Max Kruse über seine Ziele, seine Position und Justin Bieber

„Ich will den Spaß am Fußball zurück“

+
Max Kruse zurück in Bremen

Bremen - Von Malte Rehnert. Auf das Ballhochhalten, das neue Spieler oft auf dem Rasen des Weserstadions für die Fotografen und Kamerateams vollführen, verzichtete Max Kruse.

Auch das neue weiße Eventtrikot, das Werder im Testspiel gegen Chelsea am Sonntag erstmals überstreifen wird, trug der 28-jährige Werder-Rückkehrer nicht am Leib. Der Offensivmann, den die Bremer tags zuvor für 7,5 Millionen Euro vom VfL Wolfsburg geholt hatten, hielt es aber mal kurz hoch – und grinste breit. Sein Look: lässig. Schwarze Turnschuhe, hochgekrempelte schwarze Jeans, schwarz-weißes Karohemd, weißes Shirt. Sein Auftritt bei der Pressekonferenz mit Sportchef Frank Baumann: auch lässig. Und cool. Und insgesamt gut. Kruse trat selbstbewusst, aber nicht überheblich auf und sprach 35 Minuten lang über...

...seinen Wechsel

Er hatte im Ausland andere Optionen, betonte Kruse – finanziell bessere. „Aber Geld steht für mich nicht an wichtigster Stelle. Leidenschaft und Herz müssen auch mitentscheiden. Außerdem: Warum soll ich weglaufen, mich verstecken? Ich bin in Deutschland groß geworden.“ Werder bedeutet für ihn keinen Karriereknick, beteuerte er: „Der Verein hat eine einzigartige Tradition. Man kann eine Menge erreichen, wenn man sich wohl fühlt und die Chemie im Team stimmt. Ich will mir auch selbst beweisen, dass ich besser spielen kann als vergangene Saison. Ich will hier den Spaß am Fußball zurück.“ Nach den Gesprächen mit Baumann und Chefcoach Viktor Skripnik war ihm „schnell klar, dass ich das machen möchte. Der Verein glaubt an mich.“

....den VfL Wolfsburg

Das eine Jahr beim VfL ist für Kruse „nicht optimal gelaufen“, gestand er: „Trotzdem war ich noch Top-Scorer (insgesamt neun Tore und zwölf Vorlagen in allen Wettbewerben, d. Red.). Es war sicher nicht meine beste Saison, aber es war auch nicht totaler Bullshit.“ Dass er wegwollte aus Wolfsburg, mochte Kruse nicht näher thematisieren: „Ich denke nur noch an die Zukunft und lasse die Vergangenheit hinter mir.“

...seine Fitness

Wie in jeder Sommerpause habe Kruse mit seinem eigenen Fitnesstrainer gearbeitet – und ist mit dem Ergebnis zufrieden: „Ich habe bei Wolfsburg jede Trainingseinheit mitgemacht und bin körperlich in einem guten Zustand. Ich bin zwar noch nicht bei 100 Prozent – aber das ist doch keiner in dieser Phase der Vorbereitung auf die Saison.“

...seine neue Rolle

Mittelstürmer, Flügelspieler, hängende Spitze oder „Zehner“ – für Kruse alles bekannte Positionen. Welche er davon in Bremen spielen soll, ist noch offen. „Der Trainer hat mir noch nicht explizit gesagt, was er mit mir vorhat“, erklärte er: „Es gilt jetzt, das perfekte System zu finden.“ Auf jeden Fall wird Werder intensiv eine Vari-ante mit zwei Spitzen testen. Baumann dazu: „In den nächsten Tagen und Wochen wird sicher etwas einstudiert, auch mit zwei Stürmern.“

...seine Werder-Ziele

Bei seinem ersten Engagement in Bremen (2006 bis 2009) schaffte Kruse den Durchbruch nicht, brachte es lediglich auf ein Bundesligaspiel. Nun denkt er deutlich größer und will nicht nur Stammspieler sein. „Ich will hier meinen Teil dazu beitragen, dass Werder wieder erfolgreiche Zeiten hat – und der Verein dahin kommt, wo er mal war.“ Und er will zurück in die deutsche Nationalmannschaft: „Jeder, der da mal war, möchte dort wieder hin. Ich bin im besten Fußballeralter. Natürlich träume ich davon und werde alles tun, damit ich wieder eine Alternative bin.“

...die Nebengeräusche

Es gab im vergangenen Jahr einige negative Schlagzeilen über Kruse, die nichts mit Fußball zu tun hatten. Der Poker-Freund gilt als Lebemann, sieht sich selbst aber „nicht als schwierigen Typen“ an. Baumann betonte erneut, keine Sorge zu haben, dass Kruse über die Stränge schlägt: „Max ist ein Vollprofi, der den Fußball liebt und viel dafür gibt. Wir nehmen ihn so, wie er ist. Er wird auch in der Kabine eine gute und wichtige Rolle spielen. Ich habe keine Bedenken, dass Dinge passieren, die den Verein belasten.“

