Werder Bremen präsentiert sich in Gladbach phasenweise desaströs

1:5 – von flinken Fohlen überrannt

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Der Beginn des Übels: Theodor Gebre Selassie (re.) und Keeper Felix Wiedwald kommen gegen Lars Stindl zu spät. Der Gladbacher schiebt zum 1:0 ein.

Mönchengladbach - Rückschlag für Werder Bremen: Nach zuvor vier Punkten aus den ersten zwei Rückrundenspielen kassierte der Tabellen-16. der Fußball-Bundesliga gestern Abend eine deftige 1:5 (0:2)-Niederlage bei Borussia Mönchengladbach. Die Fohlen nahmen damit Revanche für die 3:4-Niederlage im DFB-Pokal-Achtelfinale Mitte Dezember und feierten den ersten Sieg des Jahres. Vor 51569 Zuschauern im Borussia-Park erzielten Lars Stindl (12.), Andreas Christensen (31. und 50.), Raffael (70./Foulelfmeter) sowie Havard Nordtveit (88.) die Gladbacher Tore. Für Werder sorgte Claudio Pizarro mit einem verwandelten Strafstoß (56.) nur kurz für Hoffnung.

Geschäftsführer Thomas Eichin, der sein Team nach dem 3:1 auf Schalke und dem 3:3 gegen Hertha BSC im Aufwind gewähnt hatte, übte nun deutliche Kritik. „Vielleicht hat der eine oder andere nach den jüngsten positiven Ergebnissen gedacht, es geht von alleine – das ist eine Krankheit hier. Was wir gezeigt haben, ist zu wenig für den Abstiegskampf. Man muss in jedem Spiel das Gefühl haben, mehr als hundert Prozent zu geben – das hatte ich heute nicht.“

So stürzte die mit zwei Niederlagen in die Rückrunde gestartete Borussia die Bremer mit Tempo, Aggressivität und schnellen Kombinationen von einer Verlegenheit in die andere. Weshalb das 0:2 zu Pause fast noch ein gnädiges Zwischenresultat für die Gäste war. Stindl hatte getroffen, nachdem Mahmoud Dahoud und Thorgan Hazard die mit Bundesliga-Debütant Leon Guwara besetzte linke Bremer Abwehrseite aufgemischt hatten. Andreas Christensen durfte nach einem Zuckerpass von Dahoud aus kürzester Distanz unbedrängt einschieben.

Insgesamt wirkte das Bremer Abwehrverhalten desaströs. Der bislang hochgelobte Papy Djilobodji war wie Jannik Vestergaard, Theodor Gebre Selassie und der überforderte Guwara viel zu oft nur Zuschauer. Auch im Mittelfeld bekamen träge Bremer keinen Zugriff auf viel zu flinke Fohlen. Und beinahe hätte auch noch Felix Wiedwald wie schon beim 3:3 gegen Hertha BSC gepatzt. Den Raffael-Schuss, der ihm durch die Hände flutschte, bekam er aber noch vor der Linie zu packen (31.).

So murkste sich Werder durch die erste Halbzeit, in der an eigenen Offensivaktionen nur ein früher Vestergaard-Kopfball (3.) und ein gefährlicher Distanzschuss von Clemens Fritz (24.) zu verzeichnen war. Gladbach hatte bei Chancen von Raffael (8.), Hazard (29.) und Dahoud (44.) mehrfach die Möglichkeit, für noch klarere Verhältnisse zu sorgen.

Das besorgte dann kurz nach Wiederbeginn der Däne Christensen. Nach einem Eckball rammte der 19-Jährige den Ball per Kopf zum ersten Bundesliga-Doppelpack seiner noch jungen Karriere ins Bremer Tor. Djilobodji hatte tatenlos zugesehen – alle anderen auch.

0:3 nach 50 Minuten – für die verheißungsvoll in die zweite Saisonhälfte gestarteten Bremer bahnte sich ein Debakel an. Nichts erinnerte an den 4:3-Coup im DFB-Pokal-Achtelfinale, als Werder in der zweiten Halbzeit vier Tore erzielt und damit ein schon verloren geglaubtes Spiel noch gedreht hatte. Doch ein Tritt von Gladbach-Verteidiger Martin Hinteregger auf den Fuß von Levin Öztunali brachte einen Elfmeter und damit die Bremer Hoffnung zurück. Claudio Pizarro verwandelte in seinem 400. Bundesliga-Spiel sicher, verkürzte auf 1:3 (56.) – und plötzlich war Werder da, machte Druck, kam zu Chancen. Nach einem Schuss des eingewechselten Fin Bartels fehlten Pizarro nur Zentimeter, um per Abstauber den Anschluss zu erzielen (65.). Es war der Moment, in dem die Partie hätte kippen können.

Die Noten für die Werder-Profis

Doch sie kippte nicht, sie verlief nach der kurzen Schwächephase wieder sicher im Sinne der Borussia. Raffael traf per Elfmeter (Vestergaard hatte Stindl gefoult) zum 4:1 und machte alles klar. Dennoch steckte das Team von Viktor Skripnik nicht auf, suchte noch seine Chance – und wurde bestraft: Nordtveit überlistete Wiedwald mit einem gefühlvollen Distanzschuss.

Es war der Schlusspunkt eines Spiels, das für Gladbach eine Befreiung darstellt – und Werder zurück ins Jammertal stürzt. Die Bremer müssen sich nun aber schnell von dem Fünferpack erholen. Schon am Dienstag steht das DFB-Pokal-Viertelfinale bei Bayer Leverkusen an.

mr/csa

Werder verliert in Gladbach

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