Werder-Coach Skripnik im Abstiegskampf quasi entmachtet / Trainerfrage spaltet den Club

Die Mannschaft rettet sich selbst

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Viktor Skripnik bejubelt den Klassenerhalt und hofft auf weitere Werder-Jahre.

Bremen - Von Björn Knips und Malte Rehnert. Die Freude im Gesicht von Viktor Skripnik war nicht zu übersehen. Soeben hatte ihm der TV-Reporter von Sport1 berichtet, dass Werder weiter mit ihm als Cheftrainer plant. Sportchef Thomas Eichin hätte das kurz zuvor verraten. Eine schöne Nachricht für Skripnik am Rande des U 19-Spiels gegen Hoffenheim gestern Mittag in Oberneuland. Nur stimmte sie leider nicht so ganz.

Noch ist nämlich nichts entschieden. Auf Nachfrage verwies Eichin etwas genervt auf die angekündigte Saisonanalyse mit dem Trainer. Ob Skripnik danach bleiben darf, liegt auch in den Händen des Aufsichtsrats. Es gibt einen Machtkampf bei Werder, der mit interessanten Informationen aus Spielerkreisen weiteren Zündstoff bekommt.

Nach dem geschafften Klassenerhalt durch den 1:0-Sieg gegen Frankfurt ließen es Mannschaft und Trainer am Samstagabend richtig krachen. Erst bei einem gemeinsamen Essen im Restaurant Allegria, dann mit viel Tanz in der Disco La Viva. Mittendrin Viktor Skripnik. Werder trat als Einheit auf – genauso wie zuletzt im Abstiegskampf. Und Kapitän Clemens Fritz betonte gestern vor Journalisten: „Wir haben nach dem Augsburg-Spiel gesagt, dass wir mit Viktor weitermachen wollen und hinter ihm stehen. Es ist nicht so, dass wir die Klasse gehalten haben und jetzt komplett unsere Meinung ändern.“ Was er nicht sagte: Die Mannschaft hat sich damals intern nicht für Skripnik ausgesprochen, sondern nicht gegen ihn. Das ist ein kleiner, aber feiner Unterschied. Die Spieler wollten nicht der Königsmörder sein, als sie nach dem 1:2-Schock gegen Augsburg von Sportchef Eichin zur Zukunft des Trainers befragt wurden.

Auch jetzt sprechen Spieler offiziell nur gut über Skripnik. Inoffiziell hört sich das aber ganz anders an. Der Trainer habe kein Spielkonzept, keine klare Linie bei Personalentscheidungen und kein Trainingsprogramm, das die Mannschaft weiterbringt, heißt es da. Das habe sich erst in den letzten Wochen geändert – durch Intervention von außen. Die Mannschafft habe quasi das Zepter übernommen – mit Führungsspielern wie Clemens Fritz und Claudio Pizarro an der Spitze. Zudem wurde Sportpsychologe Prof. Dr. Andreas Marlovits ganz eng zu den Profis geholt – gegen den Willen von Skripnik. Der 46-Jährige wollte keine Hilfe von außen, sondern so weitermachen wie bisher. Doch da machte die Mannschaft nicht mit. Genauso wenig wie Eichin. Der Sportchef hatte sich in der Saison schon häufiger eingemischt und Skripnik gezwungen, Abläufe zu verändern und sein öffentliches Auftreten zu überdenken. Gebracht hat es wenig. Skripnik hat sich nicht geändert. „Er wird sich auch nicht ändern, weil er sich nicht ändern will“, sagt ein Spieler, der natürlich nicht genannt werden will. Ansonsten wäre er wohl seinen Job los.

Ehrenpräsident Fischer pro Skripnik

Um den Job geht es auch bei Skripnik. Sein Vertrag läuft noch ein Jahr. Und er hat trotz der sportlich äußerst bescheidenen Saison mit der ganz späten Rettung in der 88. Minute namhafte Fürsprecher im Club. „Ich persönlich halte ihn weiterhin für den richtigen Mann. Er ist ein junger Trainer, der sich weiterentwickeln wird. Er hat einen unglaublichen Fußballverstand. Er hat hervorragende Co-Trainer. Etwas Besseres kann dem Verein gar nicht passieren“, legte sich Ehrenpräsident Klaus-Dieter Fischer nach dem Frankfurt-Spiel bei Radio Bremen fest. Der 75-Jährige, bis 2014 Präsident und Geschäftsführer bei Werder, hat immer noch viel Einfluss. Auch auf den Aufsichtsrat. Wobei Skripnik dort ohnehin gute Karten besitzt. Aufsichtsratschef Marco Bode hatte sich erst kürzlich für seinen ehemaligen Mitspieler stark gemacht und mehr Anerkennung gefordert. Auch ein Großteil der anderen fünf Mitglieder des Kontrollgremiums ist pro Skripnik.

Das sorgt für einen Machtkampf im Verein. „Die Geschäftsführung entscheidet“, stellte Eichin gestern unmissverständlich klar. Er gilt nicht als Skripnik-Freund. Das Verhältnis der beiden ist unterkühlt. Angeblich soll sich Eichin schon nach anderen Trainern erkundigt haben – darunter auch Andre Breitenreiter, der beim FC Schalke 04 nicht mehr gebraucht wird.

Eichin ist aber nicht der einzige im Club, der dem Trainer kritisch gegenübersteht. Zum Beispiel ist auch aus dem Nachwuchsleistungszentrum wenig Gutes über Skripnik zu hören. Denn der Ukrainer hat sich dort seit seinem Aufstieg zum Chefcoach vor anderthalb Jahren kaum noch blicken lassen. Gestern war er allerdings vor Ort, als die U 19 um den Einzug ins Endspiel der Deutschen Meisterschaft kämpfte. Er erlebte in Oberneuland eine 0:2-Niederlage gegen Hoffenheim und damit nach der 1:3-Hinspielpleite das Aus der Bremer Jungs. Seine Stimmung war trotzdem gut. Dank des Reporters von Sport1. „Super, ich freue mich“, meinte Skripnik zur vermeintlichen Jobgarantie von. Ein bisschen skeptisch war der 46-Jährige dann doch. Auch er verwies auf die Saisonanalyse. Immerhin hätte ihm ein kurzes Gespräch am Morgen mit Eichin Mut gemacht: „Die Tendenz ist, dass wir weitermachen.“ Klarheit gibt es aber noch nicht.

Erlösung in der 88. Minute

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