...Bremen

Kruse erinnert sich noch an „sehr schöne Ecken“ in der Stadt: „Besonders gefällt mir die Schlachte – wenn das Wetter gut ist.“ Eine Bleibe hat er noch nicht gefunden, „aber ich suche und gucke auch im Internet. Der Weg zum Training sollte auf jeden Fall nicht zu weit sein.“

...die „10“

Der 28-Jährige hat schon einige Rückennummern durch. Bei Werder trug er die „36“, bei St. Pauli die „18“ (und bei einigen Spielen in der Zweiten auch mal die „5“), beim SC Freiburg die „20“, bei Borussia Mönchengladbach die „10“ und zuletzt beim VfL Wolfsburg die „11“. In der Nationalmannschaft zudem die „24“ (U 21) sowie die „14“ und die „23“ (A-Team). Angefangen hatte im Herrenbereich alles mit der magischen „10“, die bekam Kruse damals in Werders U 23 – und die war nach Levent Ayciceks erneuter Ausleihe an 1860 München nun unbesetzt. Da griff Kruse zu. „Die einzige freie Nummer war es, glaube ich, nicht“, scherzte er: „Aber es ist schon so, dass es meine Lieblingsnummer ist. Deshalb habe ich gefragt, ob ich sie haben darf.“ Er durfte.

...Fin Bartels

Aus dem Bremer Kader kennt Kruse neben Kapitän Clemens Fritz (zusammen von 2007 bis 2009 bei Werder) den 29-Jährigen am besten. Zwischen 2010 und 2012 spielten beide gemeinsam für den FC St. Pauli. „Wir hatten immer guten Kontakt, haben uns vor kurzem sogar im Urlaub getroffen“, erzählte Kruse: „Als es mit Werder konkreter wurde, haben wir telefoniert – und Fin hat mir nur positives Feedback gegeben.“

...Martin Harnik

Mit dem 29-jährigen Österreicher, der Mitte Juli überraschend vom einen Bundesliga-Absteiger (VfB Stuttgart) zum anderen (Hannover 96) gewechselt ist, verbindet Kruse eine dicke Freundschaft. Beide kamen im Januar 2006 vom Dorfclub SC Vier- und Marschlande im Südosten Hamburgs in die Werder-Jugend. Die sportlichen Wege trennten sich später, doch der Draht blieb ganz eng. Anfang Juli waren die Zwei beim Jubiläumsspiel ihres Ex-Vereins und kickten bei ihrer ehemaligen A-Jugend-Mannschaft (2006 Bundesliga-Aufstieg) mit. Beide trafen doppelt. Und nun sind die Kumpel räumlich recht nah beieinander. Vom Bremer Weserstadion bis zur Hannoveraner HDI-Arena sind es nur 130 Kilometer. „Martin hat mir vorhin noch eine Sprachnachricht geschickt, was ich sagen soll und was nicht“, schmunzelte Kruse: „Er freut sich für mich und findet, dass es eine sehr gute Idee ist, zu dem Verein zurückzukehren, wo wir angefangen haben. Und ich glaube, dass Hannover von ihm eine gute Entscheidung ist – obwohl es auch erst mal so aussieht, als wäre es ein Schritt zurück.“

...Justin Bieber

Facebook, Instagram, Snapchat (Benutzername „jimmyhendrixx10“): Kruse ist viel in den sozialen Netzwerken unterwegs. Er versorgt seine Fans höchstpersönlich (anders als viele andere Profis, die es machen lassen) vor allem bei Facebook regelmäßig mit Beiträgen. Und gerne auch mit Videos. So wie Mittwochvormittag – da postete er ein Filmchen aus dem Auto auf der Fahrt nach Bremen. Und sang playback Justin Biebers „Love yourself“ mit.

 „Ich singe gerne, aber ich kann's nicht“, meinte Kruse, „dafür haben wir ja Justin Bieber.“ Er sei nicht unbedingt ein Fan des kanadischen Popstars, „das Lied ist eben gut. Und die Situation hat es ergeben. Ich wollte einfach zeigen, dass ich glücklich bin, wieder hier zu sein.“ Bei PokemonGO – dem aktuellen Hype-Handyspiel – ist der 28-Jährige allerdings raus: „Da mache ich nicht mit. Tut mir leid.“

Mehr zum Thema:

Oppendorfer Nikolausmarkt mit buntem Programm 

Oppendorfer Nikolausmarkt mit buntem Programm 

Wintersport in der Skihalle Neuss

Wintersport in der Skihalle Neuss

Ab in die Berge: Das sind die Trends beim Winterurlaub

Ab in die Berge: Das sind die Trends beim Winterurlaub

Was aktuelle Smartwatches wirklich können

Was aktuelle Smartwatches wirklich können

Meistgelesene Artikel

Fritz-Rückkehr steht bevor

Fritz-Rückkehr steht bevor

Petsos spricht Klartext: "Du weißt hier nicht, wo du dran bist"

Petsos spricht Klartext: "Du weißt hier nicht, wo du dran bist"

Werder denkt über Skripnik-Rückkehr nach

Werder denkt über Skripnik-Rückkehr nach

Bremer Effizienz entscheidet Kellerduell

Bremer Effizienz entscheidet Kellerduell

Kommentare