Ein bemerkenswertes Geständnis

Thy muss ganz schön kämpfen

Aller Anfang ist schwer – sogar beim Ex-Club: Diese Erfahrung musste Lennart Thy bei Werder machen. - Foto: nordphoto

Bremen - Vier Jahre war er weg. Nicht wirklich weit, nur so 100 Kilometer. Hamburg hieß seine Wahlheimat. Genauer gesagt St. Pauli. Das ist an dieser Stelle durchaus wichtig zu betonen, denn es gab da noch eine Distanz – die zwischen der ersten und der zweiten Liga. Eine gefühlt viel größere Distanz als die räumliche – und offenbar viel entscheidender bei der Eingewöhnung von Lennart Thy beim SV Werder.

Mit der Rückkehr nach Bremen ist der 24-Jährige aufgestiegen. Doch die vermeintliche Aufstiegseuphorie hat sich schnell verabschiedet. „Ich habe mich am Anfang hier schon schwer getan. Ich hatte es mir einfacher vorgestellt reinzukommen. Da hatte ich meine Probleme“, gesteht Thy. Es sind durchaus bemerkenswerte Worte eines Fußball-Profis. Denn sie sind selten in einem Geschäft, in dem gerne ausschließlich Stärke demonstriert wird.

Thy ist aber lieber ehrlich und sagt: „Es ist natürlich eine Umstellung. Andere Mitspieler, das Niveau ist anders. Wäre ja auch schlimm, wenn es nicht so wäre. Daran musste ich mich eben gewöhnen.“ In der Vorbereitung war das gut zu sehen. Thy kämpfte zwar verbissen, doch der Erfolg – vor allem der Torerfolg – wollte sich nicht einstellen. Erst nach fast einem Monat gelang dem Mittelstürmer sein erster Treffer, der aber immerhin gegen den FC Chelsea (2:4).

„Ich bin jetzt gut dabei“, urteilt Thy – und beweist, dass er nicht nur selbstkritisch, sondern auch selbstbewusst ist. Speziell, wenn es um einen Platz in der Startelf am Sonntag im Pokal bei den Sportfreunden Lotte geht. „Das traue ich mir auf jeden Fall zu. Ich bin bereit für einen Einsatz“, stellt der Angreifer klar. Ganz so forsch hätte Thy das sicher nicht gesagt, wenn Claudio Pizarro fit wäre. Denn die Rollenverteilung im Sturmzentrum, wo sich der Rückkehrer am besten aufgehoben fühlt, ist für ihn eindeutig: „Dass es hinter Claudio Pizarro um die beste Position geht, ist doch klar. Da gibt es ein paar Kandidaten mit Aron Johannsson, Johannes Eggestein und mir. Da werden wir uns einen Kampf liefern.“ Einen knallharten? „Einen gesunden“, sagt Thy und lächelt dabei.

Eigentlich sitzt er in der Pole Position. Johannsson war fast ein ganzes Jahr verletzt. Johannes Eggestein ist mit 18 Jahren noch sehr jung. Außerdem haben beide für Werder noch nie im Pokal gespielt. Thy hat dagegen schon einen Einsatz auf seinem Konto, sogar einen Assist. An diesen 30. Juli 2011 mag er dennoch nicht so gerne denken. Schließlich blamierte sich Werder damals beim Drittligisten 1. FC Heidenheim, schied nach einem 1:2 aus. Die enttäuschten Fans blockierten anschließend den Bus. Dass Thy seinem Sturmpartner Markus Rosenberg das 1:0 aufgelegt hatte, interessierte da verständlicherweise niemanden mehr. Auch Thy ist es egal. Bei seinem zweiten Anlauf in Bremen will er erfolgreicher sein – nicht nur am Sonntag im Pokal. - kni

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