Skripnik bleibt wohl Werder-Trainer, aber Baumann hat ein genaues Auge auf ihn

Weiter so? Nicht ganz

Viktor Skripnik und Frank Baumann im Dialog – das Bild ist etwas mehr als ein Jahr alt, das Thema ist aber topaktuell. J Foto: nph

Bremen - Von Carsten Sander. Noch hat Frank Baumann öffentlich keinen Pieps von sich gegeben. Doch um ihn herum pfeifen es die Spatzen schon von den Dächern: Viktor Skripnik bleibt Chefcoach bei Werder Bremen. Die offizielle Bestätigung dafür wird es erst morgen, wenn sich Neu-Geschäftsführer Baumann den Medien präsentiert, geben.

Aber da nach Aufsichtsratschef Marco Bode auch Geschäftsführer Klaus Filbry mit einer klaren Pro-Skripnik-Haltung das Ergebnis der internen Trainerdiskussion angedeutet hat, besteht quasi kein Zweifel, mehr: Skripnik darf weitermachen. Aber nicht wie bisher. Dafür sorgt Frank Baumann. Oder besser: Er versucht es. Wie soll man umgehen mit einem Trainer, der sich intern den Ruf erworben hat, auf einigen Gebieten unbelehrbar zu sein? Diese Frage stellte sich den Werder-Verantwortlichen, als mit dem Rausschmiss von Skripnik-Kritiker Thomas Eichin klar geworden war, dass von höchster Stelle ein Wechsel auf der Trainerbank nicht gewollt ist. Die Antwort muss nun Frank Baumann liefern. Dass er Einfluss nehmen kann auf Skripnik, ist die Hoffnung. Und sie ist berechtigt.

Baumann (40) ist zwar sechs Jahre jünger als Skripnik (46), aber er war während der gemeinsamen fünf Jahre bei Werder auch vier Jahre lang dessen Kapitän. Deshalb ist er zwar nicht per se eine Autorität für den Ukrainer, aber der Sportchef kennt den Coach aus dem Effeff – und umgekehrt natürlich auch. Vielleicht gelingt es Frank Baumann, mit der ihm eigenen ruhigen und sachlichen Art zu Viktor Skripnik durchzudringen. Thomas Eichin war daran zuletzt immer wieder gescheitert.

Erste intensive Gespräche zwischen Baumann und Skripnik hat es in den vergangenen Tagen natürlich schon gegeben. Und es ist davon auszugehen, dass der Manager einige Erwartungen an den Trainer formuliert hat. Vor allem müsste Viktor Skripnik verdeutlicht werden, dass er eine klare, nachvollziehbare Linie braucht – nicht nur bei seiner Arbeit mit der Mannschaft, sondern auch die eigene Außendarstellung betreffend. Sein Sprachproblem ist mir-nichts-dir-nichts sicher nicht zu beheben. Aber wie man die üblichen Auftritte in der Öffentlichkeit souverän bewältigt und wie man sich den Medien gegenüber verhält, kann der Coach lernen. Er muss es sogar, es ist im Interesse des Vereins. Bislang soll Skripnik auf diesem Gebiet jedoch jegliche Hilfe abgelehnt haben.

Fortschritte hat er indes schon die Ausrichtung der Mannschaft betreffend gemacht. Nach dem fruchtlosen Hin und Her der ersten Saisonhälfte hat Skripnik in der Rückrunde zu einem 4-1-4-1-System gefunden – allerdings auch erst auf Druck einiger Führungsspieler. Von seiner grundsätzlich lobenswerten Haltung, immer der Offensive den Vorrang zu geben, muss Skripnik in der kommenden Saison aber noch weiter abrücken. 65 Gegentore zu kassieren, hat bei Werder mittlerweile zwar fast schon Tradition (in der Saison 2014/15 waren es genauso viele, davor zwei Mal sogar 66), aber akzeptabel wird ein solcher Wert deshalb nicht. Skripnik braucht Stabilität in der Defensive.

Verlässlicher sollte er zudem im Umgang mit den eigenen Talenten werden. Das Beispiel Florian Grillitsch zeigt zwar, wie es im Optimalfall läuft. Maximilian Eggestein ist jedoch das Gegenbeispiel. Erst gefördert, dann links liegen gelassen, schließlich wieder zurückgeholt – so findet kein junger Spieler zur Sicherheit. 

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