Moisander ist bereit, die Bremer Defensive zu dirigieren

"Führungsrolle? Ich kann das"

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Niklas Moisander

Neuruppin - Von Carsten Sander. Die Begrüßung läuft noch auf Deutsch. Doch dann wechselt Niklas Moisander doch lieber ins Englische, weil’s leichter ist für ihn. Sechs Jahre Deutschunterricht in der Schule müssen erst wieder aufgefrischt werden, sagt der Neuzugang von Werder Bremen und lacht so, als ob das für ihn kein großes Problem wird.

Wird es wohl auch nicht, schließlich hat er schon Niederländisch und Italienisch gelernt, Englisch sowieso. Er ist wohl ein kleines Sprachentalent. Und ein großer Fußballer. So jedenfalls hat Werder-Geschäftsführer Frank Baumann den Innenverteidiger beschrieben. Gestern traf sich Moisander (30) im Trainingslager mit einer Journalistenrunde zum Interview – es wurde ein munteres Begrüßungsgespräch mit einem zugewandten, offenen und intelligenten Profi.

Sie haben fast Ihre gesamte Karriere in Holland verbracht, sind vor einem Jahr aber zu Sampdoria Genua gewechselt – und nun zu Werder. Werden Sie doch noch zum Weltenbummler oder was ist der Grund?

Niklas Moisander: Ein Grund ist die Bundesliga. Sie ist einer der größten Wettbewerbe der Welt. Es gibt immer volle Stadien, alles ist phantastisch organisiert. Der zweite Grund ist, dass Werder sich schon sehr lange um mich bemüht hat, dass sie mich unbedingt haben wollten. Es war mir wichtig, dass ich dieses Gefühl von ihnen bekommen habe. Das motiviert mich sehr.

Vor einem Jahr soll es auch schon die Möglichkeit gegeben haben, nach Bremen zu kommen. Sie haben Genua gewählt.

Moisander: Es gab nicht nur diese beiden Optionen, sondern auch noch andere. Ich wusste, dass Werder ein Auge auf mich hatte. Letztendlich war es eine Frage des Timings. Ich wollte eine Entscheidung fällen – und habe mich in dem Moment für Sampdoria entschieden.

Eine Entscheidung, die Sie nun revidieren.

Moisander: Wie Werder hatte auch Sampdoria eine schwierige Saison. Wir waren dem Abstieg nahe. Als ich dann von meinem Agenten gehört habe, dass Werder weiterhin interessiert ist, habe ich sofort gesagt: Das ist das, was ich machen möchte. Meiner Mentalität kommt Deutschland auch mehr entgegen als Italien. Hier sind die Dinge geregelter, das sehe ich schon jetzt in den ersten Tagen. Mir gefällt das, ich bin so. Ich hatte keine Zweifel, zu Werder zu wechseln.

Sie haben einmal erwähnt, dass Ihr Landsmann und ehemaliger Nationalmannschaftskollege Petri Pasanen (von 2004 bis 2011 in Bremen), Ihnen früher viel über Werder erzählt hat. Haben Sie vor dem Wechsel nochmal mit ihm gesprochen? 

Moisander: Nein, aber er hat tatsächlich immer sehr positiv über Werder geredet. Ich wusste, dass es grundsätzlich gut ist bei Werder. Auch Pekka Lagerblom (2004 - 2006 bei Werder unter Vertrag) hat mir etwas erzählt –- nie etwas Negatives. Von daher war der Wechsel eine leichte Entscheidung für mich.

Welche Hoffnungen verbinden Sie mit dem Wechsel?

Moisander: Mit Werder möchte ich besser abschneiden, als es der Club in der vergangenen Saison getan hat. Das ist ja klar. persönlich hoffe ich auf eine Saison ohne Verletzungen. Ich hatte in den vergangenen Jahren zu viele davon.

Aktuell befinden Sie sich in der Endphase einer Reha nach einer Sprunggelenk-OP Mitte Mai. Wie ist der Stand? 

Moisander: Die Reha verläuft gut, ich bin aber noch nicht wieder bei hundert Prozent. Wenn ich aber wieder fit bin, traue ich mir zu, eine Führungsrolle zu übernehmen.

Genau das sieht Sportchef Baumann in Ihnen. Sind Sie der geborene Anführer? 

Moisander: Dieser Führungsanspruch kommt mit der Erfahrung. Als ich mit 17 nach Holland gegangen bin, war das sicher noch nicht so (lacht). Aber als ich bei AZ Alkmaar gespielt habe und später auch bei Ajax, war es eine ganz natürliche Sache. Das ist so, wenn du in der Abwehrzentrale agierst. Ich glaube, ein Teil dieser Führungsqualität liegt vielleicht in meiner Mentalität, ein Teil kam mit der Erfahrung.

Werder hat nach dem Verlust von Jannik Vestergaard und Papy Djilobodji die Innenverteidigung neu bestücken müssen. Sie sind gekommen und Fallou Diagne. Zwei Neue für die Abwehrmitte – ist das ein Problem?

