Interimscoach braucht glückliches Händchen

Nouris Problemzonen

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Es gibt viel, über das Werders Interimstrainer Alexander Nouri vor seiner Bundesliga-Premiere grübeln kann.

Bremen - Zwei Tage – mehr Zeit blieb nicht. Nur zwei Tage, um eine völlig am Boden liegende Mannschaft wieder aufzurichten. Nur zwei Tage, um Selbstzweifel in Selbstvertrauen zu verwandeln. Nur zwei Tage, um aus Verlierern Sieger zu machen. Nur zwei Tage, um ein kleines Fußball-Wunder zu bewirken. Wer soll das schaffen? Antwort: Alexander Nouri.

Der 37-Jährige steht heute vor seiner Premiere als Bundesliga-Trainer und hat bei Werder Bremen den Auftrag, im Heimspiel gegen Mainz 05 (heute, 20.00 Uhr) die Wende einzuläuten. Dafür musste er sich seit dem ersten gemeinsamen Training mit dem Bundesliga-Letzten am Montag einmal quer durch alle Mannschaftsbereiche arbeiten. Überall sind die Probleme groß, überall braucht es neue Impulse.

Problemzone Tor
Nouri-Vorgänger Viktor Skripnik hat noch schnell Verwirrung gestiftet, bevor er beurlaubt wurde. Jaroslav Drobny bekam plötzlich den Vorzug vor Felix Wiedwald, überzeugte beim 1:4 in Gladbach aber nicht. Dennoch wäre Nouri gut beraten, erstmal an dem Tschechen festzuhalten. Ihn zu bringen, ist nach Stand der Dinge das kleinere Risiko.

Problemzone Viererkette
Fallou Diagne, der in Gladbach einen Katastrophen-Auftritt hingelegt hatte, gehört auf die Bank gesetzt. Niklas Moisander wird ihn ersetzen. Aber damit sind nicht alle Sorgen beseitigt. Es bleiben noch die Außenpositionen – und sowohl rechts als auch links ist einiges im Argen. Dass Alexander Nouri auf seiner „Kopf-hoch-Mission“ als einen der ersten Theodor Gebre Selassie für ein Gespräch zur Seite nahm, war gewiss kein Zufall. Der Rechtsverteidiger steckt gewaltig im Formtief, könnte eine Pause gebrauchen. Doch es fehlen die Alternativen. Was auch daran liegt, dass Neuzugang Robert Bauer weiter auf der linken Seite aushelfen muss. Ulisses Garcia ist dort keine echte Option, vielleicht glaubt Nouri aber an Janek Sternberg und gibt ihm eine neue Chance. Sinnvoll ist es jedoch, endlich Kontinuität zu schaffen und sich auf einen festen Vertreter des verletzten Santiago Garcia festzulegen. Bauer ist da die mit Abstand vielversprechendste Variante.

Problemzone Mittelfeld
Wo nur anfangen? Werder hat zwar jede Menge defensive Mittelfeldspieler, aber bislang keinen starken Sechser. Florian Grillitsch steckt wie Gebre Selassie im Leistungsloch, Kapitän Clemens Fritz ebenfalls. Dennoch bleibt er auch unter Alexander Nouri gesetzt. „Ich habe überhaupt keine Zweifel an Clemens. Er ist ein unheimlich wichtiger Spieler für uns“, sagt der 37-Jährige und gibt dem nur 16 Monate jüngeren Fritz die „volle Rückendeckung“. Möglich, dass Nouri beide wieder als Doppel-Sechs aufbietet. Die zweite Halbzeit in Gladbach hat aber gezeigt, dass das 4-1-4-1-System mit Grillitsch als Solo-Sechser dem Team besser gelegen hat.

Wenige Optionen hat Nouri bei den offensiver ausgerichteten Mittelfeldleuten. Max Kruse und Fin Bartels fehlen verletzt, Nouri kann deshalb gar nicht anders, als an Zlatko Junuzovic festzuhalten. Es sei denn, er will mit dem Einsatz von Maximilian Eggestein für einen dieser viel beschworenen neuen Impulse sorgen. Serge Gnabry, der sich nach einer kurzen Trainingspause am Montag im Abschlusstraining gestern zurückmeldete und die Einheit beschwerdefrei durchzog, wäre fraglos gesetzt, falls er nicht nach ganz vorne verschoben wird. Das würde die Tür aufmachen für den von Skripnik kaum berücksichtigten Florian Kainz. Er könnte aber auch auf der rechten Seite Sambou Yatabare verdrängen. So oder so: Frischen Wind durch den 3,5-Millionen-Einkauf hat Werder nötig.

Problemzone Angriff
Wartet hier die große, Überraschung? Es klemmt personell dermaßen im Sturmzentrum, dass Nouri am Montag und auch gestern bei der geheimen Abschlusseinheit U 23-Knipser Ousman Manneh mittrainieren ließ. Johannes Eggestein (18) und Niklas Schmidt (18) fuhren dagegen mit der U 23 zum Drittliga-Auswärtsspiel beim 1. FC Magdeburg (heute, 18.30 Uhr). Möglich also, dass der Bis-eben-noch-U-23-Coach Nouri heute auf einen Überraschungseffekt durch Manneh (19/zwei Tore und zwei Vorlagen in sieben Drittliga-Partien) setzt. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass er Lennart Thy, nach den Ausfällen von Claudio Pizarro, Max Kruse und Aron Johannsson nominell der nächste Nachrücker, auswählt. Oder sogar Gnabry, der diese Rolle laut Sportchef Frank Baumann spielen kann. Und auch wird? Nouri entscheidet! 

csa/kni

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