Werders Aufsichtsratsboss Bode liefert dünne Argumente für Eichin-Entlassung

Kein Tacheles nach dem Knall

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Werders Aufsichtsratsboss Marco Bode

Bremen - Von Malte Rehnert und Carsten Sander. Marco Bode kam um Punkt 14 Uhr am Weserstadion an. Eine Stunde Zeit zum Vorbereiten auf den großen Auftritt. Der Aufsichtsratsboss von Werder Bremen, eigentlich lieber im Hintergrund, musste ins Rampenlicht – und bei einer eigens einberufenen Pressekonferenz erklären, warum der Club Sportchef Thomas Eichin (49) entlassen und Frank Baumann (40) als Nachfolger installiert hat.

Und, das vorweg: Der frühere Stürmer wirkte bei seinen Erläuterungen zur Eichin-Trennung nicht gerade überzeugend. Als Bode um 14.58 Uhr im dunklen Anzug und weißen Hemd den brechend vollen PK-Raum betrat, lächelte er gequält – vermutlich ahnte er schon, dass seine (spärlichen) Gründe für Eichins Demission wenig plausibel und stattdessen vorgeschoben klingen würden. „Wir betrachten den Wechsel an der sportlichen Spitze als notwendig und sinnvoll. Die zentrale Frage war: Sind wir als Team von Führungskräften perfekt aufgestellt für die Zukunft? Diese Überzeugung fehlte uns“, sagte Bode. Warum genau, sagte er nicht.

Der 46-jährige Ex-Profi verneinte dafür vehement, dass es einen Machtkampf zwischen Geschäftsführer Eichin und dem Aufsichtsrat um die Weiterbeschäftigung von Trainer Viktor Skripnik gab. Und dass der Skripnik-kritische Eichin deshalb gehen musste. „Die Machtfrage existiert für mich nicht. Die Beurteilung des Trainers hat in den Diskussionen immer eine Rolle gespielt, aber nicht die zentrale“, behauptete Bode. Auch sei das Verhältnis zwischen Sportchef und Trainer „nicht komplett zerrissen“ gewesen. Ausschlaggebend für die Trennung von Eichin waren laut Bode „die unterschiedlichen Auffassungen über die sportliche Ausrichtung“, die er aber nicht näher erläuterte. Und dass der bisherige Sportchef nicht so gut zu Vereinsphilosophie („Menschen mitnehmen, die Identifikationsfunktion“) gepasst hat.

Eichins eher kühle und distanzierte, mitunter schroffe Art ist allerdings nicht neu, die pflegte er seit seinem Amtsamtritt im Februar 2013. Trotzdem verlängerte Werder im vergangenen September den Vertrag des Geschäftsführers Sport bis 2018. „Er hat auf seine Art, mit seiner Mentalität und Entschlusskraft, das eine oder andere Positive im Verein bewegt. Wir waren damals überzeugt, das Richtige zu tun“, meinte Bode. Mittlerweile hat aber ein Sinneswandel eingesetzt. Am Donnerstag urteilte Bode sogar: „Aus heutiger Sicht mag die Vertragsverlängerung als Fehler erscheinen.“ Diesen „Fehler“ wollte der Aufsichtsrat nun nachträglich korrigieren. Am Mittwochabend habe das Kontriollgremium die Entscheidung getroffen, sagte Bode.

Donnerstagvormittag folgte ein Fakten schaffendes Gespräch zwischen Eichin und ihm. „Es war offen, professionell und freundschaftlich unter diesen Umständen. Ich habe ihn davon in Kenntnis gesetzt, dass wir die Zusammenarbeit beenden möchten. Natürlich war er betroffen und enttäuscht, aber er hatte in gewisser Weise Verständnis. Und wir sind ohne Groll auseinander gegangen“, versicherte Bode, der Eichin (war trotz mehrerer Versuche nicht erreichbar) zumindest noch ein kleines Dankeschön mit auf den Weg gab – „für seinen Einsatz und seine Leidenschaft in den drei Jahren. Das würdigen und wertschätzen wir. Er musste in schwierigen Zeiten mit besonderen Bedingungen umgehen.“

Die Entscheidung für Eichins Nachfolger sei dann „sehr schnell“ gefallen, sagte Bode: „In den letzten 48 Stunden.“ Weitere Optionen neben Baumann habe man nicht geprüft, ergänzte der Aufsichtsratsboss: „Wir haben mit keinem anderen Kandidaten gesprochen.“ Mit Baumann (wie Bode Ehrenspielführer des Vereins) haben die Bremer nun wieder einen Alt-Werderaner in verantwortlicher Position eingebunden – und in Eichin einen Externen weggeschickt, der auch viele unbequeme Entscheidungen traf und damit im Club oft aneckte.

Zu viel Werder-Harmonie befürchtet Bode jetzt jedoch nicht: „Ich halte es für sinnvoll, wenn jemand Werder liebt und sein Herzblut einbringt. Ich weiß aber, dass Gedanken aufkommen, dass da einer von außen rausgedrängt wird.“ Stimmt so nicht, beteuerte der Aufsichtsratschef. Neue Impulsgeber, wie Eichin einer war, stünden nicht vor verschlossenen Vereins-Türen. Bode: „Werder ist keine Familie, die niemanden reinlässt. Wir wollen eine offene Familie sein.“

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