Ihre Streits sind legendär, doch aus Feinden wurde Freunde

Zum 70. - Hoeneß herzt Lemke

Fußball mit Herz – wer hätte gedacht, dass Willi Lemke (re.) jemals von Uli Hoeneß (li.) ein derartiges Geschenk bekommen würde? Hoeneß war gestern der Überraschungsgast auf dem Empfang anlässlich des 70. Geburtstages von Lemke. Dessen Ehefrau Heide hat sichtbar Freude an der neuen Männerfreundschaft. J Foto: Gumz

Bremen - Es war eine der größten Feindschaften in der Bundesliga. Willi Lemke und Uli Hoeneß haben sich bekämpft, wo es nur ging – nur nicht auf dem Platz. Schließlich waren sie Manager. Lemke beim SV Werder, Uli Hoeneß beim FC Bayern.

Es war das Duell Klein gegen Groß, Arm gegen Reich, dass beide mit Leidenschaft und vielen hitzigen Reden befeuert hatten. Doch je mehr sich Werder und Bayern sportlich voneinander entfernt haben, umso näher sind sich die Streithähne von einst gekommen. Die Feindschaft ist vorbei, und Hoeneß war gestern so etwas wie der Überraschungsgast beim 70. Geburtstag von Willi Lemke.

Der SV Werder hatte für seinen langjährigen Manager, späteren Aufsichtsratsvorsitzenden und aktuellem Noch-Aufsichtsrat einen Empfang im Weserstadion ausgerichte. Hoeneß' Anwesenheit war dabei für manchen Gast eine kleine Sensation, für Lemke natürlich nicht. Er hatte seinen Ex-Erzfeind selbst auf die Gästeliste setzen lassen. Und Uli Hoeneß hatte die Einladung gerne angenommen. „Es hat mich gefreut. Unser Verhältnis hat sich ja seit fast einem Jahr total entspannt, sehr gebessert und prima entwickelt“, sagte der 64-Jährige im Gespräch mit dieser Zeitung.

Die Initialzündung zur Versöhnung war ein Telefonat, das von Uli Hoeneß ausging: „Ich hatte Willi Lemke nach meinem Gefängnisaufenthalt angerufen und mich bei ihm bedankt, dass er die Zeit vor dem Urteil und danach nicht genutzt hat, um auf mich, der am Boden lag, draufzutreten. Es wäre ein Leichtes gewesen für ihn, das zu tun. Und dafür habe ich mich bei Willi Lemke, aber übrigens auch bei Christoph Daum, bedankt.“ Aus diesem Gespräch hat sich ein dauerhafter Dialog mit Lemke ergeben mit mehreren Treffen. „Und das Ergebnis ist, dass ich heute hier bin“, so Hoeneß.

Empfang zu Lemkes 70. Geburtstag

Im März 2014 war der heute 64-Jährige wegen Steuerhinterziehung zu einer Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren verurteilt worden. Seit Ende Februar ist er wieder auf freiem Fuß, die Reststrafe wurde zur Bewährung ausgesetzt. Nun steht Hoeneß vor einem Comeback bei den Bayern, dort soll er wieder Präsident werden. Lemke als Gegner wird er dann nicht mehr haben, der 70-Jährige wird Ende November nicht mehr für einen Sitz im Aufsichtsrat kandidieren. Wiede eine Stimme weniger im Fußball, findet Uli Hoeneß: „Was Willi Lemke und ich früher miteinander ausgetragen haben, ist heute gar nicht mehr möglich, weil die meisten viel zu sehr darauf achten, wie sie in den Medien und Foren wegkommen. Da fehlen mir dann schon Leute wie Heribert Bruchhagen, Willi Lemke oder auch Rudi Assauer.“ Sich mal öffentlich zu streiten sei „erstens unterhaltsam und gibt zweitens dem einen oder anderen auch den Anstoß, über das eine oder andere nachzudenken“, meint Hoeneß.

Gestern zeigten Lemke und Hoeneß vor allem, dass Versöhnung immer möglich ist – egal, was vorher war. Aus Feinden sind Freunde geworden, wie Lemke bestätigt: „Ich freue mich, dass Uli Hoeneß hergekommen ist. Zu ihm habe ich ein Verhältnis aufgebaut, das ganz anders ist, als das, was wir früher hatten. Früher mochten wir uns nicht, um es mal ganz freundlich auszudrücken. Und heute packen wir gemeinsam internationale Projekte an. Er nimmt meine Erfahrung und Anregungen auf und wir realisieren das dann gemeinsam. Ich sage dann zu Uli: ,Heute können wir wieder gut schlafen.' Weil wir wieder etwas Tolles gemacht haben für die Menschen, denenen es längst nicht so gut geht wie uns.“ 
csa/kni

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