Gnabry war mal ein sehr talentierter Sprinter

Schon früh unter elf Sekunden

Die Unterschrift: Serge Gnabry (links) und Werder-Sportchef Frank Baumann besiegeln die Zusammenarbeit. - Foto: nordphoto

Bremen/London - Von Malte Rehert. Es hätte alles ganz anders kommen können. Wenn sich Serge Gnabry damals für eine Einzelsportart entschieden hätte, wäre er vielleicht auch bei den Olympischen Spielen in Rio dabei gewesen – aber nicht im Trikot der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, sondern im hautengen Leichtathletik-Dress.

Der 21-Jährige war ein äußerst talentierter Sprinter, lief die 100 Meter schon früh unter elf Sekunden. „Ich war in ganz Deutschland unterwegs und habe kein Rennen verloren“, hat er mal gesagt. Aber irgendwann wollte er nicht immer nur spurten, sondern auch den Ball am Fuß haben und seinem großen Vorbild Zinedine Zidane nacheifern: „Es kam der Punkt, an dem ich mich zwischen Fußball und Leichtathletik entscheiden musste. Und ich habe den Fußball gewählt, weil ich da am meisten Spaß hatte.“

Geboren in Stuttgart, spielte der Sohn einer Schwäbin und eines Ivorers (dem ehemaligen Nationalspieler Jean-Hermann Gnabry) zunächst bei einigen Dorfclubs. 2005 wechselte er in die Jugend der Stuttgarter Kickers, ein Jahr später zum VfB Stuttgart. Schon mit 16 Jahren (zur Saison 2011/12) verließ er Deutschland und wagte den Sprung zum FC Arsenal – der VfB erhielt eine hohe Ausbildungsentschädigung. „Ich wollte mich schon immer große Dinge trauen, die sich andere nicht getraut hätten“, sagte er gestern: „Für mich war es ein positiver Schritt.“

In seinem ersten Jahr auf der Insel kam Gnabry (damals großer Fan des FC Barcelona) lediglich bei den Junioren und in der Reservemannschaft zum Einsatz. Im Juli 2012 unterschrieb er seinen ersten Profivertrag bei den „Gunners“, gehörte fortan zum Star-Ensemble vom Coach Arsene Wenger. Und war Teamkollege von Per Mertesacker, der bei seinem jetzigen Wechsel Einfluss nahm. Der Ex-Bremer empfahl Gnabry Werder und Werder Gnabry. Nette Anekdoten: Mertesacker ging am 31. August 2011 von Bremen nach London – Gnabry am 31. August 2016 von London nach Bremen. Und: Der Neu-Werderaner trägt die gleiche Rückennummer wie der frühere Kapitän – die „29“.

Schon damals war „Merte“ bei Arsenal eine wichtige Bezugsperson für seinen jungen Landsmann gewesen. „Ein sehr netter Typ. Er hat immer Zeit für mich. Obwohl ich eher bei Arsenal war als er, hat er mir mehr geholfen als ich ihm“, sagte Gnabry einst.

Sein erstes Spiel in der Premier League bestritt er als 17-Jähriger am 20. Oktober 2012 gegen Norwich (2:1), vier Tage später debütierte er bereits in der Champions League (0:2 gegen Schalke). Doch es folgte der große Rückschlag für das schon als „German Wunderkind“ gefeierte Talent. Wegen eines eingeklemmten Nervs im Rücken fiel Gnabry monatelang aus. Er verlor den Anschluss – und fand ihn bei Arsenal nie so richtig wieder. Das einzige Highlight: Am 28. September 2013 schoss er beim 2:1 gegen Swansea City seinen ersten und einzigen Premier-League-Treffer und wurde mit 18 Jahren und 76 Tagen zum zweitjüngsten Torschützen in Arsenals Vereinsgeschichte (nach dem Spanier Cesc Fabregas).

„Olympia hat uns alle weitergebracht“

Ansonsten saß Gnabry – obwohl er hinter Theo Walcott der zweitschnellste Spieler im Kader war – meistens auf der Bank oder der Tribüne. Auch wegen einer langwierigen Knieverletzung 2014. Im Sommer 2015 verliehen die Londoner den wendigen Dribbler mit dem Raketen-Antritt an West Bromwich Albion, wo er nur ein Mal in der Liga spielte. „Er ist noch nicht auf dem Level, um in der Premier League zu bestehen“, erklärte Trainer Tony Pulis.

Schon im Winter kehrte Gnabry zu Arsenal zurück. Dort durfte er aber nur noch im Nachwuchsteam ran – und reiste dann ohne Spielpraxis in der Premier League (insgesamt nur elf Einsätze in vier Jahren) nach Rio. Umso erstaunlicher, dass er beim olympischen Turnier nach seiner Einwechslung in der Auftaktpartie (für den verletzten Schalker Leon Goretzka) sofort zündete. Trainer Horst Hrubesch setzte voll auf ihn – anders als Wenger, den der DFB-Coach dafür kritisierte: „Mich ärgert, dass man Serge im Verein nie das Vertrauen gegeben hat. Er hat es allen gezeigt.“

Mit sechs Treffern war Gnabry (mit Nils Petersen) bester Torschütze und holte Silber. Sein Fazit gestern: „Olympia war ein Riesenerlebnis für uns alle, das hat jeden weitergebracht.“ Er spielte sich in den Fokus etlicher Clubs – und wechselte dann gestern zu Werder.

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