Bremer Abschlusstraining

Ohne Eggestein, mit Gnabry

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Johannes Eggestein

Bremen - Am Montag hatte Alexander Nouri die Gefühlsschublade weit geöffnet. In die Herzen gelangen, Botschaften senden, Leidenschaft und Liebe vorleben – es waren die Schlagwörter, mit denen der Interimscoach des SV Werder die Pressekonferenz vor seinem ersten Spiel als Bundesliga-Trainer ausgeschmückt hatte.

Heute dann das Kontrastprogramm: Nouri lässt beim Abschlusstraining vor dem Heimspiel gegen Mainz 05 (Mittwoch, 20.00 Uhr) die Jalousien runter. Große Geheimsache, statt großer Gefühle. Was Nouri auf dem Trainingsplatz üben lässt, ist vermutlich aber nicht annähernd so wichtig, wie das, was sich ohnehin meistens abseits der Öffentlichkeit zuträgt. Gemeint sind die kleinen Gespräche mit den einzelnen Spielern, das schnelle Aufmuntern und Gutzureden, Verständnis zeigen für das, was zuletzt alles schiefgelaufen ist, vielleicht auch einfach mal trösten.

„Viele Gespräche“ werde er führen, hatte Nouri bei Antritt des Jobs gesagt. Denn das sei das Mittel, mit dem er in der Kürze der Zeit etwas erreichen könne. Die Baustellen System, Taktik und Spielphilosophie können später angegangen werden. Vorerst geht es darum, ein am Boden liegendes Team wieder aufzurichten. Und das wird schwer genug für den Nachfolger des am Samstagabend beurlaubten Viktor Skripnik. Vielleicht war es nur ein Zufall, dass sich Nouri in seinem ersten Training am Montag für alle sichtbar ausgerechnet Theodor Gebre Selassie und Florian Grillitsch schnappte und mit ihnen den Anfang machte. Aber es lässt sich sagen, dass Nouri auf seiner „Kopf-Hoch-Therapie“ zwei sehr passende erste Klienten ausgesucht hat. Denn über Gebre Selassie und Grillitsch lässt sich sagen, dass sie derzeit wohl am weitesten von allen von der eigenen Normalform entfernt sind.

Also redete und gestikulierte Nouri so engagiert, wie er es zuvor versprochen hatte. Die Beziehungsstruktur ist in diesen beiden Fällen ziemlich simpel. Hier der hilfebedürftige Spieler, dort der Hilfestellung leistende Trainer. Komplizierter wird es, wenn sich Nouri eines Spielers wie Clemens Fritz annimmt. Der steckt einerseits genauso im Leistungsloch wie Grillitsch oder Gebre Selassie und braucht Unterstützung, andererseits ist er der Kapitän, selbst nur 16 Monate jünger als der Trainer und ein Ratgeber in die andere Richtung. Also von erfahrenem Spieler zu unerfahrenem Coach. Nouri sagt, dass er sich sehr gerne die Einschätzung von Fritz holen wird. Und natürlich lässt er ihn gegen Mainz wieder spielen – da unterscheidet sich der neue Trainer überhaupt nicht von seinen Vorgängern. „Ich habe überhaupt keine Zweifel an Clemens. Er ist ein unheimlich wichtiger Spieler für uns“, sagt Nouri und gibt Fritz die „volle Rückendeckung“.

Wie das auf anderen Positionen aussehen wird, bleibt bis eine Stunde vor Anpfiff offen. Bestätigt Nouri Jaroslav Drobny als neue Nummer eins? Oder gibt er Felix Wiedwald eine neue Chance? Bestückt der Coach das Mittelfeld eher defensiv oder offensiv? Darauf gibt es jetzt noch keine Antworten – es ist ja Geheimtraining. So viel lässt sich aber sagen: Johannes Eggestein wird nicht den verwaisten Platz im Angriff übernehmen. Der 18-Jährige fährt mit der U23 zum Auswärtsspiel beim 1. FC Magdeburg (Mittwoch, 18.30 Uhr). Und Serge Gnabry scheint trotz leichter Adduktorenprobleme einsatzfähig zu sein. Jedenfalls erschien er pünktlich zum Abschlusstraining.
csa/kni

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