Moisander: Ich denke, damit kommen wir klar. Es kann auch gut sein, frisches Blut ins Team zu bekommen und einen neuen Konkurrenzkampf zu starten. Aber klar: Wenn die Saison startet, müssen wir bereit sein. Ich sehe aber nicht das Problem.

In Bremen ist man an sehr große Innenverteidiger gewöhnt. Per Mertesacker, Naldo, Vestergaard, Djilobodji – alle sind beinahe zwei Meter groß. Sie sind...

Moisander:...1,83 Meter.

Haben Sie da einen Trick, um trotzdem in Kopfballduellen zu bestehen? 

Moisander: Eine meiner Qualitäten ist es, das Spiel zu lesen. Und die Momente zu erkennen, wann ich zum Kopfball gehen sollte und wann nicht. Ich habe nunmal nicht die Größe, also muss ich andere Qualitäten nutzen. Ich denke, ich kann das.

Sie sind beidfüßig, haben Sie trotzdem eine bevorzugte Position in der Innenverteidigung? 

Moisander: Mitte links ist meine Lieblingsposition.

Werders Viererkette ist extrem international besetzt. Ein Tscheche, ein Spanier, ein Italiener, ein Senegalese, ein Argentinier, nun ein Finne – wie klappt es da mit der Kommumikation auf dem Platz?

Moisander: Erstmal auf Englisch. Aber ich denke, es ist sehr wichtig, auf dem Platz die Sprache des Landes zu sprechen, in dem man spielt. Es ist auch nicht so schwierig, die wichtigsten Begriffe zu lernen. Das solltest du schnell können. Ich denke, es liegt in der Verantwortung der Spieler, die wichtigsten Wörter zu beherrschen.

Bei Ihnen hilft noch das Schul-Deutsch? 

Moisander: Ein bisschen. Ich muss es verbessern. Ich habe aber auch Italienisch in einem Jahr ganz gut gelernt.

Sie sind der Kapitän der finnischen Nationalmannschaft, und gerade ist die EM in Frankreich zu Ende gegangen. Finnland war mal wieder nicht dabei – wie bisher bei jedem großen Turnier.

Moisander (seufzt): Ich weiß, ich weiß. Das tut weh. Es ist eine große Herausforderung für uns, das irgendwann zu ändern. Und so war es auch schon für Petri Pasanen und seine Generation. Es wird immer ein großer Traum von uns Finnen sein, es einmal so zu machen, wie Island es jetzt gemacht hat. Das war phantastisch zu sehen.

Der größte finnische Fußballer aller Zeiten war Jari Litmanen, ein Top-Star bei Ajax Amsterdam Mitte der 90er- Jahre. War er ein Grund, weshalb Sie als 17-Jähriger die Heimat verlassen haben, um in die Ajax-Talentschmiede zu wechseln?

Moisander: Ja, natürlich. Er war eines meiner Idole. Als Ajax 1995 alles gewonnen hat, war ich zehn Jahre alt, und Litmanmen war der erste finnische Spieler, der es nach oben geschafft hat. Das hat mich natürlich beeinflusst.

Mussten Sie Ihre Eltern damals überzeugen?

Moisander: Es ging ja nicht nur um mich, sondern auch um meinen Zwillingsbruder Henrik, einen Torwart. Wir sind zusammen zu Ajax gewechselt. Es war kein Kampf mit meinen Eltern, weil sie sich natürlich gefreut haben, dass sich ihren Söhnen so eine einmalige Chance bietet. Aber für meine Mutter war es hart, beide Jungs gehen zu lassen.

Wie ging es weiter in Ihrer beiden Karrieren?

Moisander: Unser Traum war, es zu den Ajax-Profis zu schaffen. Das hat leider nicht geklappt. Nach drei Jahren bei Ajax II ist Henrik über Schweden zurück nach Finnland, ich bin zu PEC Zwolle in die zweite niederländische Liga gewechselt und habe zwei Jahre lang jedes Spiel gemacht. Das war sehr wichtig, in der Zeit habe ich viel gelernt. Dann habe ich den Schritt zu AZ Alkmaar gemacht.

Und vier Jahre später ging es zurück zu Ajax. Wo auch Petri Pasanen einst gespielt hat. Haben Sie noch Konktakt zu ihm? Ist er ein Freund?

Moisander: Er ist ein bisschen älter als ich, eine andere Generation. Aber er ist ein prima Typ. Ich glaube, er lebt jetzt in Lahti, wo er Anfang des Jahres auch seine Karriere beendet hat. Er arbeitet jetzt als Kommentator für das finnische Fernsehen und ist richtig gut. Während der EM war er jeden Tag im finnischen Fernsehen. Und er hat eine Menge Kinder, sechs Stück. Also, ich glaube, er hat gut zu tun.

Was ist mit Ihrer Familie? 

Sie haben eine Lebensgefährtin und eine eineinhalb Jahre alte Tochter. Wird Bremen der gemeinsame Lebensmittelpunkt? Moisander: Auf jeden Fall. Noch sind die beiden in Italien, aber wir werden uns in Bremen ein Zuhause suchen.

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