Kapitän Fritz spricht im Interview über Trainer Skripnik – und sagt, worauf es jetzt ankommt

„Wir vertrauen Viktor zu 100 Prozent“

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Das Zuschauen ist vorbei: Am Sonntag in Stuttgart darf Kapitän Clemens Fritz wieder spielen – und will mit Werder zurück in die Erfolgsspur.

Bremen - Von Malte Rehnert. Der Kapitän hatte sich eine mediale Auszeit verordnet, wollte nach seiner Gelbsperre aus dem Wolfsburg-Spiel eine Woche lang nicht öffentlich reden. Nun spricht Clemens Fritz wieder. Vor Werders Kellerduell beim VfB Stuttgart am Sonntag (15.30 Uhr) sagt der 34-Jährige im Interview, worauf es in dieser schwierigen Phase besonders ankommt und wie kritisch er die Situation einschätzt. Und er stärkt Trainer Viktor Skripnik den Rücken.

Herr Fritz, am Montag werden Sie 35 Jahre alt. Was ist Ihr größter Wunsch?

Clemens Fritz: Die Frage beantwortet sich von selbst. In erster Linie natürlich Gesundheit, das ist absolut das Wichtigste. Und dann wünsche ich mir als vorgezogenes Geschenk drei Punkte in Stuttgart.

Die würden Werder nach zuletzt zwei Niederlagen gut tun. Ihr Verein steckt wieder im Abstiegskampf. Wie groß sind Ihre Sorgen?

Fritz: Es wäre blauäugig und naiv, wenn wir uns nicht sehr intensiv mit der Situation auseinandersetzen würden. Klar beschäftigt einen das. Es fällt schwerer, abzuschalten. Aber man muss sich einfach auch die Ruhe und die Auszeit nehmen, um zu entspannen. Ich habe es schon oft gesagt: Ich halte nichts davon, alles nur negativ zu sehen, gehe grundsätzlich optimistisch an Aufgaben heran. Gerade diese Leichtigkeit braucht man auch, um Top-Leistungen abrufen zu können.

Wie schaltet man denn mal ab?

Fritz: Mit Freunden treffen, einen Film schauen oder ein Buch lesen. Das macht jeder unterschiedlich.

Wo liegen derzeit Werders größte Probleme?

Fritz: Wenn wir einen Rückschlag erleiden wie zuletzt das frühe Gegentor gegen den HSV, verlieren wir ein bisschen den Faden. Wir müssen wieder mehr an unsere eigene Stärke glauben, uns mehr vertrauen. Das ist das, was uns stark gemacht hat. Diese Gemeinschaft, der Glaube, dass wir immer wieder aufstehen. In der vergangenen Saison hat häufiger keiner mehr mit uns gerechnet – aber gerade dann sind wir zurückgekommen. Da müssen wir wieder hinkommen. Da können wir reden, so viel wir wollen – wir müssen es auf dem Platz zeigen.

Wann genau ist diese Stärke verloren gegangen?

Fritz: Ich weiß nicht, ob sie komplett verloren gegangen ist. Wenn wir jetzt in den drei Spielen vor der Winterpause noch ordentlich punkten, kann man nicht davon sprechen, dass sie weg ist. Ich habe nach wie vor ein unheimliches großes Vertrauen in uns als Mannschaft. Dass wir momentan die spielerische Qualität, die wir uns alle gewünscht hatten, nicht haben, ist klar. Wenn man unten drin steht, hat man nicht dieses Selbstvertrauen.

Wie stärkt man den Glauben an sich selbst?

Fritz: Nehmen wir die vergangene Rückrunde. Da war so ein Selbstverständnis da. Wir haben den Schwung aus dem letzten Hinrundenspiel gegen Dortmund mitnehmen und transportieren können. Man hatte das Gefühl, dass uns nichts umwerfen kann. Dieses Selbstvertrauen müssen wir uns wieder erarbeiten. Das geht am besten, wenn man Erfolg hat.

Klingt recht einfach – ist es aber nicht, oder?

Fritz: Wenn es einfach wäre, würden wir nicht da stehen, wo wir stehen. Wir werden es versuchen, dürfen einen großen Fehler aber nicht machen: Denken, dass wir uns da – wie in den vergangenen Jahren – schon irgendwie rausziehen. Denn ,irgendwie‘ wird es nicht funktionieren. Wir müssen an die Grenze und darüber hinaus gehen – nur dann kann es klappen.

Sie sprechen die vergangenen Werder-Jahre im knallharten Abstiegskampf an, kennen solche Situationen bestens. Wie kritisch ist die aktuelle?

Fritz: Genauso kritisch wie im vergangenen Jahr. Und im Jahr davor. Da kann man keine Unterschiede machen. Wir stehen da, wo wir letztes Jahr zu dieser Zeit standen. Da kann man momentan auch nicht von Fortschritten reden. Nach zwei Niederlagen ist es schwierig, etwas als positiv zu verkaufen. Ich weiß aber: Wir arbeiten intensiv mit dem Trainerteam zusammen. Das Entscheidende ist, an uns zu glauben und den Weg gemeinsam weiterzugehen.

Welchen Eindruck haben Sie in dieser Phase von Trainer Viktor Skripnik?

