Philipp Bargfrede im Interview

„Mein Knie ist doch nicht komplett kaputt“

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Philipp Bargfrede im Weserstadion

Bremen - Von Björn Knips. Lächelnd kommt Philipp Bargfrede ins Weserstadion spaziert – zum Gesprächstermin auf der Tribüne. Mal wieder geht es um sein Knie. Wie so oft in der Karriere des 27-Jährigen. Doch das macht ihm nichts aus. „Ich bleibe positiv“, sagt der Werder-Profi und wirkt dabei total entspannt.

Vor acht Monaten hat sich Bargfrede den Meniskus gerissen, musste operiert werden und sollte eigentlich schon wieder auf dem Platz stehen. Doch es gab Rückschläge – wie auch jetzt. Doch Bargfrede gibt nicht auf, weil es dazu aus seiner Sicht keinen Grund gibt: „Mein Knie ist doch nicht komplett kaputt.“

Philipp Bargfrede, was ist ein schöner Tag für Sie?

Philipp Bargfrede: Wenn die Sonne scheint, wenn ich meine Familie um mich habe und wenn ich gesund bin.

Und wie schön wäre es, endlich mal wieder auf dem grünen Rasen zu stehen?

Bargfrede: Sehr schön, daran arbeite ich jeden Tage und hoffe, dass es bald wieder soweit ist.

Was heißt bald?

Bargfrede: Das ist wirklich schwer zu sagen. Ich hoffe natürlich so schnell wie möglich. Aber einen Termin zu nennen, das wäre nicht richtig.

Sie hatten schon so viele Knieverletzungen, kennen sich damit also aus – warum fällt Ihnen da jetzt eine Prognose so schwer?

Bargfrede: Weil man nie weiß, welche Rückschläge einen treffen. Ich hatte zuletzt ein bisschen Flüssigkeit im Knie. Das kann man nicht vorhersehen.

Ist das ein großer oder ein kleiner Rückschlag?

Bargfrede: Ein kleiner. So etwas kann in der Aufbauphase immer mal wieder passieren. Da muss man einfach geduldig sein. Ich kann ja auch schon wieder ziemlich viel machen.

Was genau?

Bargfrede: Die Schwellung ist gut rausgegangen. Ich kann viel Krafttraining machen, ich bin schon wieder ordentlich dabei.

Sie waren zuvor aber auch schon am Ball gewesen. Das geht jetzt nicht mehr?

Bargfrede: Stimmt, das haben wir wieder heruntergefahren. Ich denke aber, dass es nicht lange dauern wird, bis ich wieder auf dem Platz trainieren kann.

Wie schwer ist es, so einen Rückschlag zu verarbeiten?

Bargfrede: Da hilft mir die Erfahrung. Ich weiß, wie ich damit umzugehen habe. Ich muss einfach geduldig sein.

Und Sie sind sich auch ganz sicher, auf jeden Fall zurückzukommen?

Bargfrede: Natürlich. Mein Knie ist doch nicht komplett kaputt. Ich habe doch nur diese eine Stelle, der Meniskus. Es ist nun mal leider so, dass der Meniskus, wenn er einmal genäht wurde, nicht mehr ganz so stabil ist. Ansonsten ist alles gut, deswegen mache ich mir da keine Sorgen.

Wir haben vor einigen Tagen eine Internet-Umfrage gemacht, bei der die Fans ihre Werder-Wunschelf für diese Saison wählen konnten – und zwar unabhängig vom Gesundheitszustand der Spieler. Da sind Sie im defensiven Mittelfeld nur noch Ersatz hinter Clemens Fritz und Florian Grillitsch. Schmerzt es, dass Sie so schnell in Vergessenheit geraten sind?

Bargfrede: Es geht doch immer schnell, wenn du raus bist. So ist der Fußball. Nehmen wir unsere Situation: Wir haben zwei schlechte Spiele gemacht, aber wenn wir am Sonntag gegen Augsburg gewinnen, ist die Stimmung wieder gut. Genauso wäre es bei mir: Wenn ich zurückkomme, zwei gute Spiele mache und ihr die Umfrage wiederholt, fällt die ganz anders aus. Deswegen nehme ich diese Umfragen nicht so wichtig.

Der Trainer denkt viel langfristiger als die Fans, Viktor Skripnik hat Ihnen öffentlich eine Einsatzgarantie ausgestellt. Wie angenehm ist es, das zu hören?

