Sportpsychologe: „Am Ende gewinnt der mit der stärksten Psyche“

Die Nerven entscheiden: Ist Werder stark genug im Kopf?

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Im Endspurt zeigt Felix Wiedwald eine starke Form – und Nervenstärke. Beides braucht Werder gegen Frankfurt.

Bremen - Thomas Eichin ist ein Freund der Holzhammer-Methode. Jedenfalls auf dem Fußballplatz. Wer kämpft, wer läuft, wer rackert, der ist ein Fußballer nach seinem Geschmack. Doch vor dem Abstiegsfinale zwischen dem SV Werder und Eintracht Frankfurt wendet sich selbst der Bremer Geschäftsführer den deutlich sensibleren Faktoren des Fußballs zu. „Reine Kopf- und Nervensache“ werde die Partie, prophezeit Eichin. Die Psyche – sie spielt am Samstag im Weserstadion also die Hauptrolle. Richtig?

Völlig richtig, bestätigt der Sportpsychologe und Motivationstrainer Matthias Herzog (40) im Interview mit dem Sportinformationsdienst: „Am letzten Spieltag werden die Spiele mindestens zu 80 Prozent über die Psyche entschieden. Bei aller sportlicher und taktischer Vorbereitung: Am Ende gewinnt der mit der stärksten Psyche.“ Werder ist sich darüber schon lange im Klaren, hat deshalb den Sportpsychologen Prof. Dr. Andreas Marlovits ganz nahe an die Mannschaft geführt. Dass Werder, seitdem er eng mit den Spielern zusammenarbeitet, keines der beiden Spiele (6:2 gegen Stuttgart, 0:0 in Köln) verloren hat, kann als Erfolg gewertet werden. Doch am Samstag kommt es richtig drauf an – wer hat die Nerven für das Finale, wer möglicherweise nicht? Ein Check der voraussichtlichen Werder-Startelf:

Felix Wiedwald: Überragende Partie in Köln (Note 1,5), stark auch gegen Stuttgart (Note 2) – der Torwart macht im Saisonendspurt eine bessere Figur als in manchem Spiel zuvor. Er ist offenbar voll da, sagt über sich selbst: „In unserer Situation ist ein sicherer Rückhalt wichtig.“
Nervenstärke: *****

Jannik Vestergaard: Vom Klassenerhalt ist er felsenfest überzeugt, weil Werder „eine coole Truppe“ habe. Die eigene Coolness hat trotz der unglücklichen Beteiligung an beiden Stuttgarter Gegentoren und trotz des Phantom-Fouls in Köln nicht gelitten. Um Vestergaard sollte sich niemand Sorgen machen.
Nervenstärke: *****

Papy Djilobodji: Ein unsicherer Kandidat. Bei dem Innenverteidiger aus dem Senegal schleichen sich immer wieder Leichtsinns- und Konzentrationsfehler ein. Seine Kopf-ab-Geste gegen Mainz zeugt zudem vom Hang, auch mal die Nerven zu verlieren.
Nervenstärke: ***

Theodor Gebre Selassie: Vom Tschechen weiß man, dass er sehr viel grübelt, dass ihn eigene Fehler belasten. Riskiert er deshalb so selten etwas nach vorne? Der Rechtsverteidiger braucht mehr Überzeugung. Für ihn spricht, dass er sich an einer Aufgabe auch festbeißen kann – wie gegen Stuttgarts Kostic, den er erst gar nicht und dann total in den Griff bekam. Es war ein Schlüsselduell beim 6:2-Sieg.
Nervenstärke: ***

Santiago Garcia: Eine Wundertüte. Bei Garcia, dessen Einsatz wegen der Gehirnerschütterung noch fraglich ist, weiß man nie, woran man ist. Manchmal hat er seine Nerven überhaupt nicht im Griff, begeht dann übermotiviert haarsträubende Fouls, macht Fehler. Manchmal spielt er ganz abgeklärt. Aber die Gefahr ist immer gegeben, dass ihn die Wildheit beherrscht.
Nervenstärke: ***

Florian Grillitsch: Die Ruhe selbst – jedenfalls abseits des Platzes. Auf dem Spielfeld auch nicht gerade ein Nervenbündel, aber der 20-Jährige sucht derzeit nach seiner Form. Das kann verunsichern.
Nervenstärke: ****

Clemens Fritz: Nervenschwach? Vielleicht bei Elfmetern, die mag Fritz nicht so gerne. Aber sonst ist der 35-Jährige der Situation natürlich gewachsen.
Nervenstärke: *****

Levin Öztunali: Der Jüngste im Team (20 Jahre und zwei Monate) hat noch viel mit sich selbst zu kämpfen. Das Talent ist riesig, die Konstanz aber gering. Hat sich in wichtigen Spielen selten hervorgetan. Ausnahme: die Gala gegen Stuttgart.
Nervenstärke: **

Janek Sternberg: Kann er Finale? Sternberg hat bislang nicht den Eindruck gemacht, dass die Gäule mit ihm durchgehen oder ihm die Knie weich werden. Allerdings ist die Situation am Samstag für ihn etwas völlig Unbekanntes.
Nervenstärke: ***

Zlatko Junuzovic: Die Nerven werden ihm sicherlich keinen Streich spielen. Junuzovic gehört zu den Abgebrühten im Team.
Nervenstärke: *****

Claudio Pizarro: Fünf Sternchen für den Super-Routinier? Sollte man meinen. Aber hatte sich da zuletzt nicht ein in Hamburg verschossener Elfmeter eingeschlichen? Dazu zwei vergebene Großchancen in Köln. Aber egal: Pizarro ist 37 Jahre alt, hat alles erlebt und ist ein Schlitzohr. Natürlich gibt’s für ihn die Höchstwertung.
Nervenstärke: *****

Wen würden Sie im Abstiegsfinale aufstellen?

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