Ungar giert nach einem Stammplatz / Baumann: „Er hat einen anderen Stellenwert“

Kleinheislers klare Kampfansage

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Attacke! Laszlo Kleinheisler will bei Werder künftig eine deutlich größere Rolle spielen als in seinem ersten halben Jahr.

Bremen - Von Malte Rehnert und Carsten Sander. Für Zlatko Junuzovic war die EM ein Mega-Flop. Im ersten Spiel verletzt, dann flog Österreich auch noch nach der Vorrunde raus. EM-Star? Von wegen. Diese Rolle schnappte sich überraschend Laszlo Kleinheisler.

Das hat aus Bremer Sicht sogar eine gewisse Symbolik. Denn Kleinheisler könnte auch beim SV Werder den Platz von Junuzovic einnehmen. Sollte der Vizekapitän den Club noch verlassen, wäre der Ungar da – und wenn nicht, dann auch. Wichtig sein für Werder und viel spielen: Mit diesem klaren Ziel ist Kleinheisler aus seinem EM-Urlaub zurückgekehrt.

Der 22-Jährige hat sich die Seiten an den roten Haaren noch mal frisch abrasiert – als würde er mit seiner Frisur sagen wollen: Ich greife an. Und das tut er dann auch verbal. Auf die Frage, ob er in der kommenden Saison Stammkraft bei Werder wird, antwortete Kleinheisler gestern: „Ich denke schon.“ Und auf welcher Position fühlt er sich am wohlsten? „In der Mitte. Da, wo Junuzovic spielt.“

Selbstbewusste Worte, die verraten, dass sich der Winter-Neuzugang im Sommer in Frankreich eine ziemlich breite Brust zugelegt hat. „Es wäre doch schlimm, wenn er mit der Reservistenrolle zufrieden wäre. Er hat jetzt einen anderen Stellenwert und andere Ansprüche“, weiß Werder-Sportchef Frank Baumann. „Mit seinen Leistungen im Nationalteam hat Laszlo bestätigt, dass er Fußball spielen kann. Wir sind froh, dass wir ihn haben“, sagt Trainer Viktor Skripnik mittlerweile über Kleinheisler. In der Rückrunde der vergangenen Saison hatte er den Rotschopf noch gar nicht so toll gefunden. Der wuselige Dauerläufer, vor einem halben Jahr aus der ungarischen Versenkung beim FC Videoton II befreit, kam bei sechs Einsätzen lediglich auf 194 Bundesliga-Minuten. Auffälligkeiten in dieser Zeit? Auffällig wenige. Er wirkte – auch wegen der großen sprachlichen Barriere – irgendwie isoliert.

Werder-Zugänge zur Saison 2016/2017

Aber das war vor der EM. Jetzt ist nach der EM – und Kleinheisler ist mittlerweile ein Großheisler. Er lernt fleißig Deutsch, um sich besser und schneller zu integrieren („Zwei Mal pro Woche habe ich Unterricht“) – und um bald so problemlos kommunizieren zu können wie in seinem Nationalteam.

Dort war er beim EM-Sieg der Ungarn über Österreich sogar zum „Man of the Match“ gewählt worden. „Den Pokal habe ich immer bei mir. Darauf bin ich ganz stolz. Ich hoffe, dass ich noch viele solcher Preise gewinnen kann“, sagte der 22-Jährige, der auch auch beim 1:1 gegen Island wirbelte. Doch dann wurde er im letzten Gruppenspiel gegen Portugal geschont (3:3) und verletzte sich beim Aufwärmen für das Achtelfinale gegen Belgien (0:4).

Letztlich spielte er nur 169 Minuten bei der EM, aber die waren tausend Mal bedeutungsvoller als die 194 bei Werder. Von einem, mit dem offenbar nichts anzufangen war, hat er sich zum Hoffnungsträger entwickelt. „Ich habe von der EM viele positive Sachen mitgebracht. Und nun möchte ich mich hier beweisen und hoffe auf mehr Einsätze“, betonte der Ungar.

Werder-Training am Dienstag

Auch wenn seine Wandlung ungesund schnell zu verlaufen scheint, schwimmt Werder mit auf der Welle der Begeisterung. „Er kommt bestimmt mit großen Zielen zu uns. Davon können wir nur profitieren“, hatte Skripnik vor Kleinheislers Rückkehr gesagt. „Wir erwarten viel von ihm“, meint auch Baumann.

Ein bisschen erinnert das alles an die Geschichte um Angelos Charisteas – nur zwei Stufen niedriger. Der griechische Stürmer wurde bei der EM 2004 zwar zum griechischen Nationalhelden, weil er das Land mit seinem Treffer im Finale gegen Portugal zum Europameister machte, bei Werder war er dennoch nie die ganz große Nummer. Aber während Charisteas damals in einem starkbesetzten Bremer Team durchs Raster fiel, hat Kleinheisler die Chance, mit der Bremer Mannschaft zu wachsen.

Und diese Chance will er offensichtlich mit aller Macht nutzen. Ein Wechsel kommt jedenfalls nicht infrage, das hat er gestern noch mal deutlich gemacht: „Ich habe auch nur ein paar Gerüchte gehört, aber daran verschwende ich keinen Gedanken. Ich bin bei Werder und ich bleibe hier!“

Gut so, findet etwa Teamkollege Fin Bartels, der Kleinheisler fast schon euphorisch lobt: „Er ist einer, der in jedem Training immer am Limit ist. Du weißt einfach, dass du dich 100-prozentig darauf verlassen kannst, dass er sich für dich, für jeden den Arsch aufreißt.“

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