersfield sei da schon ein Fortschritt zu sehen gewesen.

Werder will stabiler werden – und dann ist die Offensive dran. „Dafür hatten wir noch keine Zeit“, sagt Skripnik und betont zugleich: Aber wir haben noch genug Zeit.“ Allein dieser Faktor sei jedoch nicht entscheidend. „Ob wir aggressiven Werder-Fußball spielen können, werden wir sehen. Wir müssen das Gefühl bekommen, dass wir genug Potenzial haben. Dann können wir das machen. Wir können nur mit den Spielern arbeiten, die wir haben.“ Klingt danach, als würde Skripnik der aktuelle Kader qualitativ nicht reichen. Bei dem Thema weicht der Coach aus, sagt nur ganz allgemein: „Man will immer etwas Besseres haben.“

Für ein 3:5:2 braucht es zweiten gefährlichen Angreifer

Zum Beispiel im Sturm, was die Alternativen für Claudio Pizarro betrifft? Ganz kurz merkt Skripnik an, dass man nur darauf hoffen könne, wieder so einen starken Pizarro zu sehen wie in der Rückrunde. Der sei schließlich schon etwas älter. Bald wird er 38. Aber Skripnik zählt sofort den vorhandenen Ersatz auf mit Fin Bartels an der Spitze. Auch der junge Johannes Eggestein wird genannt. Lennart Thy, Justin Eilers, Sambou Yatabare und Florian Kainz kommen auch noch ins Spiel. Eher Masse als Klasse als direkter Ersatz für einen Torjäger wie Pizarro. Eigentlich müsste noch ein starker zweiter Stürmer her. Das würde es Skripnik auch erleichtern, die geplante Flexibilität bei den Systemen umzusetzen.

Für das bevorzugte 4:1:4:1 braucht es nur eine Spitze, aber für das vorgesehene 3:5:2 einen zweiten gefährlichen Angreifer neben Pizarro. Öffentlich fordern würde Skripnik so einen Neuzugang nie. Vor allem nicht jetzt, wo sein Ex-Teamkollege Baumann der Sportchef ist – und nicht mehr Thomas Eichin. „Ich habe letzte Saison viel Unterstützung von Frank gespürt. Fast nach jedem Spiel haben wir uns unterhalten. Er war regelmäßig bei uns, er hatte nur keinen Posten bei Werder“, erzählt Skripnik, spricht von großem Vertrauen, aber vermeidet es gleichzeitig, schlecht über Eichin zu reden.

Der wollte ihn am Saisonende eigentlich entlassen und musste dann selbst gehen. „Mir hat er kein einziges Wort gesagt, dass ich nächste Saison kein Trainer mehr bin oder es eng für mich wird“, betont Skripnik und macht dann eine Haken dahinter: „Das ist nicht mehr mein Thema.“ Sondern die Gegenwart. Die sieht am Donnerstag mal keinen Fußball auf dem Rasen, sondern Rafting im Fluss vor. „Eine große Herausforderung. Ich freue mich darauf“, sagt Skripnik und verabschiedet sich grinsend aus der Medienrunde. Das hat es so schon sehr, sehr lange nicht mehr gegeben.

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