Werder-Coach kämpft um seinen Job und bringt Baumann in die Bredouille

Der neue Skripnik verkündet sein Finale

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Bremen - Von Björn Knips. Viktor Skripnik flog am Samstag nicht mit der Mannschaft zurück nach Bremen. Das lag aber nicht daran, weil sich der Coach bei der 0:6-Blamage gegen die Bayern so sehr über seine Spieler geärgert hatte. Skripnik fuhr nur ein paar Kilometer weiter nach Augsburg und schaute sich den nächsten Gegner an.

Eigentlich nichts Besonderes, bei Skripnik aber schon. In der Vergangenheit hatte er das nämlich fast nie gemacht. Doch jetzt ist alles anders, Skripnik kämpft mehr denn je um seinen Job, spricht beim nächsten Spiel schon von einem „Finale“ und bringt damit ausgerechnet Frank Baumann in die Bredouille. Ohne Baumann wäre Skripnik gar nicht mehr im Amt. Dessen Vorgänger Thomas Eichin hätte den Ukrainer am Ende der Vorsaison gefeuert und musste deshalb selbst gehen. Für ihn wurde Baumann Sportchef und verlängerte nach einigen Wochen sogar Skripniks Vertrag um ein Jahr bis 2018. Gleichzeitig baute er um den Trainer herum ein Team von Fachleuten auf, das den Coach entlasten und damit insgesamt Bundesliga-tauglich machen soll. Die nackten Ergebnisse sind bislang ernüchternd.

Doch Baumann steht zu diesem Kurs und verteidigt deshalb auch Skripnik. Der Sportchef verweist auf den Umbruch mit vielen neuen Spielern und auf die verletzten Leistungsträger wie Max Kruse, Claudio Pizarro, Zlatko Junuzovic, Santiago Garcia und Philipp Bargfrede. „Wir brauchen Geduld“, sagt der 40-Jährige. Die Niederlage beim Rekordmeister sei nicht überraschend gekommen, so richtig starte die Bundesliga für Werder doch erst am zweiten Spieltag mit dem Heimspiel gegen den FC Augsburg in fast zwei Wochen. Er garniert das noch mit einer Nibelungentreue im Fall Skripnik: „Eine Trainerdiskussion wird es bei uns nicht geben – selbst, wenn der Trainer auch die nächsten acht Spiele nicht gewinnt.“

Eine Aussage, zu der er auch einige Tage später noch steht: „Wir sind absolut überzeugt von Viktor. Für mich ist ein seriöses Zwischenfazit erst nach einem Viertel der Saison möglich – und das sind etwa acht Spiele.“ Skripnik könnte sich nach so einem Satz sicher fühlen. Macht er aber nicht. Im Gegenteil! Er gibt Gas – und das nicht nur im Auto Richtung Augsburg. Der Coach knöpfte sich in München erstmals öffentlich seine Mannschaft vor, rückte von ihr ab. „Ich habe kein Verständnis dafür, was passiert ist“, schimpfte Skripnik und kündigte an: „Meine Entscheidungen werden brutaler sein.“ Allerdings: Schon mit der Aufstellung in München war der Coach nicht gerade zimperlich gewesen.

Wiedwald stark, aber zu viele Totalausfälle

Der „nette Janek Sternberg“ (Skripnik) musste als Linksverteidiger für Luca Caldirola („Ich brauchte einen, der dazwischenhaut“) weichen. Der gerade erst verpflichtete Robert Bauer bekam den Vorzug vor Thanos Petsos als Junuzovic-Ersatz. Ganz vorne musste Lennart Thy seinen Platz für Aron Johannsson räumen, der vor elf Monaten sein letztes Pflichtspiel bestritten hatte. Und nicht zu vergessen die Absetzung des Abwehrchefs. Für Niklas Moisander, dem Skripnik selbst die Rolle des Leitwolfs verliehen hatte, verteidigte Fallou Diagne. So ergab sich eine Startelf, die von einer eingespielten Mannschaft so weit entfernt war wie Werder anschließend von einem Torerfolg. Doch das allein war nicht verantwortlich für die Blamage.

Skripnik bezeichnete seine Profis indirekt als Feiglinge, die den Zweikämpfen lieber aus dem Weg gingen, um sie nicht zu verlieren und dann blöde dazustehen. „Es wurde nur gehofft, dass der Gegenspieler abspielt – und dann erleichtert festgestellt: Ja, er hat abgespielt, Gott sei Dank“, schimpfte Skripnik. Und noch etwas brachte ihn in Rage: „Diese mutigen Sprüche vor dem Spiel in der Kabine wie ,Come on boys’ oder so. Dann wird noch gegen die Wand gehauen und später noch ein Kreis gemacht. Das sieht toll aus. Aber wichtig ist doch auf dem Platz.“ Und da funktionierte Werder überhaupt nicht. Felix Wiedwald hatte dafür eine sehr interessante und vor allem brisante Erklärung. „Das Trainerteam hat uns top vorbereitet. Die Tore sind praktisch so gefallen, wie uns das vorausgesagt wurde“, verriet der Keeper und seufzte: „Ich weiß nicht, warum wir das nicht umsetzen können.“ Möglicherweise verstehen die Spieler den Coach nicht – oder wollen ihn nicht mehr verstehen? Schließlich wurden in der Vergangenheit taktische Vorgaben durchaus umgesetzt, manchmal sorgten auch ausgeklügelte Matchpläne für große Erfolge – wie im Pokal in Leverkusen.

 „Unterstützt haben wir den Trainer mit dieser Leistung sicher nicht“, gestand Wiedwald – angesprochen auf die schon in Lotte aufgeflammte Trainerdiskussion und das Versprechen der Mannschaft, darauf zu reagieren. Nun hat Skripnik reagiert – mit öffentlicher Kritik. Es ist eigentlich das letzte Mittel der Trainer, um noch mal die Kurve zu kriegen. Das Tempo hat Skripnik dabei selbst noch erhöht, weil er das Augsburg-Spiel zum Endspiel erkoren hat: „Jetzt haben wir schon am zweiten Spieltag ein Finale.“ Ein Finale für den Coach, den Baumann doch eigentlich noch mindestens acht Spiele weitermachen lassen will. Und der Sportchef will das auch ganz anders verstanden wissen: „Viktor hat das so nicht gemeint. Es ist ein Spiel, in dem wir einiges gerade rücken können – und deshalb ist es auch sehr wichtig. Aber es fällt da keine Entscheidung.“

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