Ex-Rivalen vereint

Lemke feiert mit Hoeneß seinen 70. Geburtstag

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Willi Lemke (r.) und Uli Hoeneß

Bremen - Es war eine der größten Fußball-Feindschaften in der Bundesliga. Willi Lemke und Uli Hoeneß haben sich bekämpft, wo es nur ging – nur nicht auf dem Platz. Schließlich waren sie Manager. Lemke beim kleinen SV Werder, Uli Hoeneß beim großen FC Bayern. Doch plötzlich ist die Feindschaft vorbei, Hoeneß war heute so etwas wie der Überraschungsgast beim 70. Geburtstag von Lemke.

Überraschend allerdings eher für die Öffentlichkeit, weniger für Lemke. Er hatte seinen Ex-Rivalen selbst zum Empfang im VIP-Bereich des Weserstadions eingeladen. Gewundert hat sich Hoeneß über die Einladung nicht. „Es hat mich gefreut. Unser Verhältnis hat sich ja seit fast einem Jahr total entspannt, sehr gebessert und prima entwickelt“, sagte der 64-Jährige im Gespräch mit der Kreiszeitung und verriet: „Ich hatte ihn nach meinem Gefängnisaufenthalt angerufen und mich bei ihm bedankt, dass er die Zeit vor dem Urteil und danach nicht genutzt hat, um auf mich, der nun mal am Boden lag, draufzutreten. Das wäre ein Leichtes gewesen für ihn, das zu tun. Der eine oder andere hat es gemacht, aber wenige. Und dafür habe ich mich bei Willi Lemke, aber übrigens auch bei Christoph Daum bedankt.“ Daraus habe sich ein Dialog mit Lemke ergeben mit mehreren Treffen, „und das Ergebnis ist, dass ich heute hier bin“.

Hoeneß war im März 2014 wegen Steuerhinterziehung zu einer Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren verurteilt worden. Seit Ende Februar ist er wieder auf freiem Fuß, die Reststrafe wurde zur Bewährung ausgesetzt. Nun steht Hoeneß vor einem Comeback bei den Bayern, dort soll er wieder Präsident werden. Lemke als Gegner wird er dann nicht mehr haben, der 70-Jährige wird Ende des Jahres sein letztes Amt bei Werder niederlegen und aus dem Aufsichtsrat scheiden. Hoeneß findet es schade, dass es Personen wie Lemke im Fußball kaum noch gibt.

„Heutzutage traut sich ja kaum noch jemand, die eigene Meinung oder die Wahrheit zu sagen, weil sie damit rechnen müssen, dass anschließend gleich ein Shitstorm entsteht. Das glauben manche, nicht zu überleben“, meinte Hoeneß und behauptete: „Was wir früher miteinander ausgetragen haben, ist heute gar nicht mehr möglich, weil die meisten viel zu sehr darauf achten, wie schaue ich dabei aus, wie komme ich weg in den Medien und Foren. Da fehlen mir dann schon Leute wie Heribert Bruchhagen, Willi Lemke oder auch Rudi Assauer. Es ist erstens unterhaltsam und gibt zweitens dem einen oder anderen auch den Anstoß, über das eine oder andere nachzudenken.“

Empfang zu Lemkes 70. Geburtstag

Hoeneß war mit seiner Kritik an der Moderne damit noch nicht fertig: „Heutzutage wird sehr vieles ja vorher chemisch gewaschen, bevor man irgendwas sagt. Manche wollen ja vor Interviews sogar die Fragen zugeschickt haben. Das ist etwas, was ich nie gemacht habe und nie machen werde.“ Beim Duell mit Lemke sah sich Hoeneß vor 30 Jahren in der Verteidigerposition, „er hat voll angegriffen“. Den Vergleich arm gegen reich, den Lemke stets bemühte, „habe ich nie verstanden“, sagte Hoeneß: „Ich glaube nicht, dass der FC Bayern vor 30, 40 Jahren irgendeine reiche Erbtante hatte oder irgendwas im Lotto gewonnen hatte. Das ist alles hart erarbeitet. Die Chancen dahinzukommen, die gab‘s in Hamburg, in Berlin, in Frankfurt und Köln oder Düsseldorf.“

Bei Lemke gefiel ihm damals vor allem nicht, „dass er Fußball zu seiner politischen Schauspielbühne gemacht hat“. Und die eine oder andere Spitze habe ihn auch durchaus getroffen. Doch inzwischen kann er durchaus nachvollziehen, wie sich die Dinge damals entwickelt haben. „Er kam aus Bremen, da war eine sehr linke Szene, eine relativ linke Presse, die ihm Beifall geklatscht hat. Ich weiß ja selber, wenn man mal so in Schwung ist und überall Beifall bekommt, dann schießt man auch mal über das Ziel hinaus“, meinte Hoeneß.

Aus Feinden sind vielleicht nicht gleich Freunde geworden, aber der Respekt ist da. Hoeneß griff nach seiner Gefängnisstrafe zum Hörer, wie er berichtete, „um so etwas zu begraben, um diese Animositäten zu beenden“. Und natürlich hatte Hoeneß auch ein Geschenk dabei, ein ganz besonderes: „Wir vom FC Bayern, haben von einem brasilianischen Künstler einen Ball anfertigen lassen.“ Mit einem großen Herzen darauf. So sieht Versöhnung im Fußball aus.

csa/kni

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