Auf die Einstellung kommt es morgen an

Profis auf dem Platz oder auf dem Papier

Viktor Skripnik J Foto: nph

Bremen - Was hat es vor einer DFB-Pokal-Auftaktrunde nicht schon für aufwendige Gegnerbeobachtungen gegeben. Den FV Illertissen mussten die Werder-Scouts vor zwei Jahren beispielsweise in der bayerischen Viertklassigkeit aufspüren – sprich: auf dem Dorfe. Doch diesmal war alles ganz bequem und easy für die Bremer.

Im Zuge der Vorbereitung auf die Erstrundenpartie morgen (15.30 Uhr) bei den Sportfreunden Lotte gab es den Gegner für die Bremer frei Haus. Am ersten Regionalliga-Spieltag trat der Aufsteiger bei Werders U 23 an – und auf der Tribüne des Weserstadions saß das komplette Bundesliga-Team mitsamt des Trainerstabes. Sie bekamen starke Sportfreunde zu sehen. 3:0 gewann Lotte und hat sich damit bei Werder-Cheftrainer Viktor Skripnik Respekt verschafft. „Diese Mannschaft ist eine Gefahr für uns“, warnt der Ukrainer: „Lotte hat gegen uns nichts zu verlieren. Die Spieler sind heiß, hochmotiviert. Sie hoffen auf die große Überraschung.“

Also ist es so wie immer, wenn es los geht im DFB-Pokal. Dann träumen die Kleinen von der Sensation und zittern die Großen vor der Blamage. „Die Gedanken an ein Scheitern sind immer da“, gibt Skripnik zu und erinnert an die Ereignisse vor einem Jahr: Fünf Erstligisten scheiterten in Runde eins, und Werder mühte sich zu einem 2:0 nach Verlängerung beim damaligen Drittligisten Würzburger Kickers. Ein Ruhmesblatt war das nicht. Aber Hauptsache weiter – nichts anderes zählt auch morgen in Lotte. „Ein 1:0 wäre absolut okay und überhaupt nicht peinlich. Diese ersten Runden sind immer schwierig“, sagt auch Neuzugang Lamine Sane, der wie sein Innenverteidiger-Kollege Niklas Moisander vor seinem Pflichtspiel-Debüt bei Werder steht.

Von der speziellen Beziehung des SV Werder zum Pokal-Wettbewerb hat Sane allenfalls eine Ahnung. Sechs Mal gewannen die Bremer den Cup, elf Mal scheiterten sie aber auch schon in Runde eins – keinem anderen Erstligisten ist dieses Missgeschick so häufig passiert.

„Alles liegt nur an uns“, sagt Viktor Skripnik nun und versucht, seinen Spielern die richtige Mentalität einzuhämmern. „Die Qualität, diesen Gegner zu schlagen, haben wir. Aber wir brauchen auch die richtige Einstellung“, sagt er und kleidet seine Forderungen in plakative Worte: „Wir wollen nicht nur unsere neuen Trikots zeigen. Die müssen auch dreckig werden.“ Soll heißen: Kämpfen, Gras fressen – sonst wird das nichts. Nochmal Skripnik: „Wir müssen zeigen, dass wir nicht nur auf dem Papier Profis sind.“ J csa

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