Werder zahlt 7,5 Millionen Euro für den Rückkehrer

Max Kruse – ein Neuanfang in der alten Heimat

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Max Kruse posiert vor dem Werder-Logo und präsentiert sichtlich stolz seine neue Arbeitskleidung: Der Rückkehrer erhält in Bremen die Nummer „10“.

Bremen - Von Malte Rehnert und Björn Knips. Um exakt 18.29 Uhr war das Ding gestern Abend durch. Werder vermeldete auf seiner Homepage die durchaus spektakuläre Rückkehr von Max Kruse nach Bremen. Garniert mit dem Foto eines strahlenden Spielers, der das grün-weiße Trikot mit seiner neuen Rückennummer „10“ in die Kameras hält.

Und der sich riesig freut, dass der Transfer geklappt hat: „In Bremen finde ich sehr gute Rahmenbedingungen vor, um wieder durchzustarten. Ich habe bei diesem Transfer auf mein Bauchgefühl und Herz gehört“, sagte der 28-Jährige, für den Werder 7,5 Millionen Euro (plus mögliche Bonuszahlungen) an den VfL Wolfsburg überweist. Damit ist der Stürmer – gemeinsam mit Wesley – der drittteuerste Einkauf der Bremer Vereinsgeschichte nach Marko Marin (8,5) und Carlos Alberto (7,8).

Erst die Arbeit: Max Kruse beim Medizincheck.

Bevor er seine Unterschrift unter einen Vierjahresvertrag setzte, hatte Kruse den Medizincheck bestanden und letzte Details mit Werder geklärt. Mit geschätzten drei Millionen Euro Gehalt ist der deutsche Nationlaspieler (14 Einsätze, vier Tore), der in Wolfsburg fast das Doppelte kassierte, nun der Topverdiener bei Werder. Der Altbekannte kann und soll ein neues Gesicht des Clubs werden, wünscht sich Sportchef Frank Baumann: „Wir haben hier viele Identifikationsfiguren. Er kann da durchaus auch reinwachsen. Fußball-Deutschland kennt Max und weiß, welche Fähigkeiten er hat.“

Seit vier Wochen habe er an dem Deal mit dem passionierten Pokerspieler Kruse gearbeitet, verriet Baumann. Zunächst hatte Werder beim Werben eher schlechte Karten. Kruse war sogar schon in Istanbul, um einen Wechsel zu Galatasaray abzuklopfen. Doch daraus wurde dann nichts – auch wegen der politischen Lage in der Türkei. Andere Interessenten, die das fürstliche Salär stemmen konnten oder wollten, fanden sich offenbar nicht. Fast nicht. Kruse soll bei chinesischen Clubs auf dem Zettel gestanden haben, wollte dort aber nicht hin. Und plötzlich war Werder wieder mittendrin im Spiel.

Am Montag empfing Wolfsburgs Sportchef Klaus Allofs seine früheren Bremer Kollegen, die Werder-Geschäftsführer Baumann und Klaus Filbry, und zurrte den Transfer fest. „Wenn ich nicht mit meinen ehemaligen Kollegen klarkomme, mit wem denn dann?“, witzelte Allofs, der mit der Einigung bestens leben kann: „Ich denke, es ist eine Win-Win-Situation.“ Neben der fixen Ablöse können die „Wölfe“ sogar noch Nachschläge kassieren. Wenn Kruse eine gewisse Anzahl an Einsätzen erreicht oder Werder ihn weiterverkauft.

Werder-Zugänge zur Saison 2016/2017

Die eine Saison beim VfL, der für Kruse 2015 satte zwölf Millionen Euro an Borussia Mönchengladbach überwiesen hatte, war für alle Beteiligten ziemlich unbefriedigend. „Ein unglückliches Jahr“, urteilte Allofs rückblickend. Kruse wurde nicht mehr für die Nationalelf nominiert – vor allem, weil er negative Schlagzeilen abseits des Platzes produzierte. Nach einem Pokerturnier in Berlin vergaß er seinen Gewinn (60 000 Euro) in einem Taxi. Auch sonst hat der 28-Jährige eher das Image eines Lebemanns. Doch Werder schreckt das nicht ab. „Wir kennen Max auch als Menschen und Person und haben da keine Bedenken“, betonte Baumann, ergänzte jedoch noch: „Wir erwarten, dass er sich mit vollem Einsatz und voller Leidenschaft wieder für Werder einsetzt.“

Dann das Vergnügen: Kruse (links) und Sportchef Frank Baumann bei der Vertragsunterschrift. - Fotos: nordphoto

Dafür haben die Bremer Kruse geholt. „Zurück nach Hause. Hier hat er seine ersten Schritte als Profi gemacht“, erinnerte Baumann an die Anfänge des Angreifers bei Werder. Von 2006 (als Jugendspieler) bis 2009 trug er das grün-weiße Trikot, konnte sich in der mit Stars gespickten Truppe aber nicht durchsetzen. Sein einziger Bundesliga-Einsatz (in dem er als „Joker“ ein Tor von Markus Rosenberg vorbereitete) war beim 8:1 gegen Arminia Bielefeld am 29. September 2007. Über den FC St. Pauli (2009 bis 2012) und den SC Freiburg (2012/2013) zog es ihn dann nach Gladbach, wo er zum gefeierten Nationalspieler und erfolgreichen Stürmer-Star aufstieg.

Und genau da will Kruse auch wieder hin. Mit Werder, sagte er: „Ich bin überzeugt, dass wir hier sportlich etwas aufbauen können – und ich möchte versuchen, dabei zu helfen, dass der Verein wieder zu alter Stärke zurückfindet.“ Da kann so einer wie Kruse nicht schaden, meint dessen Sturm-Kollege und -Konkurrent Aron Johannsson. Schon vor der Verkündung des Transfers hatte der US-Isländer geurteilt: „Das ist ein großer Name. Ein Mann mit internationaler Klasse. Er würde uns sicher helfen und wäre sehr gut für das Team.“

Trainer Viktor Skripnik sieht’s genauso und sagte gegenüber werder.de: „Wir freuen uns, dass er wieder für Werder aufläuft. Und wir sind uns sicher, dass er sofort seine Präsenz auf den Platz bringen kann.“ Heute allerdings noch nicht. Kruse reiste gestern Abend nach Wolfsburg, um ein paar Formalitäten zu erledigen und sich zu verabschieden. Beim Werder-Training am Vormittag ist er nicht dabei. Er wird erst mittags zurückerwartet und dann um 15.30 Uhr im Rahmen einer Pressekonferenz offiziell vorgestellt.

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