Baumann und Skripnik verteidigen ihre bisherige Personalpolitik

Ist dieser Kader wirklich stark genug?

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Gleiches Denken: Sportchef Frank Baumann und Coach Viktor Skripnik wurden im Trainingslager unabhängig voneinander befragt und gaben dann sehr ähnliche Antworten – in sehr ähnlichen Posen...

Neuruppin - Von Carsten Sander. Viktor Skripnik hat sich längst festgelegt. Der Kader, so wie er ihm zur Verfügung stehen wird, „ist gut genug für die Bundesliga“, sagt der Trainer des SV Werder Bremen. Er tut es mit der für seinen Posten angemessenen Überzeugung. Dabei sind Zweifel über die Richtigkeit der These erlaubt, sie drängen sich förmlich auf. Denn die geballte Qualität springt einen in diesen Tagen beim Blick auf den Trainingsplatz nicht gerade an.

Was ist mit der neu formierten Innenverteidigung? Ist sie tatsächlich gut genug? Was mit der Offensive? Können die Neuzugänge Lennart Thy, Justin Eilers und Top-Talent Johannes Eggestein den Verlust von Anthony Ujah kompensieren? Und wie groß wäre das Loch im Mittelfeld, wenn in Zlatko Junuzovic noch ein Leistungsträger ginge? Ist das nicht alles schon zu viel Qualitätsverlust, um von einem guten Kader zu sprechen? Viktor Skripnik und Sportchef Frank Baumann gehen den Fragen nach. Punkt für Punkt.

Punkt 1: die Abwehr

Unübersehbar ist: Werder hat an Größe verloren. Nicht mehr die Kanten Vestergaard und Djilobodji verteidigen im Zentrum, sondern Niklas Moisander und Fallou Diagne. Größenunterschied in der Summe: minus 24 Zentimeter. Da drohen Kopfballgegentore, oder? Nicht zwingend. Skripnik sagt, dass er dem Verlust an Größe bei Standardsituationen mit einer anderen Organisation begegnen will. „Eine Mischung aus Raum- und Manndeckung, vielleicht stellen wir auch zwei Mann an die Pfosten, lassen keinen mehr vorne. Wir wollen das mit einer besseren Organisation lösen.“ Grundsätzlich ist es sogar gewollt, mit kleineren Spielern zu verteidigen. „Der Fußball hat sich doch verändert“, sagt Frank Baumann, „es gibt kaum noch Mannschaften, die mit langen Bällen auf ihre Zwei-Meter-Stürmer agieren.“

Werder-Abgänge zur Saison 2016/2017

Gut, das galt bis zur EM. Das Turnier hat aber gezeigt, dass kräftige Mittelstürmer wieder im Kommen sind. Die kleine, technisch versierte „falsche Neun“ gerät außer Mode. Werder, so scheint es, ist spät dran mit seiner neuen Struktur. Doch Baumann argumentiert dagegen: „So schnell wandelt sich das nicht.“ Außerdem glaubt Werder, sich mehr Cleverness in die Abwehr geholt zu haben. „Das brauchen wir“, meint der Sportchef. Und der Trainer sagt ungeschminkt: „Nur Kopfbälle gewinnen und den Ball rausbolzen, reicht nicht.“ Für ihn ist die Neu-Besetzung der Innenverteidigung zielführend: „Wir haben jedes Jahr so viele Gegentore bekommen, da müssen wir etwas bewegen.“ Ein Wunsch ist dabei jedoch noch offen.

„Auf der Rechtsverteidigerposition brauchen wir noch einen Backup für Theo Gebre Selassie. Wir schauen nach Kandidaten“, erklärt Skripnik. Baumann sieht diese Baustelle als „letztes Vakuum“ im Kader. Die Innenverteidigung könnte bleiben, wie sie ist, es sei denn, Luca Caldirola und/oder Alejandro Galvez wollen am Ende der Vorbereitung gehen. „Wenn einer unzufrieden ist, weil er glaubt, dass er nur auf der Bank sitzt, und wir ein gutes Angebot bekommen – bitte! Wir sind doch keine Unmenschen“, sagt Skripnik. Also: Es kann sich doch noch mehr tun.

Punkt 2: das Mittelfeld

Soweit ist alles komplett. Das defensive Mittelfeld ist mit Clemens Fritz, Philipp Bargfrede (wenn wieder gesund), Florian Grillitsch, Milos Veljkovic, Lukas Fröde und Neuzugang Thanos Petsos sogar gnadenlos überbesetzt. In der Offensive ist Neuzugang Florian Kainz der Hoffnungsträger und dessen österreichischer Landsmann Zlatko Junuzovic das große Fragezeichen. Kommen noch Angebote oder nicht? „Im Moment nichts Neues“, meldet Baumann. „Ich freue mich, wenn Zladdy bleibt“, wiederholt Skripnik.

Punkt 3: der Sturm

Alles fixiert sich auf den bald 38 Jahre alten Claudio Pizarro. Nicht auszudenken, wenn er länger verletzt ausfallen sollte. Dann stünde Werder nach dem Verkauf von Anthony Ujah dumm da. Zumal nicht abzusehen ist, wann Aron Johannsson zurückkehrt. Skripnik dazu: „Es kann noch zwei Wochen oder auch zwei Monate dauern.“ Oder noch länger. Die Aussicht, im Falle eines Falles auf Fin Bartels (18 Tore in 109 Bundesliga-Spielen) oder die noch nie in Liga eins erfolgreichen Lennart Thy, Justin Eilers oder Nachwuchsmann Johannes Eggestein angewiesen zu sein, macht ein mulmiges Gefühl.

Werder-Zugänge zur Saison 2016/2017

Wohl auch bei Baumann, der sagt: „Es ist nicht ausgeschlossen, dass wir noch etwas tun.“ Er kann sich aber auch vorstellen, dass Risiko einzugehen, nichts mehr zu machen. „Gebt den Jungs doch die Chance, zu zeigen, dass sie in der Bundesliga spielen können“, fordert er. Skripniks Haltung dazu ist eindeutig: „Wir können Ujahs Abgang so auffangen.“

Fazit

Wenn Moisander/Diagne als Innenverteidiger-Paar funktionieren, wenn Kainz einschlägt und bei Grillitsch die Entwicklung weiter so rasant voranschreitet, wenn Pizarro gesund bleibt und Johannsson irgendwann tatsächlich gesund wird, dann ist Werder mit dem aktuellen Kader wahrscheinlich gut genug für die Bundesliga. Wenn nicht, dann...

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