Bargfrede: Natürlich tut es gut, Vertrauen zu spüren. Aber ich weiß auch, dass ich jetzt noch ganz viel selbst tun muss, um auf einen guten Stand zu kommen. Und dann bin ich in der Pflicht, gute Spiele abzuliefern, um das Vertrauen zu rechtfertigen.

Was ist in Ihrer Karriere noch möglich, können Sie sich mit 27 Jahren noch verbessern oder geht es nur darum, wenigstens den alten Bargfrede wieder hinzubekommen?

Bargfrede: Ich muss gut zurückkommen – und nicht irgendwie. Sonst bringt das nichts. Und ich habe schon bewiesen, dass ich in einer guten Verfassung zurückkehren kann – und dann habe ich mich immer auch noch gesteigert. So wünsche ich mir das diesmal auch.

Während einer Reha ist sicher viel Zeit zum Nachdenken – auch über das Leben nach der Fußballer-Karriere?

Bargfrede: Mehr Zeit? Das ist Unsinn. Du musst in der Reha viel mehr arbeiten als die anderen, weil du ja aufholen musst. Ich denke nicht so viel an die Zukunft, es geht mir hauptsächlich darum, fit zu werden.

Wäre es nicht eine Idee, später im Rehabereich zu arbeiten, da kennen Sie sich doch bestens aus?

Bargfrede: (lacht) Das ist nichts für mich, da bin ich mir sicher. Ich spiele erstmal noch ein paar Jahre Fußball, dann sehen wir weiter.

Ein zweites Standbein haben Sie ja schon: Ihr Restaurant Mehde Gold in Zeven. Wie läuft das Geschäft?

Bargfrede: Gut. Wir sind zufrieden.

Also gibt es bald die Bargfrede-Restaurant-Kette . . .

Bargfrede: (lacht) Gute Idee, das wäre vielleicht ein Ansatz für die Zeit nach der Karriere.

Wie sehr haben Sie bei Werders Auftritten in Lotte und in München gelitten?

Bargfrede: Das haben wir uns natürlich alle ganz anders vorgestellt. Da ist es nicht so leicht gefallen, von draußen zuzugucken. Aber wir können es ja schon am Sonntag besser machen.

Skripnik hat bereits von einem Finale gesprochen. Was ist das Spiel für Sie?

Bargfrede: Es ist wichtig, aber ich würde nicht von einem Finale sprechen. Wir müssen auf jeden Fall ein anderes Gesicht zeigen – gerade im eigenen Stadion.

Das mit dem Finale kommt allerdings nicht von ungefähr. Der Trainer steht schon ganz früh in der Saison in der Kritik, es gab bereits Skripnik-Raus-Rufe. Haben Sie auch Sorge, dass der Riesenunterstützung der vergangenen Rückrunde nun die Riesenenttäuschung folgt?

Bargfrede: Die Fans müssen sehen, dass wir alles auf dem Platz geben. Ich glaube, dass uns hier keiner böse ist, wenn wir verlieren, aber zuvor alles reingehauen haben. Es ist verständlich, dass die Fans nicht zufrieden sind. Aber ich bleibe positiv.

Das waren die Fans auch – gerade nach der Verpflichtung von Max Kruse. Jetzt kommt noch Serge Gnabry dazu. War und ist die Hoffnung zu groß?

Bargfrede: Euphorie ist doch nicht verkehrt. Nur wir als Mannschaft und Verein müssen das richtig einordnen können. Man darf sich nicht auf ein, zwei Neue verlassen, alle müssen ihre Leistung bringen.

Wo ordnen Sie Werder denn in dieser Saison ein?

Bargfrede: Das ist auch für mich schwer zu beantworten. Ich hoffe, dass die Verletzten schnell zurückkommen, dann haben wir eine gute Mannschaft zusammen.

Die nicht gegen den Abstieg spielt?

Bargfrede: Das muss das Ziel sein. Im Fußball geht es so schnell. Im Moment ist alles negativ und bald vielleicht schon wieder positiv.

Wie sehr können Sie dabei als verletzter Spieler mithelfen?

Bargfrede: Ich bin schon noch nah dran in der Kabine. Ich war auch in München. Natürlich versuche ich, die Jungs zu pushen. Aber groß eingreifen kann ich da auch nicht.

Sind Sie ein nervöser oder ein entspannter Zuschauer?

Bargfrede: Ich bin angespannter als auf dem Platz.

Müssen Sie dort auf Ihr Knie mehr aufpassen als auf dem Feld?

Bargfrede: (lacht) Nein, so schlimm ist es dann auch wieder nicht.

Sehen wir Sie in diesem Jahr noch auf dem Rasen?

Bargfrede: Davon gehe ich fest aus!

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