Fritz: Die Enttäuschung war bei allen enorm groß nach dem HSV-Spiel, auch beim Trainer. Am Montag hatten alle ein paar Stunden Zeit, um den Kopf freizubekommen. Das tat gut. Er ist bereit, er will anpacken – mit uns allen zusammen. So erlebe ich ihn.

Erst Thomas Schaaf, dann Robin Dutt: Sie haben in Bremen zwei Trainerentlassungen miterlebt. Bei beiden hatte man von außen den Eindruck, es geht nicht mehr weiter. Kriegt Skripnik noch die Kurve?

Fritz: Wir vertrauen Viktor und seinem Trainerteam zu 100 Prozent und wollen in dieser Konstelletion weitermachen. Uns muss allen bewusst sein: Eine Trainerentlassung ist immer auch eine Riesen-Niederlage für die Mannschaft. Wir sind alle dafür verantwortlich, den Bock umzustoßen und mit einem positiven Gefühl in die Winterpause zu gehen. So, wie in der vergangenen Saison. Natürlich muss man an ein paar Stellschrauben drehen. Wenn es nicht läuft, verändert man immer ein bisschen.

Wie kann die Mannschaft dem Trainer helfen?

Fritz: Konzentriert und intensiv arbeiten – und am Wochenende ein gutes Spiel abliefern. Ganz einfach.

Werder ist Tabellen-15., hat 13 Punkte und noch drei Partien vor der Winterpause. Wann würden Sie sagen, die Hinrunde ist halbwegs okay?

Fritz: Natürlich wäre es schön, wenn wir mehr Punkte holen als in der Vorsaison (da waren es zur Halbzeit 17, d. Red.), das werde ich jetzt aber nicht als Ziel ausrufen. Ich bin kein Freund davon, groß rumzurechnen. Ich gucke jetzt einfach nur auf das nächste Wochenende. Und da ist es sehr wichtig, dass wir drei Punkte holen. Es ist ein Spiel gegen einen direkten Konkurrenten – und da haben wir schon genug Punkte verschenkt.

Zum Leidwesen der Bremer Fans. Nach dem HSV-Spiel haben einige beklagt, die Werder-Mannschaft habe sie zum ersten Mal hängengelassen. Was sagen Sie zu diesem Vorwurf?

Fritz: Dass die Fans nach einer Derby-Niederlage total enttäuscht sind und ihren Unmut äußern, ist normal und verständlich.

Sie selbst waren gegen den HSV nicht dabei, weil Sie sich in Wolfsburg wegen Meckerns die fünfte Gelbe Karte eingehandelt hatten.

Fritz: Und da habe ich mich unheimlich über mich selbst geärgert. Es war irgendwie ein Reflex, weil ich mit der Gelben Karte für Alex Galvez nicht einverstanden war und die Wolfsburger in vergleichbaren Aktionen ein paar Mal nur ermahnt wurden. Ich habe deswegen das Nordderby verpasst – und dann auch noch zu Hause. In diesem Spiel will jeder dabei sein. Und wenn man dann ausfällt, ist das unheimlich ärgerlich.

Danach haben Sie geschwiegen. Warum?

Fritz: Was hätte ich noch sagen sollen? Ich habe mich geärgert, konnte im nächsten Spiel nicht spielen und wollte mich nicht hinstellen und irgendwelche Parolen verbreiten.

Wie hat der Verein auf Ihre Sperre reagiert?

Fritz: Ich habe eine Geldstrafe bezahlt. Damit ist es erledigt.

Gegen Stuttgart sind Sie nun wieder dabei. Was spricht in diesem Kellerduell des 15. beim 17. für Werder?

Fritz: Wir haben die letzten zwei Auswärtsspiele gewonnen, gut gestanden und es dem Gegner sehr schwer gemacht. Das wollen wir wiederholen. Die Stuttgarter stehen auch mit dem Rücken zur Wand, sind in einer ähnlichen Situation. Für beide Mannschaften ist es ein richtig wichtiges Spiel.

Sie treffen auch auf Robin Dutt, der vor gut einem Jahr noch Werder-Trainer war und nun Sportvorstand beim VfB ist. Haben Sie noch Kontakt?

Fritz: Nein, in den letzten Monaten nicht mehr. Und es ist auch kein komisches Gefühl, auf ihn zu treffen, weil wir in der vergangenen Saison ja schon mal gegen ihn gespielt haben.

Thema Neuverpflichtungen im Winter. Was glauben Sie, braucht Werder Verstärkungen?

Fritz: Wir haben noch nie einen Spieler, der uns weiterhilft, abgelehnt. Da ist jeder herzlich willkommen. Aber ich weiß eben auch um die finanzielle Situation des Vereins. Mehr will ich dazu gar nicht sagen, weil viel auch noch Spekulation ist. Die Hauptaufgabe für uns als Mannschaft ist, uns auf den Fußball zu konzentrieren. Das machen wir.

Abschließend zu Ihrer Zukunft. Noch ein Jahr dranhängen oder im Sommer aufhören – was favorisieren Sie momentan?

Fritz: Ich fühle mich körperlich sehr gut und fit. Das ist eine Grundvoraussetzung. In der Winterpause werde ich mich in Ruhe hinsetzen und mir intensiver darüber Gedanken machen.

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