Serge Gnabry und die Eingewöhnung: „Wir werden wachsen“

Wer tickt hier wie?

Wieso der Vater Bayern München als zukünftigen Arbeitgeber des  Sohnes genannt hat? „Er hat da wohl etwas falsch aufgefasst“, sagt Serge Gnabry. Foto: nordphoto

Bremen - Von Carsten Sander. Serge Gnabry weiß: Sein Debüt im Werder-Trikot hätte schlechter laufen können für ihn. Bei der 1:2-Niederlage gegen den FC Augsburg war der Neuzugang der einzige echte Lichtblick im Bremer Team. Darüber kann er sich auch freuen, sagt er: „Mit der eigenen Leistung bin ich zufrieden.“ Weil er aber nicht nur fußballerisch, sondern ein auch in der Öffentlichkeitsarbeit gut geschulter Profi ist, stellt er sofort das Team in den Vordergrund. Und weil das verloren hat, „bin ich enttäuscht“.

So gesehen war es dann doch eine vermasselte Premiere für den 21-Jährigen, hinter dem eine aufregende und intensive Zeit liegt. Erst die Olympischen Spiele, die für ihn mit dem Gewinn der Silbermedaille zur Treppe wurden, die aus der Versenkung führte. Dann der Wechsel vom FC Arsenal zum SV Werder, noch schnell ein U 21-Länderspiel, nach der Rückkehr das erste Training in Bremen und nur drei Tage später das erste Spiel – so liest sich die jüngste Geschichte des Serge Gnabry im Zeitraffer. Es ist eine Geschichte, in der aus einem auf das Arsenal-Abstellgleis geratenen Talent der Hoffnungsträger des SV Werder geworden ist.

Diese Rolle ist eine große Rolle für einen 21-Jährigen, aber Serge Gnabry macht im ersten Mediengespräch seit seiner Vorstellung in Bremen überhaupt nicht den Eindruck, als ob ihn das beeindrucken würde. „Es freut einen Spieler sehr, wenn er eine Führungsrolle übernehmen darf“, erklärt er.

Gegen Augsburg hatte er eine gute Phase, in der erkennbar wurde, weshalb die Bremer Suche nach einem Ersatz für den verletzten Max Kruse zu Serge Gnabry führte. Flinke Dribblings, gute Ideen – er ist ein Spieler, in dem Leben steckt. „Ich hätte aber in den Eins-gegen-eins-Situationen noch aggressiver sein müssen, hätte häufiger in die Mitte ziehen und andere Laufwege wählen müssen“, sagt er selbstkritisch. Aber klar: Nach nur drei Trainingstagen konnte am Sonntag noch nicht alles klappen. „Ich weiß doch noch nicht, wie die anderen ticken. Und die anderen wissen nicht, wie ich ticke“, meint Gnabry, dessen Werder-Eingewöhnung im Grunde erst in dieser Woche so richtig begonnen hat. Es ist ein Prozess, der Zeit benötigt, der aber zu einem guten Ergebnis führen wird, da ist sich der Neuzugang sicher: „Je mehr Trainingseinheiten wir gemeinsam haben, desto mehr werden wir wachsen. Am Ende wird alles gut werden.“

Wird es das? Serge Gnabry hat großes Vertrauen in das Bremer Team, das bis dato alle drei Saisonspiele verloren hat. Zwei ohne ihn, eins mit ihm. Aber gerade diese letzte Niederlage nutzt der Sohn eines Ivorers und einer Deutschen, um sich und anderen Mut zu machen. Die ersten 50, 60 Minuten gegen Augsburg seien schließlich gut gewesen, meint Gnabry: „Das müssen wir jetzt aber auch über 90 Minuten auf den Platz bringen.“ Dann sei auch am Samstag bei Borussia Mönchengladbach „viel möglich. Da geht natülich was für uns. Man hat den Fortschritt vom Bayern- zum Augsburg-Spiel doch gesehen. Wenn wir das jetzt durchziehen, werden wir viele Punkte holen.“ Es ist der Optimismus eines jungen Mannes, der entweder mehr oder es noch nicht besser weiß.

Insgesamt hat seine Entscheidung pro Werder durchaus für Verwunderung gesorgt. Dass einer, der nach seinem starken Olympia-Auftritt angeblich aus vielen Angeboten und Clubs wählen konnte, sich ausgerechnet Werder aussucht, war nicht zu erwarten. Als Ausschlag gebenden Grund dafür nennt Gnabry weiter nur „die guten Gespräche“ mit den Club-Chefs. Dass der FC Bayern dabei in irgendeiner Weise mitgemischt hat, kann er auch auf direkte Nachfrage nicht wirklich entkräften. Dazu sei von Vereinsseite alles gesagt worden, erklärt Gnabry lediglich, „und da kann ich ja nicht widersprechen. Ich stehe jetzt bei Werder Bremen unter Vertrag, und das ist alles.“

Nicht ganz. Es bleibt noch die Frage, wieso sein Vater Jean-Hermann (Gnabry junior: „Wir haben ein sehr gutes Verhältnis, mein Vater ist immer dabei“) dann von einem Deal mit den Münchnern sprach. Erst Bremen, dann München – diesen Weg hatte der Senior aufgezeigt. Der Filius versucht nun, die Aussage irgendwie einzufangen. „Es war viel Wirbel in den Medien. Er hat viel gelesen und das wohl falsch aufgefasst.“

Es ist eine mehr als dürftige Erklärung, aber tiefgreifender mag Serge Gnabry das Thema, das ihn merklich nervt, nicht behandeln. Sein Schlusssatz dazu: „Ich werde jetzt hier die Saison spielen. Hoffentlich eine erfolgreiche.“ Und hoffentlich war es ein Versehen, dass er nur von einer Saison spricht und die Mehrzahl meidet. 

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