Ein erfahrener Co-Trainer soll noch kommen

Nouri: „Ich liebe diesen Verein“

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Frank Baumann (rechts) hat sich für Alexander Nouri entschieden. 

Bremen - Von Björn Knips. Nun ist er ein echter Bundesliga-Trainer. Doch Alexander Nouri will seine Beförderung nicht besonders feiern und sich auch nichts Besonderes gönnen. „Für mich ist es schon Belohnung genug, nach Hause zu meiner Familie zu fahren“, sagte Werders neuer Chefcoach und fügte noch an: „Wir haben einen ganz kleinen Hund, der noch nicht stubenrein ist. Der kostet mich einige Nerven.“ Nouri lächelte, seine großen braunen Augen funkelten – und die Botschaft war klar: Der 37-Jährige ist zwar voller Freude, er ist auch stolz, aber er will auch am Boden bleiben.

„Ich bin dankbar für das Vertrauen. Ich bin mir der Verantwortung dieser besonderen Herausforderung bewusst – und gehe das mit Bescheidenheit, Demut, aber auch mit voller Entschlossenheit und voller Energie an“, sagte Nouri vor einem stattlichen Aufgebot an Kameras. Ein bisschen nervös wirkte er dabei schon. Doch das legte sich. 

Er löste auch knifflige Fragen – zum Beispiel die nach der doch etwas kurzen Vertragsdauer. So wurde sein am Ende der Saison auslaufender Vertrag als U 23-Coach nur finanziell der neuen Aufgabe bei den Profis angepasst. „Was hätte denn ein Vierjahres-Vertrag verändert?“, erwiderte Nouri und gab die Antwort sofort selbst: „Wir wissen doch alle, wie schnell es in diesem Geschäft in alle Richtungen gehen kann.“ Er hat es schließlich selbst erlebt.

Auch Sportchef Frank Baumann verteidigte die vertragliche Vereinbarung. Das habe nichts mit fehlender Überzeugung zu tun. Es sei eher eine Reaktion auf die Vergangenheit. Die Personalie Viktor Skripnik habe, so Baumann“, „sicherlich auch eine Rolle gespielt“. Mit dem Ukrainer hatte der Sportchef im Juni noch bis 2018 verlängert, um Ruhe in der Trainerdiskussion zu haben. Gut drei Monate später musste er Skripnik entlassen.

80 bis 100 Namen waren im Spiel

Die Suche nach einem Nachfolger gestaltete sich schwierig. Nouri wurde als Übergangslösung präsentiert. Große Chancen wurden dem U23-Coach nicht eingeräumt. Dafür hatte auch die defensive Haltung Baumanns gegenüber Nouri gesorgt. Zudem hatte der Sportchef betont, den bestmöglichen Trainer zu suchen. Nun bestätigte er eine Liste von „80 bis 100 Namen“, die zu Beginn erstellt worden war. „Da haben wir ganz breit gedacht und uns auch mit außergewöhnlichen Lösungen beschäftigt.“ 

Schließlich sei eine einstellige Zahl an möglichen Kandidaten übrig geblieben. „Doch keiner hat uns zu 100 Prozent überzeugt“, berichtete Baumann. Deshalb sei die Wahl auf Nouri gefallen: „Alex kennen wir seit Jahren. Er kann Spieler entwickeln und weiterentwickeln. Er kann einer Mannschaft eine Handschrift geben.“ 

Großes Vertrauen, trotz wenig Erfahrung 

Doch auch einem Nouri fehlen einige Prozente. Und zwar in Sachen Bundesliga-Erfahrung. Als Spieler hat er es „nur“ bis in die Zweite Liga geschafft – und das auch nicht lange. Als Trainer war Werders U 23 in der Dritten Liga seine höchste Mannschaft. Und hatte nicht Baumann beim Anforderungsprofil für einen Skripnik-Nachfolger die Bundesliga-Erfahrung ganz nach oben gestellt? „Das ist keine Grundvoraussetzung“, befand Baumann nun: „Die Trainer sind heutzutage so gut ausgebildet, das sieht man doch auch am Beispiel Julian Nagelsmann.“ Der erst 29-Jährige funktioniert bei der TSG 1899 Hoffenheim ziemlich gut. „Außerdem“, merkte Baumann noch an: „Man weiß doch nicht, was einen bei einem neuen Trainer von außen erwartet. Da wären die Fragezeichen doch viel größer gewesen.“

Ähnlich war damals auch die Entscheidung für Skripnik begründet worden – und der musste wegen Erfolglosigkeit gehen. „Viktor war zwei Jahre hier, seine Arbeit war nachhaltig. Wenn es jetzt zwei Jahre oder auch länger hält, hätte ich nichts dagegen“, meinte Baumann und stellte Nouri eine Vertragsverlängerung in Aussicht: „Darüber werden wir früh genug reden.“

Gleichzeitig wird Baumann den Trainermarkt im Auge behalten. „Das gehört zu meinem Job“, meinte der Ex-Profi, betonte aber zugleich: „Ich werde keine Gespräche mit einem Trainer führen, wenn wir noch einen Trainer unter Vertrag haben.“ So sei das auch bei Skripnik gewesen – und deswegen habe die Trainersuche auch etwas länger gedauert. Baumann: „14 Tage sind doch nicht viel. Wir nehmen einfach das Recht in Anspruch, so eine wichtige Entscheidung für den Verein in Ruhe zu treffen.“

Co-Trainer-Entscheidung steht noch aus 

Das gilt auch für eine weitere Personalie: Nouri soll neben Florian Bruns einen weiteren Co-Trainer bekommen. Einen erfahrenen Mann? „Das ist eine unserer Überlegungen“, sagte Baumann. Torsten Frings wird es nicht sein, der beurlaubte Co-Trainer soll erst mittelfristig wieder in den Verein eingebunden werden. Für Florian Kohfeldt ist die Beurlaubung dagegen schon Geschichte, der 33-Jährige wird Nouris Nachfolger bei der U 23. Also noch so eine Bremer Lösung.

„Werder ist speziell“, erklärte Baumann: „Man braucht keine Werder-Vergangenheit, aber man muss sich auf Werder einlassen.“ Bei Nouri trifft beides zu: „Ich liebe diesen Verein.“ Sein Ziel: „Wir wollen erfolgreicher sein als in der letzten Saison.“ Da war nur ganz knapp der Abstieg verhindert worden.

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