Ehrenpräsident Fischer fordert Trainer-Verbleib und kritisiert Sportchef Eichin

Machtkampf um Werder-Coach Skripnik

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Werder-Coach Viktor Skripnik

Bremen - Von Björn Knips. Zwei Tage lang wollte sich Sportchef Thomas Eichin in eine dunkle Kammer zurückziehen und die Stimmung nach der Werder-Rettung genießen. Erst dann würde er sich mit der Trainerfrage beschäftigen, sagte er. Doch die Ruhe ist schon vorbei – die Diskussion um die Zukunft von Viktor Skripnik hat längst begonnen.

Und zwar nicht nur bei den Fans und in den Medien, sondern auch bei Werder selbst. Ehrenpräsident Klaus-Dieter Fischer preschte nur wenige Stunden nach dem 1:0-Sieg gegen Frankfurt in einem Interview mit Radio Bremen vor, stützte dabei Skripnik und kritisierte indirekt die Geschäftsführung – also auch Eichin. Außerdem herrscht im Club eher die Meinung, das Kapitel Skripnik zu beenden und einen neuen Trainer zu holen. Es kündigt sich ein Machtkampf an. Die nächsten Tage dürften sehr, sehr spannend und alles andere als ruhig werden.

„Wir können jetzt nicht weitere drei Jahre gegen den Abstieg spielen“, sagte der 75-jährige Fischer und blickte mahnend zurück: „Ich erinnere mich an die 1970er-Jahre, wo es genauso war. Da haben wir auch immer gegen den Abstieg gespielt, haben immer gerade noch die Kurve gekriegt. Aber irgendwann hat es uns erwischt. Deshalb muss jetzt nach der Freude heute irgendwann das Nachdenken beginnen.“ Fischer selbst hat schon nachgedacht und dabei festgestellt: „Es gibt eine ganze Reihe von Baustellen: Wir haben eine sinkende Mitgliederzahl. Wir müssen uns überlegen: Warum passiert das? Wir müssen uns fragen, ob wir im Trainerbereich richtig aufgestellt sind.“

Auf die letzte Frage hat Fischer, der bis 2014 Präsident und Geschäftsführer des SV Werder war, eine klare Antwort: „Viktor Skripnik ist mein Trainer. Ich finde aber, dass er nicht genügend unterstützt worden ist. Zum Beispiel in der Auseinandersetzung mit der Presse. Er ist ein junger Trainer, er ist nicht darauf vorbereitet gewesen.“ Das zielt schon in Richtung Eichin, der als Sportchef Skripniks direkter Vorgesetzter ist. Allerdings hat Eichin immer wieder versucht, dem Trainer zu helfen. Er hat die Wogen geglättet, wenn sich Skripnik von den Medien mal wieder missverstanden fühlte. Letztlich hat er dem Ukrainer sogar fast die komplette Medienarbeit abgenommen, ihn öffentlich immer wieder gestärkt und ihn in der tiefsten sportlichen Krise nach dem 1:2-Schock gegen Augsburg nicht – wie eigentlich von allen erwartet – rausgeworfen. Er hat auch dessen Rücktrittsangebot abgelehnt.

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Die Ergebnisse danach waren nicht schlecht. Zehn Punkte holte Werder im Endspurt. Das reichte zum Klassenerhalt. Aber war das allein Skripniks Verdienst? Lag das nicht auch an dieser besonderen Unterstützung in Bremen? Oder vielleicht auch im dazu geholten Sportpsychologen Prof. Dr. Andreas Marlovits? Skripnik sei gegen diese Hilfe von außen gewesen, heißt es. Der 46-Jährige gilt als beratungsresistent – ein Sturkopf eben. Den Fans und Medien zu Beginn seiner Amtszeit im Oktober 2014 wegen seiner besonderen Art liebten. „Er hatte den Vorteil, dass er auf einmal fünf Spiele hintereinander gewonnen hat. Da war alles wunderbar. Und als er dann verlor, war auf einmal seine Sprache Schuld daran, dass er nicht mehr ankam. Ich denke, da hat der Verein die Verpflichtung, ihm zu helfen“, meinte Fischer und ließ deutliche Worte folgen: „Ich persönlich halte ihn weiterhin für den richtigen Mann. Er ist ein junger Trainer, der sich weiterentwickeln wird. Er hat einen unglaublichen Fußballverstand. Er hat hervorragende Co-Trainer. Etwas Besseres kann dem Verein gar nicht passieren.“

Worte, die so manchem im Verein nicht schmecken werden. Vor allem nicht Eichin. Für ihn wird es so nicht leichter, eine objektive Entscheidung in der Trainerfrage zu fällen. Fischer hat zwar als Ehrenpräsident kein offizielles Mitspracherecht, aber immer noch viel Einfluss. Auf ihn wird gehört. Auch im Aufsichtsrat. Und in diesem Gremium war die Stimmung bislang ohnehin eher pro Skripnik. Vor einer Woche hatte Aufsichtsratschef Marco Bode im Gespräch mit dieser Zeitung moniert: „Viktor stand enorm unter Druck und hat es trotzdem hinbekommen, die Mannschaft optimal auf die Spiele vorzubereiten. Das muss auch mal gewürdigt werden. Viktor hat mehr Anerkennung verdient.“ Die bekommt er nun – allerdings wieder nicht von den Medien und auch nicht von den Fans. „Skripnik, Skripnik“-Rufe waren im und nach dem Frankfurt-Spiel nicht zu hören.

In den diversen Internet-Foren ist die Stimmung eher gegen Skripnik. Natürlich ist das nicht repräsentativ. Und die Medien? Schon am Tag nach der Rettung legte sich zum Beispiel der „Weser Kurier“ fest und kommentierte: „Werder steht vor einer Herausforderung, die Viktor Skripnik – das hat die Spielzeit bewiesen – nicht stemmen kann. (. . .) Jetzt muss der Schnitt gemacht werden.“ Doch so einfach wird das nicht, obwohl Werder eine der schlechtesten Spielzeiten in der Vereinsgeschichte erlebt hat und der Relegation erst in der 88. Minute entrinnen konnte. Es wird einen Machtkampf im Club geben, der Ausgang ist offen.

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